Sindelfingen: hunderte Reptilien in kleinen Plastikboxen auf Tierflohmarkt verramscht
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Sindelfingen: hunderte Reptilien in kleinen Plastikboxen auf Tierflohmarkt verramscht

 

Tiere, ausgestellt in kleinen Plastikboxen.

Über Tage eingepfercht und tausenden Menschen zum Verkauf angeboten – so werden auch im Jahr 2017 empfindliche Lebewesen auf der Exotenbörse in Sindelfingen wie auf einem Trödelmarkt verramscht. Viele der Tiere sind Wildfänge und wurden ihrem natürlichen Zuhause entrissen. Wird ein Tier verkauft, steht hinter den Tischen schon der Karton mit „Nachschub“ bereit.

Auch auf der diesjährigen Tierbörse „Fisch und Reptil“ in Sindelfingen gibt es wieder viel Tierleid zu sehen.

Kaufinteressenten reichen die sensiblen Tiere umher und auch Live-Fotogelegenheiten mit Spinnen, Bartagamen und Schlangen werden angeboten. Schlangen werden direkt vor einem Mäusekäfig umhergetragen, in denen die sensiblen Nager ohne Rückzugsmöglichkeit sitzen, um später als Lebendfutter veräußert zu werden.

Jeder Besucher wird durch Mengenrabatte und Sonderangebote zu Spontankäufen angeheizt, ohne sich vorher ausreichend Gedanken über Unterbringung und Haltungsformen der Tiere zu machen.

„Was machen denn unsere Kinder im Winter, wenn sie mit der Schildkröte spielen wollen und diese Winterschlaf hält?“ so eine Kaufinteressentin am Verkaufstisch der Schildkröten.

Nach den eigentlich vorgeschriebenen Rückzugsmöglichkeiten für die sensiblen Tiere sucht man vergebens. Außer ein paar Pflanzen aus Plastik gibt es meist keine Möglichkeit, für die Tiere, vor den Besuchermassen ausreichend Schutz zu bekommen. Hinweise, welche Tiere aus Wildfängen stammen, lassen sich fast nirgendwo finden.

Rund 600.000 Tiere werden jedes Jahr nach Deutschland importiert. Unter anderem auch, um dann von Besuchern solcher Börsen spontan gekauft zu werden. Viele der Reptilien sterben schon auf den langen Transportwegen. Eine Sterberate von bis zu 70% wird von den skrupellosen Verkäufern bereits einkalkuliert. Ahnungslose Käufer haben nahezu keine Möglichkeit heraus zu finden, woher die Tiere stammen – auch weil die vorgeschriebene Kennzeichnung zur Herkunft meist fehlt. In deutschen Haushalten leiden die Tiere immens und sterben oft verfrüht.

PETA erstattet, aufgrund der zahlreichen Verstöße gegen die Leitlinien zur Ausrichtung von Reptilienbörsen, Anzeige gegen den Veranstalter und Aussteller.

Wieder einmal wird klar, warum auch die Stadt Sindelfingen sich endlich auch dazu entscheiden sollte, tierquälerische Börsen dieser Art nicht mehr zuzulassen. Die Stadt Passau hat es bereits vorgemacht und lässt gewerbliche Reptilienbörsen in ihren Hallen nicht mehr zu.

 

Was Du tun kannst:

  • Exotische Tiere gehören nicht ins Wohnzimmer. Unterschreibe unsere Petition gegen die Privathaltung von exotischen Tieren in deutschen Haushalten.
  • Mehr über den skrupellosen Handel mit Exoten findet ihr hier.
  • Fordere die Stadt Sindelfingen mit einem Schreiben dazu auf, künftig auf Börsen wie diese zu verzichten.
  • Bitte fordere mit uns das dringend benötigte Heimtierschutzgesetz.
  • Besuche niemals Tierbörsen und bitte auch Familie und Freunde, dies nicht zu tun.

 

Über den Autor

Jana

Fachreferentin für den Bereich Tierische Mitbewohner bei PETA Deutschland.

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