Verschiedenes

Zum Fest der Liebe

Foto: (c)clipdealer

„Was wünscht du dir dieses Jahr zu Weihnachten?“, fragt mich meine Mutter am Telefon. „Wie jedes Jahr, Mama: Nichts!“ „Aber irgendwas musst du dir doch wünschen!“

Ich bin in unserer Familie der Spielverderber, da ich seit einigen Jahren das „geschenklose“ Weihnachten bei uns eingeführt habe. Ich bin kein Freund von den x-ten Paar Socken, dem fünften Parfüm oder technischen Schnick Schnack unterm Weihnachtsbaum, weil Schenken zum Pflichtakt degradiert wird. Die letzten Jahre hat es erstaunlicherweise gut geklappt, und obwohl meine Mutter die Vorzüge des Nicht-Schenkens immer gelobt hat, verfällt sie doch jedes Jahr aufs Neue der hereinabrechenden Konsumwelle.

Dabei bietet Weihnachten so viel mehr als teilweise teure und sinnlose Geschenke. Schließlich ist Weihnachten das Fest der Liebe! Wir verbringen diese Tage mit unseren Familien, erzählen uns Anekdoten aus längst vergangener Zeit, holen die Kinderfotos raus und essen gemeinsam. Gut und üppig.

Eine diesjährige Umfrage ergab, dass das beliebteste Gericht an Heilig Abend „Kartoffelsalat mit Bockwurst“ ist, dicht gefolgt von Braten, Steak und Schnitzel. Aber auch Raclette, Fondue und Fisch werden gerne zum Festtag serviert. (1) Mehr als eine halbe Millionen der in Deutschland getöteten Gänse und 25 Millionen Enten werden im letzten Quartal des Jahres getötet, um pünktlich zu Weihnachten auf den Tisch zu landen. Das Weihnachtsfest erinnert angesichts dieser Zahlen wohl eher an ein Schlachtfest.

„Gut, Mama, ich wünsche mir ein veganes Weihnachtsmenü für uns alle!“ – „Aber ein mal kannst du doch eine Ausnahme machen und dir was gönnen!“, höre ich meine Mutter sagen, „Das war doch schon immer Tradition bei uns.“

Eigentlich bin ich ein Freund von Traditionen. Das „Gewohnheitstier“ in uns lechzt nach reglementierten und routinierten Handlungen, die zum menschlichen Wohlbefinden beitragen. Bräuche und Traditionen bestimmen im Wesentlichen unsere Wahrnehmung als Kulturwesen und als Kulturtreibende. Aber Traditionen, die auf dem Leid anderer fußen? Diese tragen weder zu meinem Wohlbefinden noch meiner kulturellen Identität bei. Nein, ich schäme mich geradezu dafür, dass andere Lebewesen sterben müssen, damit Menschen sich als Teil einer Kulturgemeinschaft begreifen. Massenmord aus Tradition?

Es ist nahezu paradox, dass wir töten (lassen), um uns etwas zu gönnen, zu feiern, uns lebendig zu fühlen.

„Gut, Mama, dann lass es mich anders sagen: Ich wünsche mir, dass kein Schwein lebendig im Brühkessel landet, damit es zur Bockwurst verarbeitet werden kann! Ich wünsche mir, dass kein Küken kurz nach dem ersten Atemzug gehäckselt werden muss, weil Eier in den Plätzchenteig gehören. Ich wünsche mir, dass jedes Kälbchen ein Recht auf seine Mutter und seine Milch hat, anstatt kurz nach seiner Geburt entrissen zu werden. Ich wünsche mir, dass Menschen lernen, dass kein Geschmack der Welt, das Leid der Tiere wert ist!“

Gut zu wissen
Tradition und Tierrechte schließen sich absolut nicht aus! Hier gibt es köstliche Rezepte für ein tierfreundliches Fest!

Quellen
(1) http://www.tz.de/muenchen/gastronomie/heiligabend-essen-nummer-eins-5932154.html

Über den Autor

Jobst

Kümmert sich bei PETA um Grafiken, Videos und die Online-Kommunikation. Hat 1994 eine der besten Entscheidungen seines Lebens getroffen: vegan zu werden.

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