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Wie weit reichen Veganismus und Tierrechte wirklich zurück?

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Diese Blogreihe ist ein Gastbeitrag von Alessia Bacigalupo

Nicht viele Menschen wissen, dass es Mitgefühl gegenüber nicht-menschlichen Lebewesen und ein Leben ganz ohne tierische Produkte bereits im 6. Jahrhundert vor Christus gab.

Habt ihr schon einmal vom Jainismus gehört?

Aus Indien stammend ist der Jainismus die älteste religiöse Philosophie, die Tiere in ihre moralischen Bedenken miteinbezieht. Anhänger dieser Bewegung praktizieren den Veganimus und zeigen Respekt gegenüber jedem Lebewesen.

Jainisten betreiben Auffangstationen, wo sie kranke oder alte Tiere aufnehmen, die nicht mehr für sich selbst sorgen können. Außerdem kehren sie vor sich den Boden, bevor sie darüber gehen, damit sie keine kleinen Tiere zertreten.

Wohl eines der ersten Schriftstücke, das sich mit den Gefühlen von Tieren befasst, wird der jainistischen Philosophie zugeschrieben.

Es heißt, der jainistische Prinz Parshvanath (877-777 v. Chr.) habe am Tag seiner Hochzeit einen Pferch mit Tieren gesehen, die für das Hochzeitsbankett geschlachtet werden sollten. Er weigerte sich, an der Feier teilzunehmen, würden die Tiere nicht freigelassen.

“Tiere haben eine Seele, sie haben ein Bewusstsein, wollen leben, genau wie wir; sie haben Gefühle und Emotionen. Sie empfinden Liebe und Leidenschaft; sie fürchten den Tod, genau wie wir. Ihr Instinkt, zu leben, ist nicht geringer als unserer. Ihr Recht auf Leben ist so fundamental wie unseres. Ich kann nicht heiraten, kann nicht lieben und kann nicht das Leben genießen, wenn Tiere versklavt und getötet werden“, so der Prinz.[1]  

Unter den griechischen Philosophen hat sich Pythagoras (570-501 v. Chr.) bekanntermaßen für eine pflanzliche Ernährung ausgesprochen. Ovidius (43 v. Chr.- 18 n. Chr.) erinnert sich in den Metamorphosen, er habe den Konsum von Fleisch strikt abgelehnt, da er ihn als nichts als ein Blutbad ansah.

Pythagoras ging in seiner Theorie der Seelenwanderung davon aus, dass die Substanz der Seele von Mensch und Tier gleich sei. Mit der Übersiedlung der Seele könne ein Mensch als Tier wiedergeboren werden und andersherum.

Es heißt außerdem, Pythagoras sei der erste „Tierbefreier“ gewesen. Er kaufte gelegentlich Tiere auf Märkten und ließ sie dann frei.

Plato rät in seinem Meisterwerk Politeia zum Verzicht auf Fleisch, da dieses zu einem Zustand des Kriegs und der Instabilität führen würde. Von den Verantwortlichen in der von ihm entworfenen idealen Stadt verlangte er eine vegetarische Ernährung.

Den entgegengesetzten Trend im Fortschreiten des ethischen Umgangs mit Tieren in der griechischen Philosophie stellt der Denkansatz Aristoteles´ dar.

Er war der Erste, der den Gedanken verbreitete, es gebe eine natürliche Hierarchie unter den Lebewesen.

Pflanzen besetzen in der Reihenfolge den letzten Platz, da sie lediglich den Nährstoffaspekt darstellen. Danach folgen die unvollkommenen Tiere wie Austern, die Sinne besitzen, und nach ihnen die vollkommenen Tiere. In diese Gruppe ordnet er Lebewesen wie Säugetiere ein, die sich durch die vorgenannten Eigenschaften auszeichnen, aber zusätzlich die Fähigkeit besitzen, sich fortzubewegen. Und schließlich folgt die Gruppe des Menschen, der sich von den anderen Lebewesen durch seine intellektuellen Fähigkeiten unterscheidet.

Aufgrund ihres Mangels an Intelligenz und damit einhergehend ihrer Fähigkeit, rationale Entscheidungen zu treffen, wird den Tieren ein niedrigerer Status zugewiesen. Das Modell von Aristoteles sieht sie als Objekte, die dem Menschen zu Dienste stehen.

Leider schlugen diese Theorien in der westlichen Kultur ihre Wurzeln – von der christlichen Philosophie bis hin zu Mechanismen Descartes‘– und trugen so dazu bei, dass Tieren der moralische Status aberkannt wurde.

Einer von Aristoteles´ wichtigsten Schülern jedoch, Theophrastus, kritisierte die Lehrmeinung seines Meisters. Er lehnte die Idee, Tiere würden dem Menschen zur Verfügung stehen, entschieden ab und verurteilte auch das Töten von Tieren zu Nahrungszwecken.

Theophrastus zufolge würde das Töten eines unschuldigen Tieres auch Massaker unter Menschen fördern.

Und es gibt noch mehr Beispiele zum Thema Veganismus in der Antike: Plutarch veröffentlichte beispielsweise eine Schrift mit dem Titel „Über das Fleischessen“ (80-90 n. Chr.) und gibt darin an, der Fleischkonsum sei für den Menschen kein natürlicher Zustand, sondern lediglich eine Frage des Genusses, da sein Verdauungsapparat nicht entsprechend ausgestattet sei. In der gleichen Schrift enthüllt der Philosoph sein Mitgefühl gegenüber Tieren. Für eine kleine Scheibe Fleisch würde der Mensch den Tieren das Sonnenlicht und ihre gesamte Existenz vorenthalten.

Er kritisiert auch die Meinung, die Schreie der zur Schlachtung aufgereihten Tiere wären lediglich unartikulierte Laute, keine Bitten um Gnade. Köche waren seiner Ansicht nach nicht mehr als Leichenverschönerer.

Obwohl der moralische Stand von Tieren und der Vegetarismus also in der Antike zur Sprache kamen, blieben diese revolutionären Ideen – zum Leidwesen der Tiere – doch größtenteils im Verborgenen. Es setzte sich die Annahme durch, einen Anspruch auf Gerechtigkeit habe nur der Mensch.

 

[1] Why Animals Matter: A Religious and philosophical perspective. Jainism  Abgerufen unter http://www.think-differently-about-sheep.com/Why_Animals-Rights_Matter_Jainism_Ahimsa_and_Animal_Rights.htm

 

Weitere Themen dieser Blogreihe:
Werfen wir die kartesianische Sicht auf Tiere über Bord!
Speziesistische Theorie: Von ihren Anfängen und Entwicklungen
Die Tierrechtsdebatte: Vom Utilitarismus zum Abolitionismus
Die Verbindung zwischen Feminismus und der Unterdrückung von Tieren

 

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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