Verschiedenes

Was genau ist eigentlich Tierethik?

Unser Praktikant Eric Jedzig schreibt in seinem Gastbeitrag über Tierethik.

Viele Menschen sind der Auffassung, dass unser gegenwärtiger Umgang mit Tieren in Bezug auf Praktiken wie Massentierhaltung, Tierhandel, Pelzfarmen oder auch Tierversuchen ethisch verwerflich ist. Was heißt es genau, wenn wir sagen, dass die genannten Praktiken ethisch verwerflich sind? Dazu ist ein Verständnis vonnöten, was Ethik eigentlich ist.

Wenn wir sagen, dass jemand ethisch richtig oder falsch handelt, sagt das erstmal wenig aus. Damit man beurteilen kann, ob jemand richtig oder falsch handelt, muss die Beurteilung nach einem bestimmten Kriterium getroffen werden. Wenn das Kriterium beispielsweise die Maximierung von Glück ist, dann ist eine Handlung ethisch (oder moralisch) richtig, wenn sie das Glück maximiert und falsch, wenn sie das Gegenteil bewirkt. Dies ist aber bereits eine bestimmte Auffassung von Ethik, nach der die Maximierung des Glücks das Kriterium zur moralischen Beurteilung einer Handlung ist. Aus jeder Auffassung von Ethik, die Handlungen nach einem für sie richtigem Kriterium beurteilt, geht hervor, wie moralisch richtig gehandelt werden soll.

Die Tierethik ist eine bestimmte Bereichsethik, die das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren in den Vordergrund stellt. Relevante Fragen in diesem Bereich sind beispielsweise: Haben wir moralische Pflichten gegenüber Tieren? Haben Tiere einen moralischen Status? Nach welchem Kriterium sind wir Tieren moralisch verpflichtet? Welche moralischen Rechte haben Tiere? Dürfen wir Tiere töten? usw…

Die genannten Fragen sind grundlegender Natur, welche sich die Tierethik stellt. Sie versucht sozusagen ein Fundament zu schaffen, was gegenüber Tieren moralisch geboten oder verboten ist. Fragen wie „Lässt sich die Schlachtung von Tieren auch schonender durchführen?“ berühren nicht die eigentliche Frage, ob wir Tieren in moralischer Hinsicht etwas schuldig sind.

Ob wir nun Tieren gegenüber zu etwas verpflichtet sind, hängt also von der jeweiligen Ethik ab und nach welchem Kriterium sie Handlungen als richtig oder falsch beurteilt.

So gibt es Positionen, die den Mensch in das Zentrum der Ethik rücken, wie die von Immanuel Kant, welche Grausamkeit und Gewalt gegenüber Tieren verurteilt, weil sie der Pflicht des Menschen gegenüber sich selbst entgegengesetzt ist und ihn sonst moralisch verrohen würde. Der Mensch würde seinen eigenen Prinzipien zuwider handeln, würde er Tieren Schmerzen zufügen.

Peter Singer hingegen geht davon aus, dass sich die Interessen von Tieren gleichwertig zu den Interessen von allen anderen Personen in einer bestimmten Situation verhalten. Eine Handlung ist dann richtig, wenn alle beteiligten Interessen maximiert werden, das heißt, wenn alle Interessen, Wünsche und Bedürfnisse der beteiligten Lebewesen bestmöglich erfüllt werden. Dabei spielt keine Rolle, ob man Mensch oder Tier ist, denn beide haben grundlegende Interessen wie beispielsweise die Vermeidung unnötiger Schmerzen.

Dies sind nur zwei Positionen, die im Einzelnen natürlich viel detaillierter sind. Hieraus sollte lediglich beispielhaft klar werden, dass es entscheidend ist, nach welchem Kriterium moralisches Handeln beurteilt wird. Ist die Empfindungsfähigkeit kein Kriterium für moralisches Handeln, sondern lediglich die menschliche Vernunft, spielt das Leiden von Tieren auch keine direkte Rolle für moralische Entscheidungen, sondern wird deshalb berücksichtigt, weil es den eigenen Prinzipien des Menschen zuwiderlaufen und ihn verrohen würde (Kant). Ist sie hingegen ein Kriterium und spielt als essentielles Interesse eines jeden Lebewesens eine wichtige Rolle für moralische Entscheidungen, so wird sie direkt berücksichtigt (Singer).

Demzufolge sind nach Kant Tiere abhängig von der Rücksichtnahme des Menschen auf seine eigenen moralischen Prinzipien und haben folglich keine moralischen Rechte, auf die sie sich berufen könnten. Bei Singer hingegen haben Tiere sehr wohl moralische Rechte in Form ihrer Interessen, die in der jeweiligen Situation berücksichtigt werden müssen.

Beide Positionen dürften aber ihren Konsens finden, insofern sie die anfangs genannten Praktiken ablehnen würden, weil sie zum einen grausam sind und den Menschen verrohen (Kant) und zum anderen die Interessen des Tieres wie das Freisein von Leiden verletzen (Singer).

 

 

Wer sich eingehend mit Tierethik beschäftigen möchte, dem sei folgender Sammelband empfohlen:
Schmitz, Friederike: Tierethik Grundlagentexte, Suhrkamp Verlag 2014
Dieser Sammelband bietet mit einer gut leserlich geschriebenen Einführung einen grundlegenden Einstieg über die relevanten Positionen in der Tierethikdebatte der letzten Jahre mit Textauszügen der wichtigsten Vertreter.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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