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Warum PETA bei Bränden in Tierställen Anzeige erstattet

PETA Deutschland hat seit Mitte 2014 damit begonnen, Brände in Tierställen aufzugreifen und Strafanzeigen gegen Tierhalter zu erstatten. Bislang sind ca. 25 Strafanzeigen an mehrere Staatsanwaltschaften herausgegangen. Allein in Deutschland kommt es, grob geschätzt, zu ca. 100 Bränden in Tierhaltungsanlagen pro Jahr. Zehntausende Tiere kommen dabei auf eine sehr grausame Weise ums Leben: Rinder, Schweine, Hühner und andere Tiere verbrennen am lebendigen Leib oder ersticken qualvoll.

Unsere Intention hinter den Anzeigen

Fakt ist: Diese Brände werden vielfach durch erhebliche Mängel beim Brandschutz und durch marode technische Anlagen ausgelöst. Durch die Anzeigen von PETA soll die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit, Behörden und Justiz auf diesen Zusammenhang gelenkt werden, damit entsprechende Brandschutzvorkehrungen in Genehmigungsbescheiden von Tierställen umzusetzen sind.

 

Erhebliche Mängel in vielen Tierhaltungsanlagen

Die Mitteilung der Regierung der Bundesrepublik Deutschland an die Kommission der Europäischen Union vom 04. Juni 2014 – Richtlinie 98/58/EG des Rates vom 20. Juli 1998 über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere listet „schwerwiegende Mängel“ über die Intensivtierhaltungsanlagen in Deutschland auf:

– zur Behandlung kranker Tiere wurde kein Tierarzt hinzugezogen
– Mängel bei Fütterung, Wasserversorgung und Pflege der Tiere
– Mängel an Haltungseinrichtungen
– Verstöße gegen sonstige Vorschriften

Als Hauptursache listet der Bericht „Mangelnde Kenntnisse und/oder Fähigkeiten von Tierhaltern“ sowie „unzureichende finanzielle und räumliche Ausstattung von Betrieben“ auf.

 

Einige Beispiele

Einen Eindruck von den „Mängeln an Haltungseinrichtungen“ bekommen PETA-Undercover-Ermittler ständig. Neben systemimmanent gequälten Tieren in so gut wie allen Tierhaltunganlagen, fallen regelmäßig marode elektrische Anlagen auf, wie beispielsweise freiliegende Stromleitungen in der Einstreu der Tiere oder mangelhaft isolierte bzw. defekte Leitungen.

Auch die zuständigen Behörden stellen immer wieder Mängel beim Brandschutz fest, etwa durch „Verstöße gegen Genehmigungsauflagen“. In einer Schweinezuchtanlage des Straathof-Konzerns bei Alt Tellin wurden z. B. wiederholt „Mängel beim Brandschutz“ behördlich festgestellt (Antwort der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern zum Tierhaltungsverbot für den Geschäftsführer der Straathof-Holding v. 06.03.2015, DS 6/3574).

Wenn dann Brände, die mit entsetzlichen Qualen für die Tiere (und nicht für die Tierhalter) verbunden sind, wegen solcher Mängel ausbrechen, heißt es meistens: Brand ist durch technischen Defekt ausgelöst worden. Dass diese „technischen Defekte“ oftmals grob fahrlässig und in Kenntnis der maroden technischen Anlagen billigend von den Tierhaltern in Kauf genommen worden sind, soll tunlichst nicht diskutiert werden.

 

Defizite bei Brandschutzauflagen in Tierhaltungsbetrieben

Entgegen der landläufigen Meinung ist es gerade nicht so, dass Brandschutzauflagen für Tiere in Genehmigungsbescheiden selbstverständlich seien. PETA Deutschland muss immer wieder in Genehmigungsunterlagen und auch bei den Erörterungsterminen feststellen, dass hier nach wie vor Defizite bestehen. Es gelingt jedoch immer häufiger – auch durch die Sensibilisierung der Behörden – Brandschutzvorkehrungen in Genehmigungsbescheiden durchzusetzen. Ein Beispiel hierzu: „Der Forderung von PETA, die Tierrettung in das Brandschutzgutachten mitaufzunehmen, wurde gefolgt. Das Brandschutzgutachten wurde zwischenzeitlich insoweit ergänzt. Die vorliegende endgültige Stellungnahme der Brandschutzbehörde bestätigt die Einhaltung aller brandschutzrechtlichen Regelungen, also auch soweit die Tierrettung betroffen ist, sofern die hierzu ergangenen Auflagen befolgt werden.“ (Immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart für eine Schweinemastanlage von 3000 Mastplätzen vom 18.12.2012, Az.: 54.2-8823.81).

Ungeachtet solcher erfolgreichen Einwendungen von PETA sind immer wieder erhebliche Defizite in der Tierrettung und bei der Löschwasser-Bereitstellung festzustellen. Feuerwehrleute, die vor Ort das unbeschreibliche Leid der Tiere unmittelbar erleben, haben sich an PETA gewandt und in dieser Hinsicht auf erhebliche Mängel in den Tierställen und bei der Löschwassersituation hingewiesen und die Berechtigung der Strafanzeigen bestätigt.

 

Hohe Brandschutz-Standards – Auch für die Tiere

Auch wenn Behörden und Staatsanwaltschaften immer noch nicht vollständig erkannt haben, dass hier in den meisten Fällen bedingter Vorsatz gegeben ist – die Gesamtproblematik der völlig fehlgeleiteten Intensivtierhaltung  hat die Mittelbayerische Zeitung in ihrer Berichterstattung über einen Großbrand in einem Rinderstall längst erkannt:

„Unabhängig davon wolle PETA die Bevölkerung allerdings für ihre Ansicht sensibilisieren, dass Tiere in Ställen explizit dazu gehalten würden, um sie heranzufüttern und schließlich zu schlachten, damit sie von Menschen gegessen werden. Zudem reiche bei Bränden in Stallungen der Platz im Hof explizit nicht aus, um die Tiere entsprechend evakuieren und in Sicherheit bringen zu können. Und Lisa Wittmann zufolge klaffen in Sachen Brandschutz bei Stallungen für Tiere sowie Bauten für Menschen die Vorschriften noch sehr weit auseinander. PETA setze sich dafür ein, dass auch bei ‚Unterkünften‘ für Tiere die hohen (menschlichen) Standards zum Brandschutz angelegt werden sollen.“ (Mittelbayerische Zeitung vom 09.01.2015).

 

LINK: Auch die taz hat sich mit dem Thema beschäftigt

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Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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