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Auch "Terroristen" haben ein Herz für Tiere

Während andere verhandeln, rammt er Schiffe: Peter Brown bezeichnet sich selbst als „Öko-Terrorist“, er ist langjähriger Wegbegleiter von Kapitän Paul Watson und seiner Sea Shepherd Conservation Society sowie Regisseur der Dokumentation „Confessions Of An Eco-Terrorist“, die am 10. November in die Kinos kommt.

Im Interview mit PETA Deutschland verrät der Aktivist, warum Gewalt keine Lösung im Kampf für den Tierschutz ist, welches Tier er für den Allmächtigen hält und was ihn an Veganern stört.

Mr. Brown, schön, Sie sind am Leben! Angesichts Ihres gefährlichen Jobs ist dies nicht selbstverständlich. Brauchen Sie als Filmemacher diesen Nervenkitzel?

„Ich bin nicht süchtig nach Action und auch nicht ständig auf der Suche nach Nervenkitzel. Ich habe aber kein Problem damit, mich in Situationen zu begeben, die mich auch hin und wieder Gefahren aussetzen. Aber in erster Linie erzähle ich Geschichten und der Nervenkitzel kommt erst an zweiter Stelle.“

Am 10. November kommt „Confessions Of An Eco-Terrorist“ in die Kinos. Warum hat es über 30 Jahre gedauert, bis Sie sich zu solch einem Film entschlossen haben?

„In den mehr als drei Jahrzehnten, die mein Material umfasst, war ich ausschließlich als Ehrenamtlicher tätig. Niemand bezahlte mich für die Aufnahmen oder die Zeit, die ich dafür investiert habe. Eigentlich bin ich TV-Regisseur und musste immer wieder nach beendeten Kampagnen zurück ins Studio. Ich besorgte das Filmmaterial und gab dieses an andere weiter, die dann eine Dokumentation daraus machten. Eine Person schafft eben nur so viel, wie die Zeit erlaubt. Ich wollte schon immer „meinen Film“ machen, wenn ich im Ruhestand bin und genug Zeit dafür habe. Doch die Gelegenheit dazu bot sich vor zwei Jahren an und so entschied ich mich, den Film zu drehen.“

Es kommt schon mal vor, dass Sie von einem Kriegsschiff beschossen werden. Gibt es Momente, in denen Sie sich fragen, was zum Teufel mache ich hier eigentlich?

“Über Konsequenzen mache ich mir grundsätzlich keine Gedanken, wenn ich mitten in einer Aktion bin. Ich kenne die Spielregeln und ich bin mir dessen bewusst, was zu tun ist, wenn es brenzlich wird. Also immer her damit!“

Sie und Ihre Kollegen nehmen schon mal Sachbeschädigung in Kauf, um auf das Leid der Tiere aufmerksam zu machen. Weiß man sich als Tierschützer manchmal nicht anders zu helfen?

“Wir selbst bezeichnen unser Vorgehen als „aggressive Gewaltlosigkeit“. Es wäre viel einfacher für uns, Menschen freundlich darum zu bitten, damit sie ihre Fehler einsehen. Doch das passiert äußerst selten. Oft muss man die Aufmerksamkeit der anderen Seite auf sich ziehen und manchmal muss man einschreiten, um das Richtige zu tun. Letztlich muss jeder von uns selbst entscheiden, wie weit er geht, um Leben zu retten – jedes Leben.“

Sind Sie der Meinung, dass das Thema Tierschutz heutzutage eine immer größere Rolle in der Gesellschaft einnimmt?

„Ich bin Umweltschützer und ich glaube, dass die Zukunft der Spezies Mensch davon abhängt, ob wir uns an Naturgesetze halten. Regeln wie Artenvielfalt, gegenseitige Abhängigkeit und Ressourcenbegrenztheit. Ich denke, wir müssen erst die Artenvielfalt sichern und die Bevölkerung begrenzen, damit unsere Spezies eine Zukunft hat. Wir hätten damit schon viel früher beginnen müssen, daher ist jeder Tag enorm wichtig.“ 

Wie schaffen Sie es, sich angesichts der Tierquälerei, die Ihnen immer wieder begegnet, im Zaum zu halten?

„Ich bin zwar keine gewaltfreie Person, aber ich glaube daran, dass es nötig ist, auf Gewalt zu verzichten, um diesen Kampf zu gewinnen. Das ist nicht einfach. Jeder, der an vorderster Front kämpft, bemerkt, dass nicht wir Menschen die Sterbenden sind, sondern die Tiere, aber wir müssen die anderen Menschen erreichen, um dies zu beenden, daher ist Gewaltfreiheit fürs Erste die richtige Strategie.“

Trotz der ernsten Lage geht es an Bord ziemlich spaßig zu. Ist es wichtig, den Humor nicht zu verlieren?

„Ich mache das inzwischen seit über 30 Jahren, daher muss ich das Ganze genauso angehen, wie ich auch alle anderen Dinge im Leben angehe. Den Humor darf man auf keinen Fall verlieren und Leidenschaft muss nicht langweilig sein.“

An Bord wimmelt es nur so von Veganern. In einem früheren Interview sagten Sie: „Vegans won’t eat you in a lifeboat. What better shipmates can you have?” Haben Veganer Ihrer Meinung nach noch weitere Vorzüge?

„Veganer gehören zu den besten Leuten an Bord und viele von ihnen sind meine besten Freunde. Veganer sind von Natur aus sehr leidenschaftlich und engagiert. Sie benötigen viel mehr Disziplin fürs Essen, als die meisten von uns zum Leben brauchen. Ich liebe es, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die leidenschaftlich sind, und Veganer stehen ganz oben auf der Liste. Vielleicht sollten sie einfach hin und wieder etwas mehr lächeln!“

Sie selbst beschreiben sich als Barbar. Was hält Sie davon ab, Veganer zu werden?

„Ich bin so gut wie Vegetarier und mit der ‚Barbaren-Sache‘ wollte ich ein Statement in dem Film machen. Ich habe kein Problem damit, mich an Bord vegan zu ernähren. Mir fehlt jedoch die nötige Disziplin, um jeden Tag auf tierische Produkte zu verzichten. Ich tue, was ich kann, für die Umwelt, aber niemand ist perfekt.“

Kapitän Watson preisen Sie schon mal als Weihnachtsmann an, gegen den Ihnen zufolge auf hoher See auch GPS nicht ankommt. Was zeichnet diesen Menschen aus?

„Über 30 Jahre lang habe ich Kapitän Watson an Bord begleitet und obwohl ich nicht an Wunder glaube, habe ich einige bemerkenswerte Dinge erlebt. Ich führe seine besondere Art auf ein paar Sachen zurück: Er hat unfassbar viel Glück und vor allem behält er immer Recht. Es ist so, wie ich es meinen Kindern zu sagen pflegte: „Macht euch keine Sorgen, Daddy wird nichts passieren. Gott ist ein Delphin.“ Sie haben es geglaubt…“

Als Kind waren Sie im Besitz eines Kanus, was Sie mit einem Augenzwinkern als Erfahrungen auf hoher See anführen. Kapitän Watson hinderte dies jedoch nicht daran, Sie zum Ersten Offizier zu ernennen. Fühlen Sie sich der Aufgabe gewachsen, irgendwann in seine Fußstapfen zu treten?

„Ja, als Kind hatte ich ein Kanu. Auch ein Boot, sogar bevor ich ein Fahrrad hatte. Watson machte mich zu seinem Kameraden, weil ich auf dem Wasser aufwuchs und eine Menge Erfahrung auf dem Ozean gesammelt habe. Watson und ich haben großartig harmoniert, aber ich möchte nicht so werden wie er. Ich bin so, wie ich bin, und ich ziehe mein eigenes Ding für die Umwelt durch. Er ist ein Profi und ich bleibe ein Leben lang ein Ehrenamtlicher. Damit möchte ich sagen, dass es nicht unbedingt einen Paul Watson braucht, um etwas zu bewirken. Wir alle sind einzigartig und sollten unsere Talente bestmöglich nutzen. Die Stärke einer jeden Bewegung besteht in der Vielfalt und es gibt einfach nur einen Paul Watson. Ich bleibe Peter Brown.“

Mr. Brown, vielen Dank für das Gespräch.

 

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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