Schafe schubsen hilft, doch löst nicht das Problem.
Bekleidung Verschiedenes Wolle

Schafe schubsen hilft, ist aber nicht die Lösung!

Ein Mann beim Schafe schubsen

 

Derzeit sorgt ein Video übers Schafe schubsen im Internet für Furore. Was gut gemeint ist, hat einen traurigen Hintergrund.

Spaziergänger filmten, wie sie Schafen, die hilflos auf dem Rücken liegen mit einem Schubser zurück auf die Beine helfen und sie damit vor dem sicheren Tod retten.

Schafeschubsen an sich finden wir also super. Dass so etwas überhaupt notwendig ist, finden wir äußert bedenklich.

Warum liegen Schafe wehrlos  auf dem Boden?

Im Frühjahr und Sommer tragen viele Schafe jede Menge schweres und dichtes Fell um ihren Körper. Wenn es feucht wird oder die Tiere schwitzen, fängt es darunter schnell an zu jucken. Um sich zu kratzen, rollen sich die Tiere auf den Boden und wälzen sich. Manche Schafe, vor allem Trächtige, kommen durch das starke Fellwachstum und ihren breiten Umfang aber nicht wieder auf. Kommt ihnen niemand zu Hilfe, sterben sie nach relativ kurzer Zeit.

Das Video wurde in Deutschland aufgenommen, wo vor allem sogenannte Fleischschafe gezüchtet werden. Sie haben oftmals weniger dichtes Fell als beispielsweise Wollschafe wie das Merinoschaf. Wollschafe werden weltweit millionenfach für die Produktion von Kleidung oder Teppichen gezüchtet und leiden enorm unter einem Übermaß an Wolle. 

Kein Schaf sollte geschubst werden müssen

Schuld an dieser Situation ist der Mensch. Um das Mufflon nicht nur als Fleisch- sondern auch als Wolllieferanten nutzbar zu machen, züchtete der Mensch dem ehemaligen Wildschaf einfach den natürlichen und überlebenswichtigen Fellwechsel weg. Fleischschafen wurde für ausgeprägtere Fleischpartien zusätzlich ein deutlich breiterer Rumpf angezüchtet, als von der Natur vorgesehen. Darum tritt das Phänomen vor allem bei diesen Rassen auf. Darüber hinaus wurde das Schaf durch die nun notwendige Schur von uns abhängig gemacht. Die Tiere können bei feuchtem Wetter mit ihrer schweren Wolle nicht nur auf den Rücken fallen, sondern bei vorzeitigen Hitzewellen durch das starke Haarwachstum auch an Hitzschlag sterben. Schert man zu früh, besteht die Gefahr, dass die Schafe bei unerwarteten Kälteeinbrüchen erfrieren.

Frau legt ihren Arm um ein gerettetes Schaf

Wir alle können den Schafen helfen

Wirklich helfen könnt ihr den Tieren, indem ihr keine Wolle mehr kauft. Nur so wird die qualvolle Züchtung mit viel zu starkem Fellwachstum ein Ende finden. Auch der Konsum von Schaffleisch und Schafmilch fördert das Leid der Tiere. Statt Wolle haben wir euch jede Menge toller Alternativen zusammengestellt, die ihr tragen könnt. Besonders Tencel erobert den Modemarkt derzeit im Sturm und ist noch dazu super nachhaltig und umweltfreundlich!

verkaufsfertiges Tencel Garn
Statt Wolle einfach mal zum Tencelgarn greifen.

Unbedingt schubsen!

Noch stehen aber eine Menge Schafe auf deutschen Wiesen und Weiden, die ihrem unnatürlichen Wollwachstum leider nicht davonlaufen können. Wenn ihr einem umgefallenen Schaf begegnet, solltet ihr diesem auf jeden Fall mit einem Schubser auf die Beine zurückhelfen. So rettet ihr das Tier zwar nicht vor seiner Wolle, aber zumindest vor einem qualvollen Tod.

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Über den Autor

Hanna

Hanna ist Fachreferentin für Tiere in der Bekleidungsindustrie. Dass sie sich heute für Pelztiere einsetzt, ist ihren zwei Katzendamen zu verdanken.

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