Verschiedenes

Nachruf: Günther Peter (geb. 1947) ist tot

Es war das Jahr 1981, welches  alles im Leben von Günther Peter änderte, als er auf Bali das schier unvorstellbare Grauen mit ansehen musste, was mit den großen Meeresschildkröten dort geschah: Sie wurden lebendig aufgeschnitten und zerstückelt. Die stummen Tiere stöhnten vor Qual – Bilder, die traumatisieren. Alle schauten weg – nur einer nicht: Günther Peter änderte sein Leben.

Der „Schildkröten-Peter“, bis dahin eine Privatperson wie jeder andere  auch, schuf quasi aus dem Stand eine weltweite Bewegung, die sich mit dem Schicksal der Meeresschildkröten, aber dann weit darüber hinaus mit allen wildlebenden, vielfach vom Aussterben bedrohten Wildtieren beschäftigte. Schon nach wenigen Jahren verbannte er Schildkrötenprodukte aus dem Lebensmittelhandel, aus seiner Privatinitiative „Rettet die Schildkröten“ schuf er 1986 mit der international agierenden „Aktionsgemeinschaft Artenschutz e.V.“  mit Sitz in Korntal-Münchingen ein weltumspannendes Netz, hoch effektiv auch ohne Internet. Günther Peter ließ nie locker, auch nicht gegenüber Regierungen und Behörden. Mit seiner Hartnäckigkeit steckte er alle an, aus Gegnern machte er Verbündete, wen Günther Peter mit seiner Leibesfülle umarmte, der konnte sich gar nicht wehren und unterstützte seine Initiativen. So ging es z.B. „Lacoste“, der Konzern mit dem Krokodil-Label, er wurde einer der größten Unterstützer von Günther Peter und seiner Mission.

Nicht nur setzte er den Handelsboykott für Schildkrötenprodukte durch, offiziell als Handelsverbot ab 1.1.1988 rechtskräftig, er verhinderte gegen mächtige Widerstände auch die Aufweichung des internationalen Schutzgrades für die Meeresschildkröten. Er setzte Schutzbestimmungen in den wichtigsten Brutgebieten dieser Millionen alten Tierart durch, auch hier begleitet von den Touristenhotels in den dortigen Regionen.

Der bolivianische Naturforscher Prof. Noel  Kempff Mercado war für Günther Peter ein weiterer Verbündeter, mit dem er sich dem illegalen Wildtier- und vor allem Pelzhandel entgegenstellte. Günther Peter konnte nachweisen, dass die nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen auszustellenden CITES-Bescheinigungen, nicht zuletzt durch korrupte Behörden, reihenweise gefälscht wurden. Er begab sich selbst undercover in die bolivianischen Urwälder und konnte als vorgeblicher Fellaufkäufer die hoch kriminellen Handelswege offenlegen. Wie gefährlich diese immer ehrenamtlich ausgeübte Arbeit wurde, konnte jeder erkennen, als im September 1986 Prof. Kempff Mercado von der Pelzhandelsmafia erschossen wurde. Von da an gab es für Günther Peter kein Halten mehr. Sein Kampf führte ihn in mehrere andere Länder und dann doch immer wieder zurück nach Deutschland, wo die illegalen Handelsströme zusammenliefen. Legendär waren die prozessualen Auseinandersetzungen zwischen Günther Peter und Pelzhändlern, die wiederholt bis vor den Bundesgerichtshof gingen. So ganz nebenbei erstritt Günther Peter mit seinem Engagement so auch noch Grundsatzurteile presserechtlicher Natur im Spannungsfeld zwischen freier Meinungsäußerung, Verdachtsberichterstattung und den Persönlichkeitsrechten von Ausbeutern der wildlebenden Tiere.

Als brillanter Vorsitzender der ‚Aktionsgemeinschaft Artenschutz‘, als der er viel beachtete und dokumentierte Journalistenreisen nach Kenia in die Wildtierreservate organisierte, als beratender Direktor der Welttierschutzgesellschaft und Leiter der deutschen Sektion der Internationalen Gesellschaft zum Schutz von Primaten war er immer wieder präsent auf den internationalen Artenschutzkonferenzen, wo es ihm vor allem darum ging, nach dem weltweit beachteten Erfolg für die Meeresschildkröten den Elfenbeinhandel abzuschaffen und somit den Schutzstatus der Grauen Riesen zu erhalten. Auch hier standen mächtigste Interessen gegen Günther Peter und seine Mitstreiter. Als sein offizieller Verbündeter stand ihm hierbei aber der Staat Kenia bei.

Günther Peter schuf Werte, nahezu unersetzliche Dokumente. Seine Foto- und Videosammlung war einzigartig, diverse Artikel in ausgewiesenen Fachzeitschriften bewiesen die oft kaum vorstellbare Faktendichte seiner Ermittlungen, vielfach ausgezeichnet mit diversen Preisen, sogar zweimal mit dem renommierten Bruno H. Schubert-Preis. Mit seiner Artenschutzausstellung, für die Zollbehörden ihre sichergestellten und beschlagnahmten Exponate zur Verfügung stellten, öffnete Günther Peter die Augen der Öffentlichkeit auf die Schönheit, aber auch auf die extreme Bedrohung der wilden Mitgeschöpfe durch skrupellose Banden und Händlerringe, er sprach – zu Recht – oft von Organisierter Kriminalität. Er brachte die wildlebende Fauna weit entfernt liegender Länder und Kontinente durch seine Foto- und Videodokumentationen nach Deutschland, informierte hierbei aber auch über die rücksichtslosen Handelswege zur Ausrottung der lebenden Natur auch nach Deutschland.

15 Jahre nach dem Beginn seines zunächst rein privaten Engagements und gut 10 Jahre nach Gründung der ‚Aktionsgemeinschaft Artenschutz‘ wurde Günther Peter am 7. März 1997 das Bundesverdienstkreuz für seine nachhaltigen Verdienste um den Artenschutz verliehen.
Die Rede dazu ist hier nachzulesen.

Günther Peter zeichnete aus, dass er nicht nur die Art und die Gattung wildlebender Populationen sah, sondern immer auch das Individuum, die einzelne Meeresschildkröte, den einzelnen Ozelot, das einzelne Krokodil, den einzelnen Elefanten, er war der Tierschützer unter den Artenschützern, was ihm eine besondere Wertschätzung auch von der weltweit größten Tierrechtsbewegung PETA einbrachte.

Mit seinem Buch „Pelz macht kalt“, welches er in einer großen Fleißarbeit unter Verwendung seiner eigenen Ermittlungen mit zwei damaligen Mitstreitern verfasste, hat er sich sein Vermächtnis hinterlassen.

Günther Peter – die wildlebenden Tiere verlieren einen  ihrer  unermüdlichsten  Schirmherren.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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