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Hört selbst: Fische singen im Chor

Jeder von uns freut sich über Vogelgezwitscher bei Sonnenaufgang. Aber kaum jemand weiß, dass Fische mindestens genauso schön singen und gerne im Chor, bei Sonnenauf- und Untergang.  Wissenschaftler haben Fischgesang in der Morgendämmerung aufgezeichnet. Und das klingt ziemlich harmonisch. Hört selbst. Hört ihr das Solo des Ambon-Demoiselle (Pomacentrus amboinensis)? Er ist Wissenschaftlern bereits als Unterwasser-Quasselstrippe bekannt.

Fisch erzeugen Laute auf vielfältige Weise

Fische sind alles andere als stumm. Ein anthropomorphistisches Denken: weil Menschen Fische nicht hören, sind Fische stumm – wie falsch! Außerdem: wer gut und lange hinhört, kann so manchen Fisch deutlich hören.

Während wir nur mit unseren Stimmbändern Laute erzeugen, haben Fische viele verschiedene Methoden entwickelt: sie knirschen mit den Zähnen, reiben ihre Schlundzähne aneinander, kontrahieren Muskeln 100-200 Mal pro Sekunde! und nutzen die Schwimmblase als Resonanzkörper und Verstärker, sie reiben Knochen aneinander oder presssen Luft aus ihrem Analtrakt, so dass bis zu sieben Sekunden lange Pupstöne in mehreren Oktaven ertönen. Versuch doch mal, das zu Hause nachzuahmen (besser nicht bei der Arbeit).

Aber zurück zum Fischchor- wie entstanden die Aufnahmen?

Die Wissenschaftler Robert McCauley und Kollegen von der Curtin University in Perth, Australia, haben in den Küstengewässern von Port Headland in Westaustralien über 18 Monate lang Fischgesänge aufgezeichnet und sieben verschiedene Fischchöre indentifiziert, die in der Morgen- und Abenddämmerung zu hören sind. Dabei erreichen sie eine Lautstärke von beinahe 35 Dezibel. (Im Vergleich: Vogelgezwitscher hat 44 Dezibel). Zwei Hydrophone zeichneten die Gesänge in 8 – 18 m Wassertiefe auf. Die Lautstärke der einzelnen Fischchöre lag hierbei bei 50 Hz zu >4 kHz. Die für uns hörbaren Tonfrequenzen liegen im Bereich von 20 Hz bis 20 kHz.

Fische unterscheiden Blues von Klassik und klassische Musikstücke voneinander

Wissenschaftliche Studien mit Futterbelohnung haben gezeigt, dass Fische Musikgenres erkennen und auch klassische Stücke wie Mozart und Schubert unterscheiden können. Sie können also nicht nur singen, sondern haben auch ein feines Ohr– manche Fische mehr, andere weniger, wie bei uns Menschen auch.

Wofür brauchen Fische eine Sprache?

Seit mehr als 30 Jahren hört McCauley Fische singen und kommunizieren und ist immernoch erstaunt über die Vielfalt der Fischlaute. Die Kommunikation von Fischen ist wichtig für ihre Fortpflanzung, Jagd, Revierverteidigung und in Notlagen. Weltweit wurden bereits Fischlaute bei mehr als 800 Fischarten dokumentiert.

Bitte stell dir vor, wie der Fisch auf dem Teller, im Netz, an der Angelleine  geschrien haben muss – und streiche Fische und andere Tiere vom Teller.

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Über den Autor

Tanja

Tanja hat in Deutschland und Frankreich Zoologie und Meeresbiologie studiert und sich in ihrem Studium und in ihrer Freizeit viel mit Fischen beschäftigt. Getreu dem Motto: Fische sind Freunde, kein Essen - setzt sie sich seit Jahren dafür ein, dass Fische in Ruhe gelassen werden und nicht mehr auf unseren Tellern landen.

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