Zoo

Was uns die traurige Geschichte von Elefantenkuh Bibi über Zoos verrät

Elefant
© istock / Absolutely Frenchy istockphoto

Vielleicht habt ihr in der letzten Zeit die Elefantenkuh Bibi in den Nachrichten gesehen. Gut möglich, dass ihr sie dabei unter einem anderen Namen kennen gelernt habt: Die Medien bezeichnen sie als „Problem-Elefant“, weil sie zwei ihrer Babys nach der Geburt getötet hat. Auch im Umgang mit anderen Elefanten gilt sie als aggressiv. Um das eigentliche Problem zu verstehen, muss man allerdings einen Blick auf Bibis Vergangenheit werfen.

Als Baby brutal der Familie entrissen

Bibi wurde 1987 im Alter von 2 Jahren auf dramatische Weise ihrer Heimat in Simbabwe entrissen. Als einziges Mitglied ihrer Familie überlebte sie eine brutale „Culling“-Aktion. Dabei trieben Jäger die Elefantenherde mit einem Hubschrauber zusammen. Dann erschossen sie alle erwachsenen Elefanten der Gruppe. Die verstörten Jungtiere wurden eingefangen und über Tierhändler an Zoos verkauft. So geriet Bibi in die Hände des Tierparks Berlin.

Seit 30 Jahren in Gefangenschaft

Bibis Lebensgeschichte liest sich wie ein schlechter Roman: Im Tierpark Berlin musste sie mit einer Gruppe von Elefanten leben, mit denen sie sich nicht verstand. Bibis erste Tochter Matibi wurde 2006 in einen anderen Zoo abgegeben – ein weiterer Verlust. Nachdem Bibi 2008 mitansehen musste, wie ihr zweites Baby von einem Elefantenwärter brutal mit dem Elefantenhaken geschlagen wurde, attackierte sie ihn kurze Zeit später und wurde daraufhin in den Zoo Halle abgeschoben. Dort starben ihr drittes und viertes Baby, als Bibi sie kurz nach der Geburt tottrampelte. Weil sie Aggressionen gegenüber den anderen Elefanten und ihren Jungtieren zeigte, folgte nun also die Abgabe nach Hodenhagen. Statt Bibi wieder mit ihrer Tochter Matibi zusammenzubringen, wie es dem für Elefanten artgerechten Sozialgefüge entspräche, gelangt sie also erneut in eine fremde Herde.

Elefantenschicksale in Zoos

Das Schicksal von Bibi ist KEIN Einzelfall – etwa 60 Prozent der Afrikanischen Elefanten in deutschen Zoos sind ebenfalls Wildfänge. Die traumatisierenden Umstände und die unnatürlichen, mangelhaften Haltungsbedingungen im Zoo verursachen oft drastische Verhaltensstörungen. Das sogenannte Weben, ein rhythmisches Wackeln mit Kopf und Körper, ist Ausdruck von schwerem seelischem Leid. Auch Bibi webt intensiv.

Zerstörte Elefantenfamilien für den Familienausflug

Elefanten leben in der Natur in Familienverbänden. Sie gehen komplexe soziale Bindungen ein und zeigen Trauer, wenn ein Familienmitglied stirbt. Die Trennung von ihrer Gruppe ist für die sensiblen Tiere höchst traumatisch. Trotzdem halten Zoos meist unverwandte Elefanten als Gruppe. Daher kommt es auch nicht selten zu Aggressionen. Dies dann dem Tier anzulasten, es sei ein „Problem-Fall“, ist eine Frechheit. Das eigentliche Problem ist, dass die Menschheit weiterhin Tiere ihrem Lebensraum entreißt und zu ihrer Unterhaltung gefangen hält.

Wildfänge bleiben traurige Realität

Auch heute noch werden Elefantenfamilien brutal auseinander gerissen, um sie zahlendem Publikum zu präsentieren. Dieses Videomaterial eines Berichts von The Guardian zeigt, dass selbst im Jahr 2017 noch immer junge Elefanten eingefangen, geschlagen und auf einen LKW geladen werden. Insgesamt 14 Tiere sollen allein bei dieser Aktion gefangen und letztendlich nach China verkauft worden sein. Niemand weiß, welches Schicksal diese Tiere danach erwartet hat.

Was du tun kannst

  • Elefanten gehören nicht in Gefangenschaft – Bitte besuche deshalb niemals einen Zoo!
  • Teile diesen Blog und kläre deine Freunde und Verwandten über das Schicksal von Elefanten in Zoos auf.

Über den Autor

Yvonne

Yvonne ist Fachreferentin für Tiere in Zoo und Zirkus bei PETA Deutschland. Sie ist promovierte Biologin und hat sich in ihrer Dissertation mit der Persönlichkeit von Tieren beschäftigt.

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