Unterhaltung Zoo

Warum Zoobesucher immer häufiger Tiere attackieren oder belästigen

Medienberichten zufolge beklagen die Zoos in Nordrhein-Westfalen eine zunehmende Anzahl von Übergriffen der Besucher auf die eingesperrten Tiere. In Duisburg warfen laut Zoodirektor Achim Winkler Besucher Steine auf schlafende Tiere, in Köln sollen vor allem Jugendliche und Schülergruppen Tiere mit Schneebällen und Kürbissen beworfen haben.

Wer hat Schuld daran?

Die Zoosprecher machen eine allgemeine Verrohung der Gesellschaft für die Attacken auf die wehrlosen Tiere verantwortlich. Wir sehen das Problem jedoch im Verhalten der Zoos selbst:

In vielen deutschen Zoos werden die Tiere vom Zoopersonal nach Belieben getötet, nachgezüchtet, an dubiose Tierhändler oder Zirkusse verkauft, in kargen Käfigen gehalten, mit Psychopharmaka ruhig gestellt, zu zirkusähnlichen Dressureinlagen gezwungen und sogar geschlagen, wenn sie nicht gehorchen. Bei den von Zoos angebotenen Privat- oder Unternehmensfesten, Konzerten oder Kongressen werden die Tiere zur lebendigen exotischen Kulisse degradiert.

Der Effekt auf die Menschen

Angeketteter Greifvogel im bayerischen Wildpark Tambach
Angeketteter Greifvogel im bayerischen Wildpark Tambach

Besucher, insbesondere Kinder und Jugendliche, erhalten durch das rücksichtslose Verhalten der Zoos leicht den Eindruck, die Tiere würden nur zu ihrem Vergnügen existieren. Zoos geben Kindern und Jugendlichen ein schlechtes Vorbild, indem sie die Tiere zu Spaßobjekten degradieren. Versagt haben Zoos dagegen auf ganzer Linie bei ihrem Auftrag, Tiere als fühlende, sensible Lebewesen darzustellen, die um ihrer selbst willen geschützt werden müssen.

Die Tierquälereien

Wir haben in diesem und in vergangenen Jahren mehrere große deutsche Zoos wegen Tierquälerei angezeigt, unter anderem wegen der Tötung „überzähliger“ Tiere, der Gabe von Psychopharmaka zur Kaschierung von Verhaltensstereotypien, der Abgabe von tausenden Tieren an dubiose Tierhändler und wegen der brutalen Schläge für Elefanten mit dem Elefantenhaken. Zusätzlich meldete PETA dutzende mangelhafte Haltungsbedingungen und oftmals daraus resultierende Verhaltensstörungen bei den Tieren an Veterinärbehörden.

Der Paradigmenwechsel hat schon längst begonnen

Die artwidrigen Haltungsbedingungen rufen häufig schwere Verhaltensstörungen und Tierleid hervor. Auswilderungen sind insbesondere bei den bedrohten Tiergruppen wie Menschenaffen, Eisbären oder Großkatzen nicht möglich, weil die Tiere im Zoo die dafür notwendigen Verhaltensweisen nicht erlernen können. Eine repräsentative Meinungsumfrage ergab im Dezember 2015, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Deutschen das Einsperren von exotischen Tieren für moralisch bedenklich hält. Lediglich 37 Prozent äußerten keine Bedenken. Dass mittlerweile auf der ganzen Welt ein Umdenken stattfindet, macht das folgende Beispiel aus Argentinien deutlich: Vor wenigen Monaten gab der Bürgermeister von Buenos Aires bekannt, den dortigen Zoo nach 142 Jahren aufzulösen, weil das Ausstellen von Tieren nicht der richtige Weg sei, sie zu schützen. Die Tiere sollen frei gelassen oder in Schutzgebiete umgesiedelt werden.

 

Über den Autor

Peter

Kampagnenleiter für "Tiere in der Unterhaltungsbranche" bei PETA Deutschland. Für seine Diplomarbeit bereiste er auf den Spuren von Elefanten, Tigern und Affen zahlreiche Schutzgebiete in Südostasien.

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