Unterhaltung Zoo

Interview mit Martin-Sebastian Abel von den Grünen über die Abstimmung im NRW-Landtag über die Schließung des Delfinariums Duisburg

Ende Oktober berät der Landtag von Nordrhein-Westfalen über einen Antrag der Piratenpartei, das Delfinarium in Duisburg zu schließen. Wir von PETA begrüßen und unterstützen diesen Antrag und haben daher jedem der Abgeordneten im Umweltausschuss letzte Woche einen kleinen Spielzeug-Delfin in einer Minibadewanne zugeschickt, (Bild oben) um auf das Leid der Meeressäuger in Gefangenschaft aufmerksam zu machen und sie gebeten, dem Antrag der Piraten mit einem klaren JA zuzustimmen. Hier geht es zum Aktionsaufruf.

Martin Sebastian Abel, Mitglied des Landtages und tierschutzpolitischer Sprecher der Grünen in NRW
Martin-Sebastian Abel, Mitglied des Landtages und tierschutzpolitischer Sprecher der Grünen in NRW

Die mitregierenden Grünen in NRW sind zwar ebenfalls gegen die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft, sehen aber Gründe, den Antrag der Piraten nicht zu unterstützen. Daher haben wir dem tierschutzpolitischen Sprecher und Mitglied des Landtags in NRW, Martin-Sebastian Abel, kritische Fragen gestellt, um die Position der Grünen zu erläutern:

Herr Abel, wie stehen die Grünen zu Delfinarien?
Wir haben bereits 2008 im Deutschen Bundestag beantragt, einen konsequenten Wal- und Delfinschutz durchzusetzen, der sowohl ein Importverbot enthielt als auch die Haltung von Delfinen untersagt hätte. Außerdem haben wie Anfang 2013 einen weiteren Antrag gestellt, der sich gegen die Haltung in Delfinarien richtet.

Was ist daraus geworden?
Leider hat die damalige Große Koalition dagegen gestimmt, wobei es bei der SPD ein ganzes Dutzend persönlicher Erklärungen gab, die sich ebenfalls gegen eine Haltung dieser Tiere ausgesprochen haben. Immerhin gab es dann einen Entschließungsantrag von CDU und SPD, der die Bundesregierung aufforderte, die Mindestanforderungen für diese Tiere zu überarbeiten.

Reichen die Mindestanforderungen?
Die Mindestanforderungen werden im sog. Säugetiergutachten der Bundesregierung festgelegt. Es wird von Vertretern des zuständigen Bundesministeriums, den Zooverbänden und Tierschützern erarbeitet. Bei vielen Tierarten gibt es Verbesserungen, ausgerechnet bei den Delfinen nicht. Die Tierschutzsachverständigen haben uns im Rahmen der Anhörung gesagt, dass sie nicht alle Unterlagen zur Beurteilung der Haltungsbedingungen erhalten hätten – dem muss nachgegangen werden. Deswegen hat unser Umweltminister Johannes Remmel in einem Brief an seinen Amtskollegen genau dies angemahnt und sich auch noch mal gegen die Haltung dieser Tiere in Zoos ausgesprochen.

Warum wird dann das Delfinarium im Zoo Duisburg nicht geschlossen?
Die Mindestanforderungen regelt der Bund. Wir haben als Land keine rechtliche Möglichkeit die Haltung einer Tierart in einem Zoo zu untersagen.

Die Piraten in NRW sehen das aber anders.
Das mag so sein. Die Piraten sind nicht im Deutschen Bundestag vertreten und stellen gerne mal Anträge, mit denen wir auf Landesebene nichts zu tun haben. Zum Beispiel sicheren Aufenthalt für Edward Snowden zu gewähren, Cannabis zu legalisieren oder gegen eine Sperrklausel bei Europawahlen.

Warum wird der Antrag zum Delfinarium denn dann überhaupt behandelt, wenn der Landtag angeblich nicht zuständig ist?
Es gibt keinen „Antrags-TÜV“ im Landtag und das ist auch gut so: Jede Fraktion hat das Recht uneingeschränkt Anträge zu stellen. Zudem haben wir sehr genau geprüft, ob hier ein Fall vorliegt über § 68 des Landschaftsgesetzes handeln zu müssen. Deswegen haben wir eine Anhörung beantragt.

Was sagt dieser Paragraph?
Wenn es neue wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die gegen eine Haltung einer Tierart in den Zoos sprechen, könnte das Ministerium über eine Anordnung reagieren. Wir haben diese Frage geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht vorliegt. Zumal auch in der Anhörung der wissenschaftliche Dissens zu dieser Frage offenbar wurde.

Es gibt doch aber Erkenntnisse, die gegen die Haltung von Delfinen sprechen?
Ja, die gibt es und ich sehe mich auf der Seite derer, die sagen, dass eine artgerechte Haltung dieser Tiere in Zoos nicht möglich ist. Ich kann mich aber nicht über geltendes Recht hinwegsetzen. Die Gerichte ziehen zur Klärung dieser Fragen sehr häufig das Säugetiergutachten heran. Das ist im Mai 2014 in seiner neuen Fassung erschienen und erlaubt die Haltung, auch unter den Bedingungen, die in Duisburg vorliegen.

Wie werden sich die Grünen zu dem Antrag der Piraten verhalten?
Da die Anhörung gezeigt hat, dass es keine Handlungsmöglichkeiten für die Landesebene gibt, werden wir den Antrag ablehnen.

Ist das nicht eine einmalige Chance ein Zeichen zu setzen?
Nein, die Chance ist nicht einmalig. Wir haben ja im Deutschen Bundestag, die Ebene, die auch über diese Fragen entscheidet, bereits zwei Mal einen Antrag gestellt und der Landesminister hat den Bundesminister aufgefordert, den Vorwürfen der Tierschutzsachverständigen nachzukommen. Ich kann auch nicht aus symbolischen Gründen etwas zustimmen, was nicht geht.

Aber viele Tierschützer wären dann doch auf Ihrer Seite?
Der Antrag der Piraten behauptet aber, wir könnten das Delfinarium schließen. Dem ist aber nicht so. Das würde Erwartungen wecken, die wir nicht erfüllen können. Die Leute würden uns fragen „warum passiert nichts“. Das ist nicht unser Politikverständnis. Wir verbessern den Tierschutz konkret und das haben wir mit dem Verbandsklagerecht für Tierschutzverbände, Verankerung des Tierschutzes im Wissenschaftsgesetz und der jetzt vorliegenden Novelle des Landesjagdgesetzes, bewiesen.

Über den Autor

Peter

Kampagnenleiter für "Tiere in der Unterhaltungsbranche" bei PETA Deutschland. Für seine Diplomarbeit bereiste er auf den Spuren von Elefanten, Tigern und Affen zahlreiche Schutzgebiete in Südostasien.

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