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Skandalös: Gutachten im Ermittlungsverfahren zur Elefantenquälerei im Zoo Hannover aus fadenscheinigen Gründen ignoriert

Elefantenbaby im Zoo Hannover

Das Ermittlungsverfahren zur Elefantenquälerei im Zoo Hannover wurde eingestellt.

Unglaublich sind dabei die Begründungen der Staatsanwaltschaft, warum das Verfahren gegen den Zoo Hannover eingestellt wurde. Zum Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft hatte als Sachverständige drei vermutlich stark voreingenommene Gutachter aus zoo-nahen Kreisen bestellt – Prof. Dr. Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover, den Osnabrücker Zoodirektor Herr Dr. Böer, sowie den ehemaligen Zoodirektor des Tierpark Hagenbeck, Herrn Dr. Hering-Hagenbeck. Zusätzlich hierzu hatte PETA zwei Zoo-unabhängige Stellungnahmen der Elefantenexpertinnen Carol Buckley und Margaret Whitaker eingeholt. Interessanterweise wurde jedoch besonders das erste, von der Staatsanwaltschaft selbst angeforderte, Gutachten  aus fadenscheinigen Gründen kritisiert und letztlich ignoriert.

Gutachten Nummer 1

Bezüglich des Sachverständigengutachtens von Prof. Dr. Hackbarth von der Tierärztlichen Hochschule Hannover und Herrn Dr. Böer, Zoodirektor in Osnabrück, heißt es im Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft wörtlich:

„Bei den auf den Videosequenzen dargestellten Situationen sei hingegen zu erkennen, dass die Tiere durchaus erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden erlitten hätten, wobei hier allerdings keine Zeichen für Rohheit erkennbar seien. Die Zufügung von erheblichen Schmerzen bzw. Leiden sei jedoch ausweislich des zur Verfügung gestellten Beweismaterials wiederholt geschehen.“

Allerdings wurde dieses Gutachten nicht berücksichtigt: „Das Gutachten hält insgesamt einer kritischen Überprüfung nicht stand.“ Bemängelt wurde hierbei, dass sich die Sachverständigen in ihrer Darlegung nicht ausreichend mit der „Schmerz- bzw. Leidensfähigkeit von Elefanten und zur Beschaffenheit der Elefantenhaut“ befasst hätten. Außerdem sei „[…] nicht schlüssig dargestellt, inwieweit es tatsächlich zu einer erheblichen körperlichen Beeinträchtigung eines Elefanten gekommen ist.“

Zoo-unabhängige Stellungnahmen

Die von PETA eingereichten Stellungnahmen wurden ebenfalls abgewiesen. Bezüglich der Stellungnahme von Carol Buckley, Gründerin von Elephant Aid International, hieß es sie sei „unerfahren im Umgang mit Elefanten“. Zur Stellungnahme der Elefantenexpertin Margaret Whitaker äußerte die Staatsanwaltschaft „dass diese ihre Qualifikation auf eine langjährige Erfahrung in der Tierpflege stütze, allerdings keinen wissenschaftlichen Hintergrund in Anspruch nehmen könne.“ – Wie soll man diese Argumentation nur verstehen? Welche Qualifikation müsste man also vorweisen können, um den Ansprüchen Genüge zu tun?

Gutachten Nummer 2

Letztendlich beruft sich daher die Staatsanwaltschaft ausschließlich auf das Gutachten von Dr. Hering-Hagenbeck. Zu diesem Gutachten heißt es:

„Zwar komme es in einigen Sequenzen zu einem übertriebenen und unangemessenen Einsatz des Elefantenhakens, die Indizien für ein sehr strenges und hartes Training im Zoo Hannover dokumentierten; die Filmszenen seien aber insgesamt zu kurz, um eine umfassende Beurteilung vornehmen zu können. […] Im Einzelnen sei aus dem Material erkennbar, dass durch praktische Einsätze des Elefantenhakens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Schmerzreize verursacht wurden. Dafür sprechen insbesondere die direkten Reaktionen der Tiere. Da bei den Elefanten jedoch keine anhaltenden Verhaltensänderungen oder Verletzungen zu beobachten seien, könnten länger anhaltenden oder erhebliche Schmerzen für die betroffenen Tiere nicht nachgewiesen werden.“

Fazit

Doch selbst diese Aussagen und Indizien wurden als nicht ausreichend gewertet, um Anklage gegen die Elefantenquäler zu erheben. Außerdem wird seitens der Staatsanwaltschaft argumentiert: „Weder auf Bildern, noch auf Videosequenzen waren konkrete Verletzungen erkennbar.“

Die alleinige Fokussierung auf Verletzungen ist irrational, unwissenschaftlich und zeugt von völliger Rechts- und Fachunkenntnis und lässt vermuten, dass hier aus sachfremden Erwägungen ein Verfahren niedergeschlagen werden sollte. Der Staatsanwalt, von keinerlei Fachkenntnis getrübt, hält Fachgutachten von ausgewiesenen Experten wie Prof. Hackbarth und Dr. Böer für nicht sachgerecht, obwohl alle anderen Gutachten auch erhebliche Leiden und Schmerzen bei den Elefanten attestiert hatten.

Konsequenzen

Dabei haben die Zooverantwortlichen, die PETA der Lüge bezichtigen, selbst gegenüber der Staatsanwaltschaft gestanden: „Auch habe man das Training mit den Tieren dabei noch einmal vollständig überdacht. Übungen, die keinen edukativen, tiermedizinischen oder tierbeschäftigenden Hintergrund hatten, würden nicht mehr durchgeführt.“ Außerdem habe man „die Arbeitsanweisungen für die Elefantenpfleger“ vollständig überarbeitet. Und: „Sowohl die Bullenanlage, als auch die übrigen Anlagen würden künftig erweitert und dergestalt umgebaut, dass ein verändertes Management (zum Beispiel der gesicherte Kontakt zu den Tieren) möglich sei.“ Damit räumen die Zoo-Verantwortlichen Dressuren der Elefanten ein, die sie gegenüber der Öffentlichkeit immer wieder geleugnet hatten, und die Recherchen von PETA führen zu einer zeitnahen Abschaffung der in Hannover noch angewendeten, völlig veralteten Hands-On-Haltung der Elefanten.

PETA hat Beschwerde eingelegt und setzt sich weiter für eine Sanktionierung und ein Ende der Elefantenquälerei ein.

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Über den Autor

Yvonne

Yvonne ist Fachreferentin für Tiere in Zoo und Zirkus bei PETA Deutschland. Sie ist promovierte Biologin und hat sich in ihrer Dissertation mit der Persönlichkeit von Tieren beschäftigt.

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