Pferdekutschen Unterhaltung

Das stille Leid der Pferde auf dem Oktoberfest

© Julia Maier
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Die Münchnerin Julia Maier kämpft gegen die Nutzung von Pferdefuhrwerken als Brauereigespanne auf dem Oktoberfest in München. Ihre Petition wurde bereits von über 34.000 Unterstützern unterschrieben. Jetzt hat sie sich auch die Hufe der Pferde eines Gespannes genauer angeschaut und erschreckende Zustände festgestellt. In einem Gastblog berichtet sie darüber:

Zu dem Beginn des Oktoberfests ziehen die Wirte mit mehreren prachtvollen Gespannen im Auftrag diverser Brauereien ein. An jedem Wochenende werden die Pferde gestriegelt, die Mähnen gekämmt, die Hufe mit viel schwarzem Teer geteert. Die mächtigen Kaltblüter sind herausgeputzt, das in- und ausländische Volk drängt heran, um sich mit den schönen Tieren fotografieren zu lassen. Das Münchner Oktoberfest wird von Menschen besucht, die den lauten Trubel, die Geselligkeit und den Umtrunk bewusst suchen.

Stress pur

Doch selbst für die vermeintlich gelassenen Kaltblüter ist das Oktoberfest und der damit verbundene Umzug durch die Innenstadt purer Stress, wie auf dem unten aufgeführten Video zu erkennen ist. Zusätzlich werden Sie mit lauten, schrillen Glöckchen behangen, müssen stundenlang, bei jeder Wetterlage ausharren, damit die Besucher von Ihnen Fotos mitten auf dem Volksfest machen können. Hätten doch nur mehr Menschen als nur ich und die Deutsche Huforthopädische Gesellschaft e.V. diesem Aushängeschild der Münchner Brauereien auf die Füße geblickt!

Meine Fotos eines der Gespanne wurden nun von Frau Konstanze Rasch, Huforthopädin und Mitglied bei der Deutschen Huforthopädischen Gesellschaft (DHG e.V.) bewertet, nachdem ich diese Beweise einer stillen, unsäglichen Tierqual eingesandt hatte. Nachfolgend einige Auszüge davon, die gesamte Bewertung ist hier abrufbar.

© Julia Maier
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Die Fotos zeigen Hufe, die in ihrer Schutz- und Tragefunktion sehr stark beeinträchtigt sind. Die Hornkapseln sind durch ihre ungünstige Hufbiomechanik verformt und sie sind in ihrem momentanen Zustand mit Sicherheit alles andere als „gemütlich“ für die Pferde. Bei den abgebildeten Hufen scheint es wenig wahrscheinlich, dass den Pferden nach getaner Arbeit die Beschläge abgenommen werden (können). Das Hornmaterial der dokumentierten Hufe ist so schlecht, dass es kaum tragfähig ist.
[…]
Letztlich trägt die ungünstige Belastung durch die Arbeitsbeschläge und die damit im Zusammenhang stehende zerstörerische Hufbiomechanik direkt zur schlechten Hornsituation bei. Das Horn wird tagtäglich zermürbt und bietet letztlich keinen ausreichenden Schutz mehr für die Gliedmaße. Einen Ausweg bietet hier nur die grundlegende Sanierung der Hufsituationen.

Leider wurden unsere Anregungen von vor 13 Jahren bisher nicht aufgenommen. Die Reaktionen der Pferdebesitzer der Stadt München auf unsere Oktoberfestaktion 2003 ließen dies auch nicht wirklich vermuten. Die von der Stadt München beauftragten Gutachter konnten lediglich „einzelne … Mängel bei der Hufpflege (ausgefranster Tragrand, Hornriss)“ erkennen und befanden die dokumentierten Hufzustände als nicht problematisch

© Julia Maier
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Nicht problematisch – das war schon 2003 das niederschmetternde Fazit der Stadt München zu über 200 (!) dokumentierten Fotos auf denen ein Huf schlimmer aussieht als der andere. Wie sehr die Füße und Beine der Tiere schmerzen müssen, kann man nur erahnen, aber man kann es sich in etwa so vorstellen: Ein Mensch, der mit gebrochenen Zehen in zu engen Schuhen laufen muss. Die gestörte Hufmechanik; das heisst, die nicht mehr korrekt stattfindende Blutzirkulation vom Herzen in den Huf, ist durch den ungeeigneten Beschlag unterbunden und kann auch zu schweren Schäden am Herzen führen.

Die „Weltstadt mit Herz“, die auch jetzt trotz 34.000 Unterschriften offensichtlich keinen Handlungsbedarf sieht und ihre Münchner Tiere weiterhin mit desaströsen Hufzuständen auf einem Massenevent laufen lässt. Wird sich München nun im Jahr 2016/2017 endlich dazu bekennen, dass diese völlig unnötige Tierqual mehr als nur einen „Pferdefuß“ hat?

Bitte werdet aktiv

Wer sich ebenfalls für ein Verbot der Pferdefuhrwerke einsetzen möchte, kann seine Unterschrift hier abgeben. Nur auf diesem Wege gelingt es, das Bewusstsein für überholte Traditionen zu schärfen. Andere zum Nachdenken anzuregen; ob wirklich alles, was uns als so „normal“ verkauft wird – auch ist.

Julia Maier

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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