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Cool Kid: Die Geschichte eines jungen Pferdes

Mein Name ist Cool Kid, ich komme aus England. Vor fünf Jahren brachte mich meine Mutter zur Welt. Als ich ein paar Monate alt war, sagte sie zu mir: „Mein lieber Schatz, pass gut auf dich auf, denn sie werden bald anfangen, mit dir zu trainieren. Das wird hart für dich, du musst stark sein und darfst niemals aufgeben, hörst du, niemals aufgeben. Denn sie wollen deinen Willen brechen.“ Ich fragte mich, was sie mit „trainieren“ meinte, ich hatte ja keine Ahnung…

Das Training

Als ich zwei Jahre alt war, ging es los. Da war ein riesiges Feld, auf dem ich andere Pferde rennen sah. Ich verstand nicht ganz den Sinn, warum sie ständig die Runden im Kreis drehten. Dabei liefen sie so extrem schnell, als rannten sie um ihr Leben. Warum nur?

Sie setzen mir so ein komisches Ding auf den Rücken, spannten mir Riemen um den Kopf und zogen mir ein Metallteil durch den Mund. Das war echt unangenehm, so kalte Stangen auf der Zunge liegen zu haben. Doch das war noch nicht das Schlimmste, wie sich einige Minuten später herausstellte.

Ein kleiner dünner Mann kam auf mich zu, schwang sich auf meinen Rücken und dirigierte mich in 2013-04-Collage-Pferdesport-c-PETA-D-600pxRichtung des großen Feldes. Ich erschrak. Dort stand ein Ungeheuer aus Gitterstäben. War das etwa der Pferdeknast, von dem alle meine Kumpels sprachen? Wir kamen immer näher auf das Ungetüm zu. Nein! Nein! Ich wollte nur noch weg, zurück zu meinen Freunden, mit ihnen auf der Weide spielen. Doch all meine Versuche, dem Monster auszuweichen, scheiterten. Es kamen mehrere starke Männer, die mich und ein paar andere Pferde in die engen Boxen hineintrieben. Und zack, zu war das Gatter.

Panik breitete sich in mir aus. Ich konnte mich keine 10 cm mehr bewegen – und überall Eisenstangen um mich herum. Auch die anderen hatten große Angst, das konnte ich an ihren Augen sehen. Der Startschuss fiel, die Gatter öffneten sich und alle rannten los. Nur ich nicht.

Klatsch! „Renn los du blöder Gaul! Los, Gaaaaaaaloppp!“ Der schmächtige Mann auf mir verpasste mir einen Hieb mit so einem Stock – das schmerzte. Vor lauter Schreck rannte ich los, und rannte, und rannte. Ich rannte so schnell, dass ich am Ende alle anderen überholte. Darüber freuten sich die Menschen, sie jubelten und klatschten mir (zum Dank?) auf den Hals.

Das erste Rennen

„Wenn er so auch in den Rennen läuft, können wir gutes Geld mit ihm machen“, hörte ich einen der Männer sagen. Geld? Was sollte das sein? Vielleicht etwas Leckeres zum Essen? Auf jeden Fall sprachen die Menschen fast permanent darüber. Musste ja etwas Wichtiges sein.

In den folgenden Monaten rannte ich und wurde immer schneller, aber nur aus Angst. Angst vor diesem Stock, vor der Monstermaschine und davor, zu stürzen. Das hatte ich mittlerweile schon einige Male live miterlebt. Ein Kumpel brach sich sogar sein Bein und konnte danach nicht mehr aufstehen. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht.

Das letzte Rennen in Hamburg

Im Sommer 2013 fuhren wir dann nach Hamburg. Alle waren ganz aufgeregt, es ging zu einem bedeutenden Rennen. Doch irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl im Bauch…Pferde sind nämlich sehr sensibel und verfügen über den sogenannten 7. Sinn.

Es war heiß an diesem Samstag. Eigentlich viel zu heiß, um so schnell zu rennen. Aber wir kamen nicht drum herum, schließlich ging es ja heute um besonders viel GELD.

Irgendwie waren Glad Royal und ich schon vor dem Rennen im Führring total nervös. Wir hatten Angst, denn wir wussten, dass dieses Rennen außergewöhnlich anstrengend werden würde. Denn wir mussten nicht einfach nur galoppieren, sondern auch über solche komischen hohen Hecken springen. Naja, jedenfalls hatte ich ein mulmiges Gefühl und mir war heute gar nicht nach Rennen zumute. Das war den Leuten aber ziemlich egal. Und so wurden wir wieder gezwungen, in diese Startmaschine (Monster) hineinzugehen.

Wir rannten also zunächst los, doch schon das erste Hindernis konnten wir nicht richtig überspringen, sodass unsere Menschen von uns runter fielen und wir alleine weiter rannten. Wir waren verwirrt, überall standen so viele Leute, es war laut und das Gelände kannten wir auch nicht so gut. Wir liefen völlig ahnungslos umher. Einige Menschen versuchten uns einzufangen, doch das bereitete uns noch mehr Angst. Also rannten wir. Leider in die entgegengesetzte Richtung.

Es kam eine Kurve. Und plötzlich sahen wir die anderen Pferde. Keine Zeit auszuweichen. Wir prallten zusammen, ein Schmerz, wie ich ihn noch nie gespürt habe, durchzog meinen Körper. Das letzte, an das ich mich erinnern kann, war meine Mutter, wie sie mich liebevoll mit ihrer Zunge abschleckte, vor fünf Jahren. Dann schloss ich meine Augen. Für immer.

Faktenwissen:
Allein zwischen 2011 und 2013 mussten mehr als 700 Pferde für den Galopp- und Trabrennsport ihr Leben lassen. Davon wurden 56 Tiere auf Galopprennbahnen getötet, wobei die Dunkelziffer laut Meinung von Insidern deutlich höher liegen dürfte. Und auch im Trabrennsport sind die Zahlen erschreckend: Mehr als 150 Pferde waren erst 7 Jahre oder jünger. Eine Übersicht der einzelnen Pferde gibt es hier.

Handle jetzt und kläre deine Freunde, Bekannten und deine Familie über das Leid der Tiere auf.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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