Tierversuche

Über Leichen zum Traumberuf? Erfahrungen einer Biologiestudentin

By AbhiSuryawanshi (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Heute haben wir mal wieder einen Gastbeitrag auf unserem Blog! Eine Studentin aus Greifswald berichtet unter dem Pseudonym Romy von ihren traurigen Erfahrungen mit Tierversuchen und Sezierübungen. Wir haben die Universität übrigens mittlerweile kontaktiert und fordern von den Verantwortlichen, in Zukunft auf moderne tierfreie Lehrmethoden zurück zu greifen! Hier ist Romys Text:

By AbhiSuryawanshi (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Sektion einer Ratte (Beispielbild, Copyright by AbhiSuryawanshi (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Mein Traumberuf war schon immer der der Biologin. Das stand von der ersten Biologiestunde an für mich fest. Doch schon bald sollte ich merken: So einfach wie ich es mir ausgemalt hatte, sollte es nicht werden. Bereits im zweiten Semester meines Studiums an der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald kamen die ersten Tierversuche in Form der „Tieranatomischen Übungen“ auf mich zu. Unsere „Untersuchungsobjekte“ reichten dabei von Einzellern über Insekten bis hin zu Fischen und Mäusen. Aufgabe war es, die Leichen zu sezieren, zu mikroskopieren und Skizzen anzufertigen. Parallel sollten wir mit den sehr detaillierten Zeichnungen aus den Büchern arbeiten. Das Endresultat, was die meisten Dozenten natürlich nicht mitbekamen, war, dass alle Studenten aus den „zermatschten“ Tierkörpern kaum noch etwas erkennen konnten und schließlich jeder vom Buch die Detailzeichnung abzeichnete. Soviel zum didaktischen Wert der Tierversuche.

Bis auf die Mäuse, bei denen es sich um bereits zuvor getötete Versuchstiere der Universität handelte, wurden alle Tiere extra für uns Studenten umgebracht. Gleich nachdem mir das zu Ohren kam, versuchte ich, meine Teilnahme an diesem Kurs zu verweigern, denn mir widerstrebte der Gedanke, dass für meine Aneignung von Wissen andere ihr Leben lassen mussten. Die Antwort des Dozenten fiel ungefähr so aus: „Die Teilnahme an den „Tieranatomischen Übungen“ ist Pflicht und der Kurs Voraussetzung zum Bestehen Ihres Studiums.“

Ich war mehr als enttäuscht und wütend, solche Worte aus dem Mund eines Biologen zu hören. Ich hatte Biologie bis zu diesem Zeitpunkt immer als die Wissenschaft des Lebendigen verstanden. Doch so langsam wurde mir klar, dass fertig ausgebildete Biologen zwar wissen, wie das Lebendige aufgebaut ist und wie es funktioniert, viele von ihnen jedoch mit der Zeit ihres Studiums zu vergessen scheinen, welchen Wert ein solches Leben hat

In diesem Kurs überwog jede Woche ein Gefühl noch stärker als das meiner Wut. Dieses Gefühl war Scham. Ich schämte mich, ein Mensch zu sein, ich schämte mich für die emotionslose Gleichgültigkeit meiner Sitznachbarn und ich schämte mich dafür, für meinen Abschluss über Leichen gegangen zu sein. Noch innerhalb der ersten Wochen dieses Kurses stellte ich meine Ernährung von vegetarisch auf vegan um.

Die zweite, noch stärker bewegende Konfrontation mit diesem ethisch wohl unmöglich vertretbaren Thema erfolgte dann ein Semester später. Die „Tierphysiologischen Übungen“ standen vor der Tür. Hier waren wir gezwungen, die Tiere selbst zu töten. Diesmal war es ein anderer Dozent, der mir auf meine Kritik an dieser Verpflichtung der Studenten erzählte, dass „leider“ die Säugetiere auf Grund von Beschwerden von Studenten aus dem Programm genommen werden mussten. Die Versuche, die wir zu bewerkstelligen hatten, beschränkten sich entsprechend „nur“ auf Mikroorganismen und Insekten, deshalb hätte ich keinerlei Grund, mich zu beschweren.

Insgesamt waren es zehn Versuche, von denen sechs das Arbeiten mit „Versuchsorganismen“ beinhalteten. Vergleichbar mit den „Tieranatomischen Übungen“ war der Nutzen auch hier jedes Mal kaum bis gar nicht erkennbar, denn oft wurden auf Grund von Zeitdruck oder Abscheu gegen die Tötungsprozesse Flüchtigkeitsfehler gemacht, sodass beispielsweise nicht die gewünschte Verfärbung der Organe bei den Tieren oder ähnliche Situationen eintraten und der Lerneffekt ausblieb. Während die Lerninhalte bereits vor den Versuchen aus den Theorietexten gezogen werden konnten und für die anzufertigenden Protokolle nahezu sämtliche Informationen von meinen Kommilitonen aus dem Internet und den Altprotokollen unserer Vorgänger abgeschrieben wurden, landeten die Überreste der ausgelöschten Leben dann schließlich im Abfallgefäß. In zwei Versuchen wurden beispielsweise lebende Fliegen verwendet („1 Tag vor Versuchsbeginn gehungert“ – so stand es in unserer Versuchsbeschreibung). Sie waren mit Wachs am Flügel an eine Pinnnadel befestigt worden und haben die Versuche überlebt. Die Betreuerin hat mir auf meine Frage, was mit den Tieren geschehe, geantwortet, dass sie die jetzt runterschnippst und wer überlebt, überlebt und wer nicht überlebt, wird Schlangenfutter. Der Zwischenfall ist beispielhaft für den Umgang mit den Tieren in diesem Kurs.

Als Schlusswort kann ich nur schreiben, dass ich es nicht bereue, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Zwar habe ich mein Studium inzwischen abgebrochen und studiere nun Umweltschutz, aber das Ganze hat mich dazu angeregt mein bisheriges Verständnis zu Tieren noch einmal völlig neu zu überdenken und zu hinterfragen, was letztendlich meine Sichtweise auf dieses Thema stark sensibilisierte und mich dazu brachte, nun seit mehr als einem Jahr (glücklich) vegan zu leben. Durch die vielen Grausamkeiten und die Gleichgültigkeit meiner Kommilitonen und Dozenten während dieser Praktika ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, sich für die Rechte der Tiere stark zu machen und wie viel jeder von uns erreichen kann, wenn er sich engagiert!

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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