Tierversuche

Tierversuche: Land in Sicht

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Ratten werden besonders häufig für grausame Experimente missbraucht. © PETA USA

Tierversuche sind völlig überflüssig, es gibt schließlich Alternativmethoden.“ Viele von uns haben diesen Satz in Diskussionen im Bekanntenkreis schon mal gesagt, und dabei vielleicht etwas mulmig gedacht, der Gesprächspartner möge lieber nicht zu genau nachfragen. Man ist ja schließlich kein Wissenschaftler und so genau kennt man sich da nun auch wieder nicht aus… Deshalb gleich vorab: Ja, es gibt bereits viele tierversuchsfreie Forschungs- und Testmethoden. Diese sind ungleich moderner, zuverlässiger und kostengünstiger als grausame und veraltete Tierversuche. Trotzdem fließt in die Entwicklung weiterer „Alternativ“-Methoden nach wie vor zu wenig Geld, deshalb werden in vielen Bereichen immer noch Tierversuche gemacht. Damit sich das endlich ändert, fordern Tierfreunde, dass Politik und Wirtschaft solche Forschungsprojekte viel intensiver fördern. Wenn das geschieht, indem zum Beispiel Forschungspreise ausgelobt werden, gibt es immer wieder erstaunliche Resultate. Vier ausgeklügelte neue Methoden, die mit dem Ziel entwickelt wurden, Tierversuche zu ersetzen, stellen wir euch heute vor. Gleichzeitig verneigen wir uns vor den unglaublich klugen Köpfen, die jahrelang getüftelt haben, um ihre phantastischen Ideen umsetzen zu können!

  1. Prostata-Modell für die Krebsforschung: Eines der beliebtesten Argumente von Tierversuchs-Befürwortern ist die Krebsforschung, die ja ohne „Tiermodelle“ angeblich nicht auskommt (gähn). Dabei ist Fakt, und das behaupten nicht nur wir „PETA-Spinner“, sondern das erkennen selbst renommierte Krebsforscher: Seit Jahrzehnten wird Krebs in genmanipulierten Mäusen erzeugt, Millionen von Tieren wurden dieser „Forschung“ geopfert. Der Heilung von Krebs beim Menschen sind wir dadurch aber kaum näher gekommen. Deutlich vielversprechender und gleichzeitig humaner sind Ansätze wie der der Karlsruher Forscherin Dr. Friederike Gruhl, der übrigens vom Land Baden-Württemberg mit 200.000 € gefördert wird: Sie entwickelt ein dreidimensionales Gewebe-Modell der Prostata, das helfen soll, die Entstehung und den Verlauf von Prostatakrebs besser zu verstehen. Tierversuche, die bislang Teil der Prostatakrebs-Forschung sind, sollen durch das Modell ersetzt werden. Diese Nachricht ist sicher auch Grund zur Hoffnung für die fast 70.000 Männer, die jährlich in Deutschland an bösartigem Prostatakrebs erkranken.
  2. Vielseitige Simulation der Augenhornhaut: Das saarländische Unternehmen Across Barriers entwickelt aktuell ein Zellmodell der Augenhornhaut. In erster Linie können daran neue Augenmedikamente getestet werden. Die Tests sind für die Zulassung neuer Wirkstoffe vorgeschrieben und könnten Versuche an Tieren in Zukunft ersetzen. Zusätzlich ermöglicht der neue Ansatz auch Chemikalien-Tests, die dazu dienen, herauszufinden, was beispielsweise geschieht, wenn jemand aus Versehen eine Chemikalie ins Auge bekommt. Auch in diesem Bereich sterben aktuell leider Abertausende von Tieren jährlich. Das neue Hornhaut-Modell aus dem Saarland hat bereits die erste Phase der Zulassung, die sogenannte Prevalidierung, durchlaufen und wird hoffentlich bald verfügbar sein!
  3. Überzeugungstäter aus Wiesbaden: „Ich will nie wieder, dass ein Tier für meine Arbeit unnötig  leidet oder stirbt.“ Das beschloss Diplom-Physiker Professor Dr. Wolfgang Kleinekofort, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften der Hochschule Rhein-Main, vor rund neun Jahren. Nun erhielt er, gemeinsam mit Professor Dr. Friedemann Völklein, Leiter des hochschuleigenen Instituts für Mikrotechnologien,  von der Hessischen Landesregierung die Sonderauszeichnung des Hessischen Tierschutz-Forschungspreises 2012. Grund: Die beiden Wissenschaftler entwickelten einen hauchdünnen Zellverbund, mit dem sich beispielsweise Langzeit-Untersuchungen zur Verträglichkeit von Materialien für Hüftimplantate durchführen lassen. Derzeit werden solche Implantate häufig noch an Ziegen oder Schafen getestet, die Versuche enden für die Tiere tödlich. Wir gratulieren den Preisträgern und sind begeistert!

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  4. Gute Zeiten für Allergiker: Sogenannte Kontaktallergien sind ein verbreitetes Problem, jeder zehnte bis fünfte Deutsche ist davon betroffen. Neue chemische oder kosmetische Substanzen müssen deshalb auf ihr allergenes Potenzial getestet werden, bevor sie verwendet werden dürfen. Bisher fallen diese Tests jährlich Tausende von Mäusen und Meerschweinchen zum Opfer. Damit könnte bald Schluss sein, denn die beiden Freiburger Biologen Stefan Martin und Philipp Eßer entwickelten jetzt ein neues Zellkultur-Verfahren für solche Tests. Dem Land Baden-Württemberg war dieser Durchbruch immerhin einen mit 25.000 Euro dotierten Forschungspreis wert.

Diese vier neuen Methoden sind natürlich nur Beispiele für das, was in Wissenschaft und Industrie mittlerweile ohne grausame Tierversuche möglich ist. Wer PETAs Arbeit im Kampf gegen Tierversuche unterstützen möchte, kann das hier tun oder hier selbst aktiv werden.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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