Tierversuche

Tierversuche: Der perverse Anstieg von Versuchszahlen

Ein Gastbeitrag von Mimi Bekhechi, stellvertretende Vorsitzende von PETA UK

Statistiken aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass die Anzahl der Tierversuche seit dem Jahr 2000 um 52 Prozent gestiegen ist

Die meisten von uns würden niemals ein Telefon, einen Computer, einen Fernseher oder eine Kamera benutzen, die 30 Jahre alt sind. Die Technologie hat sich weiterentwickelt. Warum also führen Wissenschaftler in Großbritannien noch immer veraltete Experimente an Tieren durch, die sich in den letzten Jahrzehnten als ineffektiv herausgestellt haben, während moderne tierfreie Methoden immer schneller weiterentwickelt werden?

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Regierung ihre jährliche Statistik über wissenschaftliche Verfahren an lebenden Tieren. Die darin enthaltenen Zahlen sind verstörend. Es handelt sich um die höchste Anzahl an Tierversuchen in einer Generation. Im Jahr 2013 wurden 4,02 Millionen Tiere genutzt – ein unglaublicher Anstieg von 52 Prozent seit dem Jahr 2000.

Das Leid der Tiere

Was uns die Statistiken nicht zeigen, ist das Leid, dem tausende Tiere in Laboratorien in Großbritannien jeden Tag ausgesetzt sind. Der Missbrauch, den man diesen Tieren antut, wäre illegal, würde er in irgendeinem anderen Kontext stattfinden. Man verweigert den Tieren Nahrung und Wasser, um sie zur Mitarbeit zu zwingen. Wenn sie sich kooperativ zeigen, erhalten sie einen Happen Futter oder einen Schluck Wasser. Sie werden vergiftet, aufgeschnitten, mit tödlichen Krankheiten infiziert, mit Elektroschocks gequält und man lässt sie erblinden. Am Ende der Versuche werden sie getötet.

Neben dem Missbrauch, der als normaler Teil des Experiments stattfindet, finden sich in dem Bericht der Regierung auch mindestens 34 Fälle, in denen gegen die absoluten Mindeststandards der Tierpflege nach dem Animals (Scientific Procedures) Act (Gesetz zu Tieren in wissenschaftlichen Verfahren) von 1986 verstoßen wurde oder ebendiese nicht ausreichend erfüllt wurden. Alleine in einer einzigen Einrichtung wurden fünf Fälle von Vernachlässigung und Inkompetenz bestätigt, in die acht Personen involviert waren. Es stellte sich heraus, dass die Pflege in dem Institut unzureichend war und die Funktion des Lizenzinhabers der Einrichtung und seine zukünftige Rolle wurden in Frage gestellt. In anderen Einrichtungen wurden Versuche ohne die erforderliche Befugnis durchgeführt, mehr Tiere wurden genutzt als genehmigt waren, es wurden Fehler begangen, die zum Tod von Tieren führten und es starben viel mehr Tiere als die Experimentatoren einkalkuliert hatten. In einer Zuchteinrichtung führte eine defekte Klimaanlage zu dem inakzeptablen Tod von 787 Ratten und 345 Mäusen.

Tierversuche funktionieren nicht

Tiere empfinden zwar genau wie Menschen Angst und Schmerz, dennoch unterscheidet sich unsere Physiologie grundlegend von der von Tieren. Und genau deshalb funktionieren Tierversuche nicht.

Aspirin kann Katzen töten und bei Ratten, Mäusen, Meerschweinchen, Hunden und Affen Geburtsfehler verursachen. Morphium – ein Beruhigungsmittel bei Menschen – stimuliert Ziegen, Katzen und Pferde. Bei all den enormen Unterschieden in der Physiologie verschiedener Spezies und bei der schlechten Durchführung vieler Versuche überrascht es nicht, dass 92 Prozent aller Medikamente, die Tierversuchen zufolge als sicher und effektiv gelten, sich als unwirksam oder sogar gefährlich für den Menschen erweisen. Richard Klausner, früherer Leiter des US National Cancer Institute, gab in diesem Kontext zu: „Die Geschichte der Krebsforschung ist eine Geschichte der Heilung von Krebs bei Mäusen. Wir heilen seit Jahrzehnten Krebs bei Mäusen – aber es hat einfach nicht bei Menschen funktioniert.“

Vorausdenkende Forscher – viele davon finanziell unterstützt von PETA (UK) und ihren internationalen Schwesterorganisationen – entwickeln Methoden zur Untersuchung von Krankheiten und dem Testen von Produkten, für die keine Tiere benötigt werden und die auch tatsächlich relevant für die menschliche Gesundheit sind. Neuste Methoden beinhalten im Labor gezüchtete Zellen, welche die Struktur und Funktion menschlicher Organe imitieren. Das EpiDermTM Tissue Model von MatTek, ein dreidimensionales Hautmodell aus menschlichen Zellen, kopiert die wichtigsten Eigenschaften normaler menschlicher Haut.

Forscher am EU-Referenzlabor für Alternativen zum Tierversuch entwickelten fünf verschiedene Testverfahren, die menschliche Blutzellen nutzen, um Verunreinigungen in Medikamenten aufzuspüren, die möglicherweise gefährliche Fieberreaktionen auslösen könnten. Außerdem haben Wissenschaftler eine Reihe hochentwickelter Computermodelle geschaffen, welche die menschliche Biologie und das Fortschreiten von Krankheiten nachahmen. Studien beweisen, dass diese Modelle korrekt aufzeigen können, wie neue Medikamente im menschlichen Körper reagieren werden und sie so die Nutzung von Tieren in der Grundlagenforschung und in zahlreichen Standardverfahren von Medikamententests ersetzen können.

Der Wunsch nach dem Ende von Tierversuchen

Es überrascht nicht, dass sich so viele Menschen ein Ende der Tierversuche wünschen. Eine aktuelle Ipsos MORI-Umfrage, in Auftrag gegeben vom britischen Ministerium für Handel, Innovation und Kompetenzen, hat gezeigt, dass sich 76 Prozent der Briten mehr Forschung zu Alternativen zum Tierversuch wünschen. Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, gegen die Nutzung von Tieren zu jeglichen Versuchszwecken zu sein – aus Gründen des Tierschutzes. Diese Anzahl erhöht sich auf fast die Hälfte in der jüngeren Generation, bei Personen zwischen 15 und 24 Jahren. Ganze 64 Prozent der Erwachsenen sind darüber besorgt, dass Forscher nicht lizensierte Versuche an Tieren durchführen könnten, und über die Hälfte vertrauen den Forscher dahingehend nicht, kein unnötiges Tierleid zu verursachen.

Und trotzdem kommt von den 300 Millionen Pfund an Regierungsgeldern zur Förderung der Biowissenschaften nur ein Prozent dem Ersetzen von Tierversuchen zugute.

Der Mantel der Verschwiegenheit muss gelüftet werden

Aber es gibt Licht am Ende dieses langen, dunklen Tunnels: Nach einer unermüdlichen Kampagne von PETA, unterstützt von tausenden PETA-Anhängern, hat die Koalitionsregierung mit einer Überprüfung von Paragraph 24 des Animals (Scientific Procedures) Act von 1986 begonnen – dem Abschnitt über Vertraulichkeit. Dieser Abschnitt gewährt Experimentatoren einen Mantel der Verschwiegenheit. Doch die Regierung hat nun anerkannt, dass dieser Paragraph nicht mit den Rechten der Öffentlichkeit zum Zugang zu Informationen vereinbar ist, wie sie durch den Freedom of Information Act aus dem Jahr 2000 festgelegt wurden. Die Regierung hat deshalb bestätigt, dass Paragraph 24 ersetzt oder korrigiert werden muss.

Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Wir können die wissenschaftliche Forschung nur in unser modernes Zeitalter überführen, indem wir den Mantel der Verschwiegenheit aufdecken, Bürger über die Grausamkeiten, die durch ihre Steuergelder finanziert werden, informieren und Experimentatoren für den Missbrauch von Tieren im Namen der Wissenschaft zur Verantwortung ziehen, wo doch verlässliche Optionen bereits existieren, für die keine Tiere missbraucht werden müssen.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen