Tierversuche

Neubau im Tierversuchslabor MDC Berlin: Argumentation der Politik ist eine Farce

Der geplante Neubau des Max-Delbrück-Centrum in Berlin

In Berlin-Buch soll im Auftrag des Max-Delbrück-Centrums (MDC) ein neues Tierversuchslabor gebaut werden – mitten in der Natur. Das Gebäude soll 24 Millionen Euro (Steuergelder!) kosten und Platz für 12.000 bis 24.000 Mäuse schaffen, die in sinnlosen Experimenten gequält und getötet werden.

Für den Neubau muss ein ganzer Wald gerodet werden, der den Anwohnern des Stadtteils bislang als Naherholungsgebiet diente und zahlreichen Vogelarten als Nistplatz und Zuhause. Sogar der Senat für Stadtentwicklung und Umwelt lehnt die Bebauung der Waldflächen ab.

PETA Deutschland schreibt Entscheidungsträger an

Aufgrund dessen hat PETA Deutschland verschiedene Entscheidungsträger angeschrieben, um auf die Konsequenzen eines solchen Unterfangens für Mensch und Tier aufmerksam zu machen, darunter auch Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Bildungsministerin Johanna Wanka und kürzlich auch Cornelia Yzer, Berliner Senatorin für Wirtschaft und Forschung.

Die Antwort von Cornelia Yzer, Berliner Senatorin für Wirtschaft und Forschung

Die Antwort Yzers auf unseren Brief und die Email, die sie all unseren Unterstützern sendet, die sich an unserem Protestaufruf beteiligen, sind eine Farce!

Yzer schreibt, es gäbe „eine starke Kontrolle der Einhaltung der Tierschutzvorschriften“. Die Realität zeigt ein völlig anderes Bild: Seit Jahren wird am MDC systematisch gegen das deutsche Tierschutzgesetz (TierSchG) verstoßen! Bei Kontrollbesuchen der Amtsveterinäre fielen immer wieder viel zu kleine Käfige auf, in denen die Tiere dicht an dicht ihr trauriges Dasein fristen müssen. Es finden sich Berichte über schwer verletzte Tiere, die einfach ihrem Schicksal überlassen wurden, Tiere die qualvoll verhungerten, weil sie vom Wochenenddienst schlicht vergessen wurden, und über Tiere, deren Haltung gar nicht genehmigt war.

Bei 50 Prozent der Kontrollen nach 2009 gab es Verstöße gegen § 2 des TierSchG, der Grundlegendes zur Haltung und Pflege von Tieren regelt. Das MDC sprach von Einzelfällen, dabei wurden alleine in einem Jahr 31 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen das TierSchG am MDC eingeleitet. Einer solchen Einrichtung wäre die Zulassung zu entziehen! Auch die (pflichtgemäße) Anwesenheit eines internen Tierschutzbeauftragten ändert nichts an den Tatsachen und dient lediglich als Alibi.

5 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland in Tierversuche investiert

Die Senatorin berichtet stolz, der Berliner Senat würde die Entwicklung von tierversuchsfreien Alternativmethoden durch Ausschreibung eines Forschungspreises unterstützen. Dieser Preis ist mit 15.000 Euro dotiert – ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der mehr als 400.000 Tiere, die alleine in Berlin jährlich für die Forschung ihr Leben lassen müssen. Etwa 5 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland in Tierversuche investiert, dahingegen wird die Entwicklung von modernen, tierleidfreien Methoden nur mit lächerlichen 3 bis 4 Millionen Euro gefördert. Hätten wir bereits vor Jahren begonnen diese Milliardenbeträge in die Erforschung von Alternativen zu investieren, würde sich heute wahrscheinlich kein Wissenschaftler mehr der unzuverlässigen und archaischen Tierversuchsmethoden bedienen.

In dem Brief der Senatorin wird deutlich, dass es ihr vorrangig um den Ruf und den Erfolg Berlins als weltweit anerkannten Forschungsstandort geht; wie dieser Erfolg erzielt wird scheint zweitrangig zu sein. Auch hier gilt das Prinzip: Tierversuche sind immer für eine Veröffentlichung gut, und dabei ist es egal, dass es meist um reine Grundlagenforschung und die Neugier-Befriedigung einzelner Wissenschaftler geht, die über möglichst viele Publikationen ihr Ansehen vergrößern wollen. Eine „Vermeidung unnötiger Leiden für Tiere“, wie Frau Yzer schreibt, findet hier sicherlich nicht statt. Am MDC werden völlig sinnlose und für die Tiere extrem schmerzhafte Experimente durchgeführt. Beispielsweise setzten Forscher Mäuse auf heiße Herdplatten und spritzten ihnen Säure in die Pfoten. Wie oft die Tiere ihre Füße wegzogen und wie lange sie ihre brennenden, schmerzenden Pfoten leckten, sollte als Maßstab für ihr Schmerzempfinden gelten. Da drängt sich dem gesunden Menschenverstand doch die Frage auf: Welcher Nutzen soll dem Menschen und der modernen Medizin durch solch archaische Vorgehensweisen entstehen?

Resultat der Tierversuche nicht auf Menschen übertragbar

Die Hauptrechtfertigung der Senatorin für den Neubau des riesigen Tierversuchslabors ist natürlich die „Verbesserung der Behandlung und Betreuung von Menschen“. Nur leider zeigt die Realität, dass die Resultate von Tierversuchen schlicht und ergreifend nicht auf den Menschen übertragbar sind. Weit über 90 Prozent aller am Tier getesteten Substanzen und Medikamente fallen in den anschließenden klinischen Studien durch und zeigen bei Menschen keinerlei Wirkung oder lösen sogar schwerste Nebenwirkungen aus. Alleine die Durchführung eines Experiments an einer Maus führt zu einem völlig anderen Ergebnis als derselbe Versuch, durchgeführt an einer Ratte. Wie sollten wir da in der Lage sein, dieselben Resultate auf einen Menschen zu übertragen?

Die absolute Höhe ist jedoch die Behauptung Yzers, dass für Tierversuche grundsätzlich eine Genehmigung erforderlich sei! Das ist schlicht und ergreifend falsch und täuscht jeden Leser ihres Schreibens vollkommen. Laut § 8a des TierSchG sind gesetzlich vorgeschriebene Versuche, Experimente für diagnostische Zwecke u.v.m. lediglich anzeigepflichtig und müssen der zuständigen Landesbehörde nur gemeldet und nicht extra genehmigt werden. Und diese rein anzeigepflichtigen Experimente machen insgesamt mehr als 70 Prozent aller Tierversuche in Deutschland aus. Auch die Tierschützer in den sog. Ethikkommissionen, die über genehmigungspflichtige Versuche entscheiden, besitzen lediglich eine Alibifunktion, wie die Philosophin Friederike Schmitz kürzlich aus eigener Erfahrung berichtete. Am Ende wird so gut wie jedes Experiment genehmigt, mag es auch noch so viel Schmerz und Leid für die Tiere bedeuten – denn die Tierexperimentatoren und ihre Lobby sind immer in der Mehrheit.

Der letzte Satz in Yzers Email entspricht wohl dem Motto „Das Beste kommt zum Schluss“. Sie schreibt, es „… wird sichergestellt, dass die Rechte der Tiere beachtet werden.“ Diese Aussage ist purer Zynismus! Hätten die Tiere am MDC auch nur ein einziges Recht, dann würden sie sicher nicht in winzigen Käfigen eingesperrt, ohne jedes Tageslicht, mit Krankheiten künstlich infiziert, zur Ausbildung schwerster Tumore genmanipuliert jeden Tag ihres Lebens grausamen Experimenten unterziehen, in denen sie früher oder später alle ihren Tod finden! Also welches Recht, Frau Yzer, hat ein „Versuchstier“ am MDC?

Helft mit, den Neubau am MDC Berlin zu stoppen

Wenn auch Sie sich diese Frage stellen und unsere Ansicht teilen, dass Tierversuche ethisch nicht vertretbar sind, dann beteiligen Sie sich bitte an dem Protest von PETA und vielen weiteren Tierrechtsorganisationen und fordern Sie Frau Yzer und andere Verantwortliche dazu auf, den Neubau am MDC Berlin sofort zu stoppen!

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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