Tierversuche

Darm auf einem Chip soll Mäuse-Experimente ersetzen

Eine Zukunftstechnologie wird Wirklichkeit auf dem Weg zu einer tierversuchsfreien Medizin!

Dass Tierversuche an Ratten und Mäusen nicht auf den Menschen übertragbar sind, ist nichts Neues. Dennoch werden unzählige Tiere in der Entwicklung von Medikamenten für den Menschen Experimenten unterzogen und getötet. Nun aber hat eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe an der John Hopkins School of Medicine im US-amerikanischen Baltimore einen bahnbrechenden Erfolg vorzuweisen: Professor Mark Donowitz, Dr. Jennifer Foulke Abel und Kollegen haben einen handtellergroßen Chip aus Kunststoff entwickelt, in dem menschliche Darmzellen wachsen. Diese Erfindung soll in Zukunft dazu dienen, den Effekt von Medikamenten auf das Darmgewebe zu untersuchen. Gegenüber heutigen Tierversuchen hätte das zwei entscheidende Vorteile: Erstens müssten keine Tiere mehr für derartige Versuche leiden und zweitens erhielte man wesentlich aussagekräftigere Ergebnisse für den Menschen. Denn was liegt näher, als die Wirkung von Medikamenten gegen Cholera und andere Krankheiten auf den Menschen an menschlichen Zellen zu testen, wenn man diese Zellen einfach bei einer Darmbiopsie entnehmen kann?

Auf dem Chip leben bereits verschiedene Gewebetypen des menschlichen Darmes, ein umfassendes Modell ist er jedoch noch nicht. Es wird nun daran geforscht, Blutgefäße und Nervenzellen hinzuzufügen. Andere Forschergruppen arbeiten weltweit daran, Modelle weiterer Organe auf Chips zu entwickeln. Somit soll es möglich werden, die Verstoffwechselung von Chemikalien und Medikamenten im Organismus nachzustellen.

Weitere Informationen gibt es beim US-amerikanischen National Public Radio (NPR), das die Arbeitsgruppe von Professor Donowitz besucht hat. Außerdem ist Dr. Jennifer Foulke Abel Mitautorin zweier Artikel in Fachzeitschriften zu Konglomeraten von menschlichen Darmepithelzellen, so genannten „human enteroids“. Die Artikel sind hier und hier abrufbar.

Über den Autor

Christopher

Christopher ist promovierter Biologe und Mitglied des PETA International Science Consortium (PISC). Er setzt sich im Bereich der toxikologischen und ökotoxikologischen Chemikalientestung für den Ersatz von Tierversuchen durch Alternativmethoden ein. Christopher hält es mit Mahatma Gandhi, der sagte: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen,
wie sie die Tiere behandelt".

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