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Umfrage zur gemeinsamen EU-Agrarpolitik

© iStock.com / francescoch

Phil Hogan ist seit 2014 EU-Agrarkommissar und steht vor einer großen Aufgabe. Durch den Brexit muss die EU mit Mindereinnahmen rechnen. Hogan greift deswegen zu einem ungewöhnlichen Mittel. Eine an die Bürger der EU gerichtete Umfrage soll die gemeinsame EU-Agrarpolitik mitbestimmen. Hierdurch entstehe die Chance auf europäischer Ebene gegen Tierleid zu stimmen.

Beteiligung der Bürger

Jeder Steuerzahler zahlt durchschnittlich 120€ im Jahr für die Landwirtschaft. Durch die Umfrage besteht ein aktives Mitbestimmungsrecht der Bürger für eine gemeinsame Agrarpolitik ab 2021. Die EU Kommission kündigte an die Beiträge der Umfrage für die Prioritätenlegung der zukünftigen Agrarpolitik nutzen zu wollen. Die Umfrage läuft noch bis zum 2. Mai.

Was ist die gemeinsame Agrarpolitik?

Die gemeinsame EU-Agrarpolitik, kurz GAP, besteht aus zwei Säulen. Ursprünglich wurde über die GAP durch eine Preisgarantie auf landwirtschaftliche Erzeugnisse gewährt. Notwendig wurde es, weil die Landwirtschaft in Europa nach dem zweiten Weltkrieg am Boden lag.

1990 änderte sich die Politik dahingehend, dass Preisgarantien gesenkt wurden und durch produktionsunabhängige Direktbeihilfen ersetzt wurden. Denn die Preisgarantie hatte die bekannten Milchseen und Butterberge zur Folge.

Die erste Säule

Die erste Säule beinhaltet Direktzahlungen an die Landwirte, die beim Erfüllen bestimmter Voraussetzungen je Hektar bewirtschafteter Fläche, gewährt werden. Durchschnittlich machen diese Direktzahlungen rund 40 Prozent des Einkommens der Betriebe aus. Das aktuelle finanzielle Volumen der ersten Säule beträgt 42 Milliarden Euro.

Die erste Säule soll die europäische Landwirtschaft konkurrenzfähig und attraktiv halten. Durch den Bezug auf die Betriebsgröße werden hier allerdings viele große Betriebe belohnt. Kleinbäuerliche Strukturen haben einen Nachteil.

Die zweite Säule

Die Zweite Säule soll die Zukunft für Menschen im ländlichen Raum attraktiv gestalten und ist mit 19 Milliarden Euro weitaus geringer. Diese Gelder werden für Umweltschutzmaßnahmen, nachhaltige Entwicklung, lokale Entwicklung und Tierschutz eingesetzt. Der Tierschutz ist somit nur ein kleiner Teil der gesamten finanziellen Anreize die von der EU gesetzt werden. Große Betriebe mit einer hohen Anzahl an Tieren bekommen sogar durch die erste Säule noch mehr Gelder zugesprochen!

Zwischenfazit

Seit dem bestehen des GAP wurde immer die Intensivlandwirtschaft gefördert. Durch die Prämierung in Bezug auf die Flächen und nicht mehr auf das Produkt handeln Landwirte „unternehmerischer“. Sie produzieren das, was viel Gewinn verspricht. Allerdings wird der Großteil der Fläche von wenigen Betrieben bewirtschaftet. Ständig wachsende Tierbestände – und damit mehr Leid – findet in einer immer geringeren Anzahl an Betrieben statt. Erst im letzten Jahr ist die Zahl der Schlachtungen in Deutschland wieder gestiegen.

Die Zukunft ab 2021

Mit der Umfrage besteht die Chance der EU-Kommission eine Richtung vorzugeben. Laut einer Umfrage von Eurobarometer befürworten 87 Prozent der Bürger, dass die EU-Gelder zu einer Förderung der ökologischen Landwirtschaft genutzt werden. Damit sprechen sie sich für die Fördermaßnahmen der zweiten Säule aus, die einen finanziell geringeren Anteil haben!

Die Umfrage

Die sehr detailliert gestaltete Umfrage sollte keinesfalls abschrecken. Auch betroffene Landwirte und fachliche Organisationen sollen an ihr teilnehmen. Eine Aussagekraft der Teilantworten wird dadurch nicht geschmälert. Mit einer Beteiligung kann ein klares Statement gegen eine tierquälerische „Massentierhaltung“ und Tierhaltung insgesamt gesetzt werden.

Was kann getan werden?

Auch wenn keine direkten Fragen zur Tierhaltung vorhanden geben die Fragen zu Umweltaspekten indirekt einen Hinweis darauf. Dabei sollte immer daran gedacht werden, dass 70 Prozent der Anbaufläche für Futtermittel genutzt werden. Tierhaltung und der Konsum tierischer Produkte ist niemals gut für die Umwelt. Anbauflächen sollten nicht für Futtermittel, sondern für menschliche Ernährung genutzt werden.

In den offenen Fragen sollte das immer wieder angebracht werden. Zusätzlich sollte erwähnt werden, dass die EU ihren Fokus auf Tierrechte und nicht ausschließlich auf „artgerechte“ Tierhaltung legen sollte.

Die Umfrage ist die Möglichkeit auf der politischen Ebene der EU Einfluss zu nehmen. Jede Stimme zählt hier. Zudem kann jeder Einzelne etwas für die Tiere tun, indem er sich für eine vegane Lebensweise entscheidet. Wer auch du vegan und melde dich beim Veganstart an.

 

Über den Autor

René

René hat Geographie in Bremen und Hamburg studiert. Er mag Hummus und Humus, aber nur eins davon essen.

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