Studien

Fischlarven singen im Chor und 3 weitere verblüffende Neuigkeiten aus der Tierwelt

Welches winzige Tier kann Meeresströmungen auslösen? Wie heben Giraffen ihren Kopf, ohne ohnmächtig zu werden, wenn sie getrunken haben? Hier berichten wir euch von einigen brandneuen Entdeckungen aus dem Leben komplexer Lebewesen, die zufällig nicht menschlich sind.

Schimpansen stellen Schwämme her

Durstige Schimpansen aus Uganda haben Wissenschaftlern nun erstmals in freier Wildbahn einen Einblick in ihr Lernverhalten und ihr kulturelles Verhalten innerhalb sozialer Netzwerke gewährt. Die Schimpansen wurden dabei beobachtet, wie sie Blätter zusammenknüllten und sie dann in ein Wasserloch tauchten, damit sich sie Blätter wie ein Schwamm füllen. Im Anschluss saugten die Tiere an den Blättern, um das Wasser zu trinken. Ihre „Schwämme“ ließen die Schimpansen häufig in der Nähe des Wasserlochs liegen und kamen später zu ihnen zurück. Ein Schimpanse nutzte sogar einen alten „Schwamm“, den ein Artgenosse zurückgelassen hatte. Als das Alphamännchen Nick eine neue Art Schwamm aus Moos herstellte, dauerte es nicht lange, bis andere Schimpansen nachzogen und ihre eigenen Moosschwämme produzierten. Die leitende Wissenschaftlerin der Studie, Dr. Catherine Hobaiter, ist der Ansicht, Nicks Erfindung ermögliche es den Schimpansen eventuell, mehr Wasser aufzusaugen und Schmutzpartikel herauszufiltern.

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Salinenkrebse sind ein Unterwasserwunder

Wenn wir schon bei Teamwork sind… Einer neuen Studie zufolge können winzige Salinenkrebse, die nur einen halben Zentimeter groß sind, möglicherweise genauso viel Kraft zu Meeresströmungen beitragen, wie es Wind und die Gezeiten tun. Jeden Tag zur Abenddämmerung schwimmen die Tiere in Richtung der Wasseroberfläche, um mikroskopische Algen zu fressen. Zum Sonnenaufgang schwimmen sie wieder zurück nach unten. Wenn nun zwei oder mehr Salinenkrebse Seite an Seite schwimmen, lösen ihre Beine – die als Paddel dienen – „Wirbel“ aus, die mit den Meeresströmungen interagieren und zur Zirkulation von Wasser beitragen.

Salzkrebschen
Salzkrebschen

Fischlarven im Chor

Und wenn ihr nachts ein grusliges Geräusch aus der Tiefe eines Gewässers hört, ist es wohl kein Geist, sondern eher ein Chor von Fischlarven. Forscher in den Florida Keys haben Fischlarvenschwärme aufgenommen und herausgefunden, dass sie nachts Geräusche machen, z.B. Klopf- und Brummgeräusche. Am lautesten waren die Fische, wenn sie alleine waren oder in einer kleinen Gruppe von ca. 15 Fischen. Die Wissenschaftler glauben, dass die Larven möglicherweise deshalb Geräusche produzieren, um miteinander in Kontakt zu bleiben, wenn sie in der Dunkelheit sonst nur schwer sehen können.

Giraffen mit Astronauten-Technik

Der Blutkreislauf von Giraffen funktioniert wie die Antischwerkraft-Anzüge von Astronauten – das fanden jetzt Wissenschaftler in Südafrika heraus, die die Physiologie der Tiere studierten. Damit Blut von den Knöcheln der Tiere bis in ihren Kopf gepumpt werden kann (immerhin bis zu 6 Meter hoch), besitzen Giraffen extrem dicke Blutgefäße und robuste, starre Kollagenfasern in Hals und Beinen. Ein System von Kapillaren und Klappen ermöglicht es den Giraffen, den Kopf zum Trinken zu senken und ihn schnell wieder anzuheben, ohne dabei ohnmächtig zu werden. Schließmuskeln am Ende der Beine verhindern, dass sich Blut um die Hufe herum ansammelt, während die Giraffen stehen.

Die Lippen und die 45 cm lange Zunge der Tiere sind zum Greifen geeignet und ermöglichen es ihnen, Blätter zu pflücken, ohne dabei an Dornen oder Stacheln zu kommen. Ihr weitwinkliges, peripheres Sehen führt dazu, dass Giraffen sowohl hinter ihren Körper als auch vor ihren Körper sehen können.

Das soziale und emotionale Leben von Giraffen ist genauso komplex wie ihre Physiologie. Weibliche Tiere gehen enge Freundschaften miteinander ein und trauern, wenn Kälber getötet werden. Forscher konnten beobachten, wie eine Giraffenmutter vier Tage lang an dem Ort blieb, wo ein Löwe ihr Kalb getötet hatte und sich weigerte, zu essen. Zwei andere Giraffenweibchen standen oft in ihrer Nähe und leisteten ihr Gesellschaft.

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Vom kleinsten Krebs bis zur größten Giraffe: Wenn wir Tiere in ihrer eigenen Welt beobachten, wird uns schnell klar, dass der Mensch noch viel von seinen Mitlebewesen lernen kann. Und wo nun unser Verständnis von Tieren wächst, sollte auch unser Mitgefühl gleichziehen.

Über den Autor

Peter

Kampagnenleiter für "Tiere in der Unterhaltungsbranche" bei PETA Deutschland. Für seine Diplomarbeit bereiste er auf den Spuren von Elefanten, Tigern und Affen zahlreiche Schutzgebiete in Südostasien.

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