Haustiere

Vegane Hundeernährung: Mythen und Vorurteile

Vielleicht haben einige von euch den Beitrag im Sat-1 Frühstücksfernsehen gesehen. Dort hat der Hundetrainer Marc Draeger einer Veganerin geholfen, wie sie mit ihren Hunden besser an anderen Hunden vorbeikommt. Zudem ging es aber um die Ernährung der vier Hunde: Sie ernährt ihre Hunde anscheinend vegan und dazu hat „der Hundetyp“ und ein Tierarzt „fachmännische“ Kommentare abgegeben. Ich ernähre meine Hunde selbst vegan und weiß, dass es ihnen damit prächtig geht. Deshalb hat mich dieser Beitrag sehr wütend gemacht und ich habe aus diesem Grund eine Stellungnahme geschrieben, die vielleicht das eine oder andere Gerücht über die vegane Hundeernährung aus der Welt räumt.

1. Hunde sind keine Carnivore (Fleischfresser), sondern Omnivore (Allesfresser). Eine Studie belegt zudem die genetische Anpassung an eine stärkereiche Ernährung und dem Wolf weitaus überlegene Fähigkeit, Stärke in der Nahrung zu verdauen. Dies kommt wahrscheinlich von der jahrzehntelangen Ernährung des domestizierten Haushundes von menschlichen Essensresten, die zum überwiegenden Anteil aus pflanzlichen Komponenten bestand.

2. Hunde verwerten pflanzliche Inhaltsstoffe in der Nahrung sehr gut und sind deshalb nicht auf Nahrungsquellen tierischen Ursprungs angewiesen. Wichtig ist nur: Proteine, Mineralstoffe sowie Mengen- und Spurenelemente müssen in genügender Menge vorhanden sein, und er reagiert nicht allergisch auf einen Nahrungsbestandteil.

3. Der Wahlversuch zwischen dem frischen Fleisch und dem Trockenfutter, das die Hunde täglich bekommen ist ehrlich gesagt mehr als lächerlich. Vergleichbar wäre es, wenn man ein Fertiggericht vor sich hätte, das man jeden Tag zu Essen bekommt und daneben etwas Frisches, das man schon lange nicht mehr hatte. Zudem würde meine Hündin ebenso Pommes, Eiscreme oder menschliche Hinterlassenschaften vorziehen – soll ich ihr dies folglich täglich zu Essen geben? Auch ein Kind würde Gummibärchen dem Gemüse vorziehen. Ist das nun ein Beweis, dass Süßigkeiten gesund und essentiell sind?

4. Vegane Hundeernährung kann man genauso falsch ausführen wie nicht vegane Hundeernährung. Jedoch setzen sich die allermeisten vegan lebenden Menschen sehr mit den Bedürfnissen ihres tierischen Mitbewohners auseinander und deshalb sind vegan ernährte Hunde auch meist fitter und gesünder als ihr mit Fleisch ernährter Artgenosse. Ich zum Beispiel gebe meiner Hündin als Basis ein Trockenfutter, das soja-, mais- und getreidefrei ist. Dazu koche ich wöchentlich einen Gemüse- und Obstbrei, Reis, Nudeln und ebenfalls auf dem Speiseplan stehen hochwertige Öle, wie Leinöl, und Kräuter, Nüsse sowie Samen und Sprossen. Veganer respektieren Tiere und würden ihren Hund nicht dazu zwingen, vegane Nahrung zu essen. Aber sie lieben nicht nur sogenannte Haustiere, sondern auch die Tiere, die Milliardenfach für die Ernährungsindustrie getötet werden.

Über den Autor

Lisa

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.

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