Haustiere

Was dein älterer Hund dir nicht sagen kann, du aber wissen MUSST

Ein Hund
© iStock.com / Teresa Azevedo

Stell dir vor…

Du hast dich dazu entschieden, dich in einem exotischen (zumindest fremden) Land zur Ruhe zu setzen und du verstehst die Sprache nicht. Ein freundliche/r Einwohner*in kümmert sich um dich, aber versteht aufgrund der Sprachbarriere nicht, wie du dich fühlst.

Über die Jahre bekommst du einige Schmerzen und letztendlich tut dir alles weh. Es fällt dir schwer, dich wohl zu fühlen. Du kannst nicht zum Doktor gehen, weil du nicht fahren kannst und dein/e Pfleger*in bemerkt nicht, dass du untersucht werden musst.

Zwei laufen zusammen im Schnee
Achte gut auf deine tierischen Senioren, damit es ihnen lange gut geht. © iStock.com / Dageldog

Aber deine Gelenke tun so sehr weh, dass es oft schwierig für dich ist, aufzustehen und zu laufen – manchmal stolperst du sogar und fällst, wobei du dir noch mehr weh tust. Du hast es geliebt, draußen zu sein, laufen zu gehen, aber jetzt ist das unmöglich – du kannst kaum noch die Balance halten.

Um die Sache noch schlimmer zu machen, siehst du auch immer schlechter, bekommst viel weniger mit, was in der Welt passiert. Du kannst auch nicht mehr hören und die Welt ist zu einem Ort mit seltsamen gedämpften Geräuschen geworden.

© iStock.com / Feverpitched
Viele Alterserscheinungen kennen wir vom Menschen, aber dein Hund kann eben nicht sprechen.

Alles, was du wirklich tun kannst, ist, herumzuliegen und zu schlafen, aber das ist so langweilig und außerdem hält dich der stechende Schmerz in deinen Gelenken sehr oft davon ab, wirklich erholsam und tief zu schlafen. Weil deine Leber auch nicht mehr die  jüngste ist, fühlst du manchmal Übelkeit und dir ist etwas mulmig, aber du hast keine Möglichkeit, das mitzuteilen. Du bekommst Durchfall und das ist ein großes Problem, weil du es nicht lange genug anhalten kannst, um deinen schmerzhaften, steifen Körper zur Toilette zu bringen. Also passieren dir häufiger „Unfälle“ und das stresst dich sehr, weil du weißt, dass dein/e Pfleger*in alles sauber machen muss. Du schämst dich sehr.

Du wünschst dir so sehr, dass du ihr/ihm alles sagen könntest, was dich belastet – neben den Gliederschmerzen, Verdauungsproblemen und schlechtem Seh- und Hörvermögen hast du auch einen infizierten Zahn, der weh tut, einen juckenden Ausschlag auf deinem Bein, einen eingewachsenen Zehnagel und ein komisches schweres Gefühl in deiner Brust.

Hund auf einem Sofa mit Kissen
Ignoriere keine Wesensveränderungen und schiebe nicht alles aufs Alter!

Du atmest mittlerweile viel schwerer, es ist zunehmend schwerer geworden, deine Lungen zu füllen. Niemand schaut dich wirklich noch an, also bemerkt auch keiner, wie deine Gesundheit sich verschlechtert hat und wie schlecht deine Lebensqualität geworden ist. Du erfreust dich nicht mehr am Leben und hast sehr wenig übrig, wofür es sich zu leben lohnt. Aber es gibt keinen Ausweg. Jeden Morgen wachst du auf und musst dich dem unbarmherzigen Schmerz erneut stellen…

 „Das hohe Alter ist kein Ort für Memmen“ – Bette Davis

Sehr wahre Worte und sie gelten genauso für unsere tierischen Mitbewohner. Das ist der Grund, warum es sehr wichtig ist, deinen Hund regelmäßig abzutasten/zu streicheln – jeden Tag. Nicht nur, um ihm Zuneigung zu zeigen und ihm zu symbolisieren, dass du dich für ihn interessierst und ihn lieb hast – auch, um ihn gründlich zu begutachten:

  • Schau in sein Maul und seine Ohren, schaue auch unter seinem Schwänzen nach.
  • Untersuche genau sein Fell, ob es irgendwelche Veränderungen gibt, die man nicht auf den ersten Blick wahrnimmt.
  • Schau dir auch die Pfötchen genau an – von der Kralle bis zum Ballen.
  • Nimm NIEMALS an, dass ein „komisches neues Verhalten“ oder Symptom „nur am hohen Alter“ liegt.

Vergiss bitte NIE: Du „suchst“ nach Problemen, die das Leben für deinen tierischen Mitbewohner unangenehm oder lebensbedrohlich machen könnten. Dein Hund ist davon abhängig, dass du bemerkst und danach Ausschau hältst, wenn etwas nicht stimmt und es ihm nicht gut geht. Und wenn etwas nicht stimmt, zählt manchmal jede Sekunde!

Einem Hund werden die Krallen geschnitten
Achte noch sorgsamer auf deinen Kumpel!

Nicht nur für Senioren: Symptome, die in jedem Alter deine sofortige Aufmerksamkeit benötigen

Hier findest du einige (!) zusammengetragene Warnsignale/Gesundheitsprobleme, nach denen du schauen solltest:

  • Verhalten: Energielosigkeit, „exzessive“ Schläfrigkeit, Depressionen, Rückzug, Mangel an Interesse, Winseln, Hecheln, Missmut, Beißen, Aggressionen, Verwirrtheit/Orientierungslosigkeit, im Kreis laufen
  • Generell: aufgeblähter Bauch, Muskelschwund, plötzliche Gewichtsabnahme oder -zunahme, Abmagerung, Übergewicht, Dehydratisierung (wenn die Haut nicht mehr zurück springt, wenn sie zusammengezwickt wird), ein Zusammenkrümmen, hängender Kopf, erhöhte Wasseraufnahme, häufiger oder verminderter Harnabsatz, erkennbar verdünnter oder konzentrierter Urin
  • Fell: sprödes Fell, Öligkeit, Rauheit, schlechter Geruch, exzessives Haaren, Hautschuppen, Glanzlosigkeit, Haarverlust, „Flecken“
  • Haut: Rötung, Rauheit, Triefen, Verletzungen, Entzündungen (sehr warme Areale), Schorf, Parasiten (Flöhe, Zecken usw.), Juckreiz
  • Skelett: Steifheit, Probleme damit, aufzustehen oder zu laufen; Unfähigkeit, sich zu putzen; Humpeln, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Orientierungsmangel, unnormale Ausrichtung oder Position der Glieder, unnormaler Verschleiß der Krallen
  • Augen: Zusammenkneifen, Trübheit, Verschwommenheit, Wässrigkeit, Trockenheit, Juckreiz, Ausfluss, Schwellung, Verfärbung, Rötung, das dritte Augenlid (Nickhaut) ist dauerhaft zu sehen, schlechte Sehkraft
  • Ohren: Kopfschütteln, Kopfneigen(Kopfschiefhaltung, Juckreiz, unangenehmer Geruch, Rötung, Krusten, Ausfluss, Bluterguss, Hörverlust
  • Nase: Ausfluss, Schorf, Risse, Krusten, Verstopfung, laute Atemgeräusche (auch siehe weiter unten)
  • Maul: schlechter Geruch, Belag auf den Zähnen, Rötung des Zahnfleischs, schwindendes Zahnfleisch, farbloses Zahnfleisch, kaputte Zähne, lose Zähne, exzessive Speichelbildung/Sabbern, Probleme mit dem Kauen/Schlucken
  • Atmung: Keuchen, gezwungene Atmung, unregelmäßiges Atmen, flache Atmung, rasante Atmung, Husten, Würgen, Rückwärtsniesen, Stauung, Atmen mit geöffnetem Mund
  • Verdauung: Appetitverlust, Durchfall, loser Stuhlgang, blutiger Stuhlgang, schwarzer Stuhlgang, Verstopfung, Übergeben
  • Anus/Genitalien: Rötung, Ausfluss, Schwellung, ungewöhnlicher Geruch, exzessives Lecken, Kauen, Wetzen
  • Pfoten: überwucherte oder eingewachsene Nägel, gespaltene Nägel, Leckdermatitis, Pfotenabnutzung

Viele dieser Symptome sind oft (noch) gut behandelbar. Gehe also möglichst schnell zu einem Tierarzt deines Vertrauens, damit es zumindest Linderung gibt und die Lebensqualität deines Vierbeiners erhalten bleibt.

Einige Do’s und Dont’s der Pflege eines Hunde-Senioren

  • Do: erhöhte Essen- und Trinkschüsseln
  • Do: gehe und spiele mit deinem Tier und trainiere ihn/sie – (angemessene) Bewegung und Aktivitäten sind gut für den Körper
  • Do: stelle sicher, dass dein Hund häufiger „Gassi gehen“ kann
  • Do: hilf Tieren, im Winter warm zu bleiben (Jacken, Sweater, erhitzbare Kissen) und im Sommer kalt zu bleiben (Plantschbecken, Ventilatoren, Klimaanlage)
  • Do: stelle innen rutschfeste Böden bereit
  • Do: stelle einen weichen gemütlichen Ruheort bereit – Linderung für alternde schmerzende Gelenke
  • Do: gib deinem Tier einen sicheren, ruhigen und friedvollen Ort zum Rückzug – tolereire, wenn er/sie mehr Ruge benötigt als zuvor
  • Do: überlege dir, eine permanente Rampe/Treppe für Hunde und eine zusammenklappbare in deinem Auto zur Verfügung zu stellen
  • Do: lasse sein/ihr Blut einmal im Jahr checken, auch wenn du denkst, dass alles okay ist
  • Don’t: lasse dein Tier nicht aus dem Auto, von der Couch oder vom Bett springen
  • Don’t: nimm nicht an, dass gesundheitliche Probleme nur ein unvermeidbarer Nebeneffekt des hohen Alters sind – suche dir eine professionelle Beratung von einem Tierarzt deines Vertrauens
  • Don’t: schicke dein Tier nicht durch schmerzhafte Operationen oder andere Prozeduren, die geringe Chancen auf ein verlängertes Leben haben, die mit einer langen oder schwierigen Rehabilitation Hand in Hand gehen und keine Verbesserung der Lebensqualität mit sich bringen

Sei dir im Klaren darüber, dass irgendwann „die Zeit gekommen ist“

Einige Zustände sind nicht heilbar und verursachen erhebliche Leiden und das Fehlen jeglicher Lebensqualität. Wenn du dir ziemlich sicher bist, dass dein Tier jeden Tag (z.B. unter Schmerzen leidet) und/oder unter einer unheilbaren Krankheit, verlängere nicht die Qual, nur weil dir die Entscheidung, deinen tierischen Mitbewohner einzuschläfern, schwer fällt.

Setze den Schmerz deines Tieres an erste Stelle, nicht deinen eigenen Kummer.

Unsere Tiere verdienen einen würdevollen, friedvollen Tod – BEVOR das tägliche Leben zur unerträglichen Last wird.

Wenn du dir unsicher bist, sprich mit jemandem, dessen Beurteilung du vertraust. Hole dir eine zweite und wenn du sie brauchst auch eine dritte Meinung ein, aber wenn dein Bauchgefühl dir sagt, dass dein Tier leidet, warte nicht ab.

Besprich deine Entscheidung mit deinem Tierarzt, der deinen Hund gut kennt. Er wird dir gerne bei der sehr schweren Entscheidung helfen, die am Ende des Lebens deines vierbeinigen Freundes ansteht. Am angenehmsten für deinen Liebling ist die eine Einschläferung zu Hause.

Wir wünschen euch alles Gute!

 

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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