Haustiere

Rassenwahn verursacht Leid

Reinrassige Tiere mit einwandfreiem Stammbaum sind eine noble Sache – sofern man ein Züchter oder Tierarzt ist. Aus der Sicht der Tiere jedoch sieht das mit dem menschlichen Rassenwahn ganz anders aus. Denn bestimmte Rassemerkmale, die nichts anderes als Genmutationen sind, erreicht man nur durch Inzucht über Generationen hinweg. Das ist von Natur aus nicht gewollt und führt oft zu ernsten Krankheiten und großem Leid.

Als Tiermedizinische Fachangestellte habe ich schon viele solche Fälle gesehen, denn dieselben Rasseprobleme kehren immer wieder – wie auch die betroffenen Tiere selbst. Da war eine ältere Deutsche Schäferhündin, die aufgrund ihrer Hüftfehlstellung schon seit jungen Jahren unter starken Schmerzen litt und seit die Arthrose dazukam, täglich Schmerzmittel nehmen musste.

Ein Mops, kaum ein Jahr alt, wurde etwa alle zwei Wochen in der Praxis vorstellig: Mal waren die stets tränenden Augen entzündet, dann infizierten sich die stark ausgeprägten Gesichtsfalten, und so weiter. An heißen Sommertagen erlitt das arme Tier regelmäßig einen Kollaps, weil er schlichtweg zu wenig Luft bekam. Damit der arme Kerl beim Schlafen keine Erstickungsanfälle mehr bekam, wurde ihm das Gaumensegel operativ gekürzt. Dass er daraufhin einige Tage wegen der schmerzenden Wunde nur Schonkost zu sich nehmen konnte, tat seiner Mops-typischen Figur zwar gut, war jedoch nicht schön für den kleinen Gourmet.

Ganz besonders nahe ging mir der Fall einer erst 4-jährigen, sehr lieben Boxerhündin, deren Wirbelsäule bereits so extrem verknöchert war, dass man das arme Tier nur noch erlösen konnte. Das war der Extremfall einer Erkrankung, die bei großen Rassen sehr häufig vorkommt, jedoch meist erst mit steigendem Alter.

Die Liste ließe sich endlos fortführen – auch auf Seite der Rassekatzen.

Tiere für ein bestimmtes „ästhetisches“ Merkmal derart leiden zu lassen ist grausam. Und auch die Zustände in den Zuchten sind oft katastrophal. Schon deshalb kann ich generell nur abraten, Tiere bei Züchtern zu erwerben, egal ob privat oder gewerblich. Denn wo immer mit Tieren Geld verdient wird, geht das auf deren Kosten.

Doch am Wichtigsten finde ich, ist die Tatsache, dass es bereits genügend Tiere gibt, die in Tierheimen oder schlimmstenfalls auf der Straße ihr Dasein fristen. Abgeschoben, weil die Tierhalter überfordert waren, sich die Pflege nicht mehr leisten konnten oder einfach das Interesse verloren haben. Unfähig, sich alleine zu versorgen, leben diese Tiere unverschuldet am Rand einer Gesellschaft, die sie selbst erschaffen hat. Ich finde, wir sind es diesen heimatlosen Tieren schuldig, erst ihnen allen ein Zuhause zu geben, bevor man neue Tiere nachzüchtet – die dann wie die drei Hunde aus meinen Beispielen, gesundheitlich nicht einmal in der Lage sind, jemals ausgelassen zu toben.

Daher mein Appell an Euch: wenn Ihr einem tierischen Begleiter Euer Herz schenken wollt, geht nicht zum Züchter. Viel wichtiger als das Aussehen ist doch, ob Euer neuer Freund charakterlich zu Euch passt. Oder wie wählt Ihr Eure menschlichen Freunde aus? Ein Tierheim bietet Euch die Möglichkeit bei einigen Besuchen und gemeinsamen Spaziergängen Freundschaft zu schließen – oder eben festzustellen, dass es doch nicht so gut passt. Und habt Ihr Euren besten Freund gefunden, lasst ihn kastrieren. Denn jedes noch so süße Tierbaby nimmt einem bereits geborenen Tier die Chance auf ein liebevolles Zuhause.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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