Haustiere

PETAs Tierheim: Die Arbeit von PETA USA verstehen

Immer wieder werden wir gefragt, was es mit dem Thema „PETA tötet Tiere“ auf sich hat. Auf unserer Webseite haben wir deshalb schon seit langer Zeit ausführliche Informationen zusammen gestellt. Wem die Hintergrundinfos von unserer Webseite aber nicht genug sind, dem empfehlen wir die Lektüre dieses Artikels von Mary Tully, der am 9. September in der renommierten amerikanischen Zeitschrift Examiner veröffentlicht wurde – hier eine Übersetzung des englischen Textes:

„Die Arbeit von PETAs “Tierheim” verstehen“ von Mary Tully, Tierrechts-Inspektorin

Am 31. Dezember 2013 und spätestens um Mitternacht am 31. Januars 2014 müssen die Tierheime in Virginia auf staatliche Anordnung dem Virginia Department of Agriculture and Consumer Services (VDACS) ihre Abschlüsse für das Geschäftsjahr 2013 und die zusammenfassende Zählung der von ihnen aufgenommenen Tiere, die „Animal Reporting Summaries“ (Tier-Reporte), vorlegen.

Jedes Tier, das in die Obhut einer Tierauffangstation genommen wird, wird Teil der staatlichen Zählungen; jedes private und städtische Tierheim innerhalb des Staates ist dazu angewiesen, die Herkunft und Art der Tiere, die es während des Jahres aufgenommen hat, aufzuzeigen. So hat das VDACS zu Anfang des Jahres einen guten Überblick darüber, wie viele Tiere in den Tierheimen von Virginia im vorherigen Jahr aufgenommen wurden, wie viele zu ihren Haltern zurückvermittelt, in andere Einrichtungen übergeben, in ein permanentes neues Zuhause vermittelt oder euthanasiert wurden; und wie viele übrig gebliebene Tiere ihrem Schicksal im neuen Jahr entgegen sehen.

Und von den etwa 212.000 Tieren, die auf der Homepage des VDACS verewigt werden, werden keine einer genaueren Prüfung unterzogen als die etwa 2.000 Tiere, die jedes Jahr im kleinen, spezialisierten Tierheim im Hauptquartier von People for the Ethical Treatment of Animals in Norfolk aufgenommen werden.

Die Diskussionen darum sind nicht zufällig entstanden: Seit 2005 erscheint in jedem Frühjahr – und das noch bevor noch bevor die elektronische Tinte, mit der die Zahlen der Tier-Reporte auf die Homepage des VDACS geschrieben wurden, trocken ist, erscheinen reißerische Überschriften wie „PETA will  Horror-Tierheim nicht schließen, PETA tötet 89,4% aller vermittelbaren Hunde und Katzen in seiner Obhut“. So soll die öffentliche Meinung in ihrem Denken über das, was die Tierrechtsorganisation wohl in ihrem Tierheim treibt, beeinflusst werden.

PETAs Tierheim-Praktiken in die Diskussion zu bringen, ist buchstäblich ein Geschäft geworden – einer der davon profitiert ist Richard Berman, der über eine drei Millionen Dollar Villa und alle Ausstattungen eines verschwenderischen Lebensstils verfügt. Die „PETA Kills Animals“ („PETA tötet Tiere“) Kampagne ist ein Betriebszweig des Centers for Consumer Freedom, eine industrielle Lobbyisten-Gruppe, deren Ziel der „Schutz der Verbraucherrechte“ ist und die für die finanziellen Interessen der Tabak-, Nahrungs- und Getränkeindustrie arbeiten.

Im Mai 2005 veröffentlichte das Center for Consumer Freedom die Homepage “petakillsanimals.com”, um PETAs Einfluss auf die Gesellschaft zu schwächen. Eine sorgfältig ausgearbeitete Zusammenfassung von PETAs VDACS Tier-Report und eine Aufstellung von bewusst hervorgehobenen, roten, unbehaglichen Grafiken, die aufzeigen, dass die Tierrechtsorganisation 87.2% der Tiere, die 2004 in ihr Tierheim gekommen sind, „getötet“ hat. In diesem Jahr  veröffentlichte das Center for Consumer Freedom folgende Ausführungen auf ihrer Anti-PETA Homepage:

Im vierzehnten Jahr in Folge haben die Leiter von PETA wieder mal gezeigt, dass ihnen die unglücklichen Hunde und Katzen, die in ihrem Tierheim nach Hilfe suchen, egal sind“, so J. Justin Wilson, CCF Senior Research Analyst. „Die Tierrechtsorganisation widerspricht sich selbst – auf der einen Seite predigt sie ihre Tierbefreiungs-Agenda und auf der anderen Seite unterschreibt sie das Todesurteil von 89 Prozent der sich in ihrer Obhut befindenden Tiere. Das ist mehr als heuchlerisch.“

Interessant ist, dass auch wenn das Center for Consumer Freedom Argumente gegen PETA aufbringt und versucht, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die in PETAs Tierheim euthanasierten Tiere gesund, vermittelbar und „unglücklich“ sind, es keinerlei Anhaltspunkte seitens des Staats dafür gibt, dass auch nur eines davon zutrifft oder dass PETA nicht im Sinne der Tiere handelt.

2013-04-08-Euthanasierung-7-c-PETA-D-250px
Big Girl war noch am Leben, als PETA USA-Mitarbeiter sie fanden. © PETA USA

„Das ist richtig”, erklärt der Veterinär des Staates Virginia, Dr. Dan Kovich, während eines zuvor geführten Interviews, als ich bemerkte, dass überhaupt keine Daten über die Vermittelbarkeit der Tiere, die in einem privaten oder städtischen Tierheim euthanasiert werden, im VDACS Tier-Report erscheinen. „Es gibt nur drei methodische Einteilungen, die der Staat aufzeichnet: Adoption, Abgabe und Euthanasie – was nach dem Gesetz gleichberechtigt ist. Also gibt es keine Aufzeichnungen darüber, ob die Tiere, die in Tierheimen euthanasiert werden, vermittelbar sind oder nicht“, ergänzt Dr. Kovich.

Als ich Dr. Kovich fragte, was seiner Meinung nach PETAs Tierheim speziell macht, erklärt er mir, dass – so viel er weiß – alle Tierheime in Virginia speziell und einzigartig sind, da jedes Tierheim eigenen Schwierigkeiten gegenübersteht und diesen auf die ganz eigene Art und Weise begegnet. Laut Daphna Nachminovitch, Senior Vize Präsidentin des PETA Cruelty Investigations Departments, ist PETAs Tierheim eine Ergänzung der Arbeit des Community Animal Projects (CAP). Und auch wenn PETAs Tierheim die gleichen Aufgaben wie gewöhnliche Tierheime ausübt, ist es kein gewöhnliches Tierheim. Sie beschreibt, was PETAs spezialisierte Einrichtung von gewöhnlichen Tierheimen unterscheidet:

Viele Dinge machen unser Tierheim einzigartig: Darunter unsere großartigen Gästezimmer für Tiere mit Sofas und Ausblick, unsere strengen Adoptions-Richtlinien (wir machen Hausbesuche und kontrollieren Tierarztrechnungen) und unser großer Einsatzbereich, wegen dem wir uns auf Tiere in ärmlichen Gegenden, die draußen angekettet wurden, die bei jedem Wetter im Freien gehalten werden, die nie stubenrein wurden, die ungeliebt und ungewollt sind und auf die, um die sich sonst niemand kümmert, konzentrieren können. Vor allem schrecken wir nicht davor zurück, Tiere aufzunehmen, die von anderen Tierheimen nicht angenommen wurden, weil sie nicht vermittelbar sind und ihre Euthanasie-Zahlen in die Höhe treiben würden“, so Daphna Nachminovitch.

Und tatsächlich ist PETAs Tierheim einzigartig. Das Hauptziel von PETAs kleiner Einrichtung für Tiere in Norfolk ist, sich um die individuellen Bedürfnisse der Tiere, die PETAs Hilfe benötigen, zu kümmern und nicht, neue Familien für vermittelbare Tiere zu finden. Die meisten Tiere, die in PETAs Einrichtung kommen, müssen euthanasiert werden, weil sie sehr krank – physisch wie psychisch – oder verletzt sind. Doch das heißt nicht, dass die individuellen Bedürfnisse der relativ wenigen vermittelbaren Tiere, die zu PETA kommen, nicht berücksichtigt und entsprechend behandelt werden. PETA hat Adoptions-Protokolle vor Ort, auch wenn es kein gewöhnliches Tierheim ist. Vermittelbare Tiere, die nicht sofort durch PETA in eine Familie oder auf eine Pflegestelle vermittelt werden können, werden ins Virginia Beach SPCA oder andere Tierheime in der Region mit hoher Vermittlungsrate gebracht.

Dennoch erhält ihre Euthanasie-Praktik eine Menge Aufmerksamkeit. „Humane, tierärztlich durchgeführte Euthanasie ist nur ein Teil des Services, den PETA für die Tiere in den Gemeinden anbietet“, argumentiert Frau Nachminovitch während unseres kürzlich durchgeführten Interviews. Durch das PETA Community Animal Project können sie gefährdete Tiere in verarmten Regionen identifizieren und die Tiere wie auch ihre Halter dazu bringen, eine Beziehung zu den Tieren aufzubauen, die deren Leben auf lange Sicht verbessert. Wurde ein gefährdetes Tier durch das PETA CAP Team aufgespürt, “arbeitet PETA mit dem Tier und seinem Halter so lange wie nötig, um sicherzugehen, dass das Tier die bestmögliche Lebensqualität erhält. Manchmal dauert solch eine Beziehung über mehrere Jahre“, erklärt Nachminovitch.

Laut Frau Nachminovitch ist eine der Hauptaufgaben von PETAs gemeinnütziger Arbeit der vergünstigte Kastrations- und Sterilisations-Service durch drei mobile medizinische Kliniken für die Öffentlichkeit. Der Kastrations- und Sterilisations-Service – der für bestimmte Kunden auch den Transport zur Klinik und zurück beinhaltet – wird für CAP Tiere kostenlos angeboten. Doch es wird niemand weggeschickt, weil er die geringen Klinikgebühren nicht bezahlen kann, erklärt sie. Statistisch gesehen geben Tierhalter Tiere, die nicht kastriert wurden häufiger in Tierheime als Tiere, die sterilisiert oder kastriert wurden. PETA hat bisher 96.000 Tiere kostenlos oder für eine geringe Gebühr in Kliniken kastrieren und sterilisieren lassen.

2013-04-08-Euthanasierung-5-c-PETA-D-250px
Diamond litt an einem schmerzhaften Gesichtstumor, der langsam sein ganzes Gesicht auffraß. © PETA USA

PETA beschäftigt eine Vollzeit-Tierärztin, die mit Hilfe weiterer Mitarbeiter den Kastrations-und Sterilisations-Service für die Bürger in den mobilen Kliniken anbietet. Diese Veterinärin überwacht normalerweise die medizinische Versorgung durch das PETA Community Animal Project, einschließlich der Untersuchungen und Behandlungen der Tiere, die wegen anderer medizinischer Probleme zu PETA kommen.

Manche Tiere, die durch die mobilen Kastrations- und Sterilisations-Kliniken des PETA Community Animal Project zu PETA kommen, werden auch anderweitig kostenlos oder zu einem geringen Preis operiert, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Vor kurzem wurde einem CAP Tier, das von einem Auto angefahren wurde, ein Bein in einer von PETAs mobilen Kliniken amputiert. Der Halter des schwarzen Pitbulls konnte sich die 1.000 Dollar, die ein lokaler Tierarzt für die Operation berechnen würde, nicht leisten und bat PETA um Hilfe.

„Das Bein hing lose herunter und hatte Brandflecken. Die Hündin benötigte umgehend Hilfe“, sagt Frau Nachminovitch. „Ich verschob neun Kastrations- und Sterilisations-Termine an dem Tag – was ich natürlich nicht gerne tat – aber wir konnten dieses Tier auf keinen Fall leiden lassen. Sie hatte ein gutes Zuhause und die einzige Alternative wäre Euthanasie gewesen.“

Der Tierhalter konnte 100 Dollar zu der Behandlung beisteuern.

PETAs mobile Kliniken sind für viele medizinische Zwecke ausgestattet, aber weil PETA keine gewöhnliche Tierklinik ist, arbeitet PETA eng mit verschiedenen, unabhängigen Tierärzten zusammen, die den Service und Behandlungen, die PETAs Kliniken nicht leisten können, anbieten. Ein unabhängiger Veterinär überwacht den Euthanasie-Service, der an PETAs Tierheim in Norfolk durchgeführt wird.

Auf meine Nachfrage an Frau Nachminovitch, ob es alltägliche Praxis von PETA ist, stets für die tierärztlichen Ausgaben der Bürger aufzukommen, antwortet sie: „PETA bezahlt keine hohen Tierarztrechnungen, auch wenn wir oft mit Tierhaltern zu tun haben, die auf geringe finanzielle Hilfe angewiesen sind und die den Tieren ansonsten ein gutes Zuhause bieten.“ Nachminovitch  sagt außerdem, dass, so gerne PETA jeden, der finanzielle Hilfe für die Tiere in seiner Obhut benötigt, unterstützen würde, trügen die gesetzliche Verantwortung für die medizinische Versorgung ihrer Tiere doch die Tierhalter und nicht PETA.

Und Frau Nachminovitch hat Recht. Laut Gesetz des Staates Virginia ist die Nicht-Versorgung seines Tieres ein „Klasse 4“-Vergehen. Ein zweiter Verstoß gilt als „Klasse 2“-Vergehen und kann mit bis zu sechs Monaten Gefängnis und einer Geldbuße von bis zu 1.000 Dollar bestraft werden. Doch während Tierhalter laut Gesetz für die Gesundheit ihrer Tiere die Verantwortung tragen müssen, so Dr. Kovich, Staatlicher Veterinär, sind Tierheime nicht dazu aufgefordert, Euthanasie anzubieten, wenn die Tierhalter dies verlangen. Und so machen dies nur sehr wenige Tierheime im Gebiet von Hampton Roads.

„Es ist ein Problem”, erklärt Sharon Q. Adam, SPCA Direktorin von Virginia Beach. „Die Einwohner von Hampton Roads finanzieren die städtischen Tierheime durch Steuerabgaben. Manchmal zahlen sie zehn oder mehr Jahre ins System ein, beanspruchen aber keinerlei Service eines Tierheims. Und wenn sie dann mal Hilfe für ihr leidendes Tier benötigen, lassen die städtischen Tierheime sie im Stich.“

Trotz Druck auf Virginias Tierheime, ihre Euthanasie-Raten zu reduzieren, ist das Virginia Beach SPCA Tierheim eines von wenigen, das immer noch günstige, von den Tierhaltern gewünschte Euthanasie als Service für die Hampton Roads Gemeinde anbietet.

Auch wenn einige Tierärzte immer noch von Tierhaltern gewünschte Euthanasie anbieten, sind die Kosten dafür für viele Hampton Roads Einwohner unbezahlbar. Der durchschnittliche Preis einer durch einen Tierarzt durchgeführten Euthanasie beträgt etwa 50 Dollar pro Kilogramm Körpergewicht des Tieres. Darin sind die Kosten für die Einäscherung noch nicht enthalten. Bezahlbarer tierärztlicher Service in Virginia fängt bei 295 Dollar an. Allein für die Prozedur selbst. Hinzu kommen Kosten von 132 Dollar für die Einäscherung.

Dr. Kovich kennt die Diskrepanz. „Es gibt viele Gemeinden, die an Tierärzten unterversorgt sind oder gar keine Tierärzte haben“, erklärt Dr. Kovich während unseres Interviews. „Tierheime, die von den Tierhaltern nachgefragte Euthanasie anbieten, bieten einen wertvollen Service für die Gemeinde.“

Als Service für die Gemeinde bietet PETA kostenlose von Tierhaltern nachgefragte Euthanasie und Einäscherung an. Dies könnte erklären, warum der kleine Euthanasie-Raum im Hauptquartier in Norfolk so gut besucht wird. PETA-Mitarbeiter sind stets telefonisch erreichbar und können bei Notfällen umgehend reagieren. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Nachts, an Wochenenden und in den Ferien. PETAs Service kann durch einen Anruf in PETAs Hauptquartier in Norfolk und der Befolgung der benutzerfreundlichen Anleitung in Anspruch genommen werden.

Tausende von Tieren, denen PETA in den Gemeinden hilft, sind nicht in den VDACS „Animal Reporting Summaries“ von PETA aufgeführt, da PETA keine amtliche Verwahrung von Tieren übernimmt.

Weitere Infos findet Ihr auf www.PETA.de/PETAtötetTiere und Das Tierheim von PETA USA.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen