Haustiere

PETA tötet Tiere – und wer wirklich dahinter steckt

Mit absehbarer Regelmäßigkeit rauscht ein unglaublicher Skandal durch den Blätterwald: PETA tötet Tiere! Die Zeitungen überschlagen sich vor Empörung, das Internet ist voll von entrüsteten Kommentaren, Tierfreunde wenden sich erschrocken von PETA ab. Und man fragt sich: Was ist da los?

Stop. Nein. Wenn man genauer hinsieht, dann merkt man, dass sich eben gar nicht so viele fragen, was da los ist. Die Meldung steht für sich, die Beweise scheinen eindeutig und informiert PETA USA nicht sogar ganz offen über die Tötungen?

Über 90% der in der PETA-Zentrale USA abgegebenen Tiere werden eingeschläfert. 1.675 Tiere waren es im Jahr 2012. Das kann, das darf eine Gesellschaft nicht hinnehmen, der Tiere so sehr am Herz liegen. Und dazu sind es auch noch arme Hunde und Katzen, die da sterben müssen. Abgegeben von verantwortungsvollen, besorgten Menschen, die genug haben von ihrem Haustier oder deren Töchter gemerkt haben, dass so ein überzüchtetes Paris-Hilton-Chihuahua eben doch ab und an mal stinkende Häufchen macht.

Wenn es um tote Tiere geht, dann kochen die Emotionen hoch. Abstand wahren wäre jetzt angebracht, um die Meldungen sachlich zu hinterfragen. Aber wenn man dann auf dailymail „herzbrechende Bilder“ von Müllsäcken betrachtet, in denen von PETA getötete Tiere entsorgt werden, dann spürt man unwillkürlich Zorn in sich aufsteigen.

Was ist PETA?

Meine Freundin Lea hat viele Jahre in Indien verbracht und dort eine Ausbildung zur Yogalehrerin absolviert. Sie erzählte mir, dass ihr Lehrer ein Jain war. Jains leben die Gewaltlosigkeit gegenüber allen beseelten Existenzformen. Kartoffeln essen sie nicht, weil diese als lebendig gelten. Alles, was aus sich heraus wachsen kann, gilt als lebendig. Natürlich essen sie auch keinerlei Tier. Man sagt, daß Jainmönche den Weg vor sich fegen, damit sie nicht unabsichtlich auf ein Tierchen treten.

Beeindruckend. Doch was Lea verwunderte war, daß Jains offenbar kein Problem damit haben, Milch zu trinken. Joghurt, Käse – ein ständiger Konflikt mit ihrem Lehrer, der nicht wahrhaben wollte, welche Leiden Kühe auch in Indien für die menschliche Milchlust über sich ergehen lassen müssen.

Ein paar Wochen, nachdem Lea wieder in Deutschland war, bekam sie eine Email aus Indien. Ihr Lehrer bedankte sich für einen Link, den sie ihm vorher geschickt hatte und der dem Jain die Augen öffnete. Der Link offenbarte die schlimmen Zustände in indischen Milchfabriken und entsprang der Arbeit des indischen Ablegers von PETA.

PETA will die Menschen erreichen. Sie will aufdecken, entlarven, informieren. Sie will wachrütteln. Dabei agieren die nationalen Abteilungen unabhängig voneinander. Tiere werden nur in der Hauptzentrale der USA eingeschläfert. Weil die Haustier-Situation aufgrund fehlender Kastrationen in den USA ausufert. Millionen Haustiere müssen dort von Tierheimen getötet werden, weil kein Platz mehr zur Verfügung steht. In den USA ist es üblich, daß Haustiere unterm Weihnachtsbaum liegen und bei Nichtgefallen wieder entsorgt werden.

PETA ist kein Tierheim im traditionellen Sinne. Dennoch werden Tiere nicht abgewiesen. Glaubt denn jemand im Ernst, dass Tiere angenommen werden um des Tötens Willen?

Köln, irgendwann an einem kalten Herbsttag. Auf der Domplatte ist eine Dusche aufgebaut. Das Wasser läuft in einem Kreislauf ununterbrochen und versinnbildlicht das geflügelte Wort, dass Veganer den ganzen Tag duschen könnten und dennoch weniger Wasser verbrauchen als ein fleischessender Mitbürger. Junge PETA-AktivistInnen in Bikini und Badehose wechseln sich gegenseitig ab, ein paar Minuten unter dem kalten Wasserstrahl zu stehen. Auch Lea ist mit dabei. Gemütlich ist es nicht, es ist sogar eiskalt. Man könnte das alles auch Test für die Standhaftigkeit eines veganen Immunsystem nennen.

„Reinige dein Gewissen, werde Vegetarier.“ lautet der Spruch auf einem aufgestellten Transparent. Passanten werden mit Flugblättern über den immensen Wasserverbrauch von Fleisch informiert.

Man kann den Aktionen von PETA ablehnend gegenüber stehen. Man kann sie seltsam finden. Man kann sich auch darüber echauffieren, dass PETA mit Promis zusammenarbeitet. PETA geht seine eigenen Wege, Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Zustände der Tierhaltung und deren ökologische Folgen zu lenken. Der Vorwurf, Tierrechte für populistische Kampagnen zu missbrauchen wird immer in der Luft hängen, solange PETA öffentlichkeitswirksam arbeitet und viele Menschen erreicht. Wenn man PETA aber pauschal Verlogenheit unterstellt, dann begeht man einen großen Fehler.

Das “Center for Consumer Freedom” ist eine unabhängige Organisation in den USA, die die Vorwürfe gegen PETA besonders vorantreibt. Sie betreibt eine eigene Internetseite namens www.petakillsanimals.com. Wir sind am Ursprung der Anti-PETA-Kampagnen angelangt. Aufrechte Bürger engagieren sich hier gegen die Irreführung von Verbrauchern. Und da gibt es immens viel zu tun. „Aufrechte“ Bürger?

Als ich bei Wikipedia weiterlese, wird mir anders zumute: Das CCF verbreitet die Meinung, dass Lebensmittel großer Nahrungshersteller sehr gesund seien. Pestizide stellen nach CCF-Meinung keine Gefahr dar. Die Aktivitäten von einigen Organisationen, das zunehmende Übergewicht in der Gesellschaft und das damit verbundene Gesundheitsrisiko durch bessere Ernährung zu senken, seien unpatriotisch und gegen die Freiheit gerichtet.

Wer macht so etwas? Ich lese, daß durch das CCF im Jahr 2005 allein für das Betreiben der Websites 850.000 $ ausgegeben wurden. Wer macht so was? Wer steckt so viel Geld in solch wahnwitzige Kampagnen?

Dann lese ich über die Finanziers des CCF und es liest sich wie das „Who is Who“ der großen Konzerne, deren Produkte die Welt ruinieren: Phillip Morris, Kentucky Fried Chicken, der Fleisch-Gigant Standard Meat Company, Coca Cola, Wendy´s, Tyson Foods, Anheuser Bush …

Große Nahrungsindustriekonzerne stemmen sich da gegen PETA, verbreiten „herzzerbrechende Fotos“ und haben Erfolg bei den Menschen, die nicht ahnen, wem sie da auf den Leim gehen. Weltweit machen PETA die Vorwürfe inzwischen zu schaffen.

PETA ist nicht das einzige Opfer der CCF. Es werden alle attackiert, die der Raubbauindustrie im Weg stehen: Umweltschützer, unabhängige Wissenschaftler, Gewerkschafter. Als Mütter sich gegen Autofahren unter Alkoholeinfluss stark machten, schritt auch dort die CCF ein. Es wäre nichts als Panikmache auf Kosten der Alkoholindustrie. Viel Geld lässt sich mit der Beeinflussung der menschlichen Nutztiere verdienen, denn die wiederum geben viel Geld für die Waren aus, als deren Anwalt sich die CCF versteht. Tierprodukte stehen in der Priorität ganz oben …

1.675 Tiere sind in der Zentrale von PETA-USA eingeschläfert worden. Unter den Kommentaren der Sensationsmeldungen auf den Internetseiten deutscher Nachrichtenseiten lese ich wenige Stimmen, die sich fragen, warum. Die wahren Gründe sind wohl nicht spektakulär genug. Die meisten sind schockiert, viele wollen PETA nun ihre Unterstützung entziehen.

Es ist einfach, sich über die Hintergründe der Vorwürfe zu informieren. Es ist einfach, sich mit verschiedenen Sichtweisen auseinander zu setzen. Wer die Vorwürfe gegen PETA unterstützt, der sollte genau dies tun, wenn er nicht Gefahr laufen will, sich zum Handlanger einer Organisation zu machen, deren Skrupellosigkeit kaum mehr in Worte zu fassen ist.

Mein Bild von PETA hing ebenfalls schief. Auch bei mir war etwas hängen geblieben. Das lag aber daran, daß ich vieles nur am Rande mitbekommen habe.

Bei den Recherchen zu diesem Artikel aber bin ich erschrocken. Erschrocken darüber, wie viel Energie einige Menschen dafür aufwenden, um gegen Stimmen der Vernunft zu kämpfen, wenn diese ihren Geschäften entgegen stehen. Ein ganzes Volk wird auf der anderen Seite des Atlantiks …..

Diesen Gedanken setze ich nicht fort. Sehen wir lieber auf uns. Sehen wir lieber darauf, dass der Großteil der Bevölkerung in unserem Land noch immer kein Problem damit zu haben scheint, dass allein bei uns in jeder einzelnen Minute soviele Tiere für uns sterben müssen, wie PETA-USA in einem Jahr einschläfert.

Herbst 2013. C&A und H&M stoppen die Produktion von Kleidung aus Angorawolle, weitere Textilketten folgen. Ergebnis einer erschütternden PETA-Recherche über das „Abernten“ des Fells von Angorakaninchen.

PETA hat Erfolg. Die Recherchen erreichen eine breite Öffentlichkeit. Ohne PETA wäre die Diskussion über Tierrechte um Jahre zurück. PETA hat einen großen Anteil daran, dass „vegan“ in der Öffentlichkeit immer positiver wahrgenommen wird.

Mai 2013. 20.000 Menschen beteiligen sich an einer PETA-Petition gegen die staatliche Finanzierung des Pelz-Pavillons auf der jährlich stattfindenden Pelzmesse in Hong-Kong. Das Bundeswirtschaftministerium unter Phillip Rösler lenkt ein. Die Finanzierung wird eingestellt.

PETA setzt sich für das Aufwachen ein. Es ist ein Agieren gegen eine mächtige Industrie, die sich mit allen Mitteln gegen das Aufwachen stemmt. Die Konsumenten ihrer Produkte sollen sich der unfassbaren Dimensionen der weltweiten Tierqualen und ökologischen Probleme nicht bewusst werden. Ein Handel mit kostspieligen Lügen.

PETA entlarvt diese Lügen. Es ist die Arbeit einer TierRECHTSorganisation. Wollte man ein Tierheim sein, müsste man die Mittel bei der Aufklärungsarbeit kürzen. Im Angesicht der CCF nimmt sich PETAs Etat verschwindend aus.

Man kann über die Aktionen von PETA diskutieren. Man kann fordern: nehmt keine Tiere mehr an, wenn ihr danach gezwungen seid, sie zu töten. Das alles kann man machen.

Doch man sollte wissen, wer der wirkliche Gegner der Aufklärung ist.

Eine Anmerkung von PETA Deutschland: Wir haben uns für diesen Artikel für ein positives Foto entschieden, Bildmaterial von PETA USA ist online zu finden. Auch auf den Seiten Der karitative Einsatz von PETA USA und  PETA saves gibt es weiterführende Informationen.

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Dies ist ein Gastbeitrag von Marsili Cronberg. Seinen Blog findet Ihr unter www.marsili-cronberg.de

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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