Haustiere

Die Kunst, mit dem Tod zu leben ♥

Ein rührender Gastbeitrag von Carlyn Montes De Oca, übersetzt aus dem Englischen (ggr. Änderungen).

Eines Sonntagmorgens wachte ich auf und sah mich mit der Situation konfrontiert, die alle Tierfreunde fürchten: Dakota, meine 15-jährige schwarze Chow-Mischlingshündin, war auf einmal teilnahmslos und desorientiert. Im Auto fuhr die Angst auf dem Beifahrersitz bis zur Tierklinik mit. Eine erste Untersuchung zeigte, dass Dakota über 40 Grad Fieber hatte. Es waren jedoch weitere Labortests nötig, um herauszufinden, ob der Grund für ihren Zustand eine Infektion, Entzündung oder etwas Schlimmeres war. Bei einem älteren Hund – wie bei einem älteren Menschen auch – sind all diese Szenarien entscheidend.

Die nächsten zwei Tage…

…campierte ich vor ihrem Körbchen und fragte mich, ob diese Momente wohl unsere letzten sein würden. In der selben Klinik, vor der selben Box, hatte ich bereits drei Mitgliedern meiner Tierfamilie Lebewohl sagen müssen. In meinem neuen Buch ‚Dog as My Doctor, Cat as My Nurse‘ spreche ich darüber, wie Tiere zu unserem körperlichen, geistigen und emotionalen Wohlbefinden beitragen können. Doch von allen Dingen, die mich meine Tiere lehrten, war wohl der Umgang mit dem Tod die wichtigste Lehrstunde.

Eine magische Verbindung

Sicher wäre Dakota lieber zu Hause gewesen, als in der Klinik von Nadeln gepiekt, mit Thermometern bearbeitet und an einen Venenzugang angeschlossen zu werden. Trotzdem schien sie alles tapfer zu ertragen. Im Gegensatz zu mir: Ich fühlte, wie alte Wunden vom Verlust meiner Familienmitglieder, Freunde und verstorbener Tiere wieder aufrissen.

Tränen rannen mir aus den Augen bei dem Gedanken, dies könnten die letzten Stunden mit meiner geliebten Hündin sein.

Doch Dakotas Ruhe erinnerte mich daran, was ich bei meinem letzten Abschied von einem meiner Hunde gelernt hatte. Als Roxy starb, wurde mir bewusst, dass die beste Möglichkeit, die verschiedenen Stadien des Todes durchzumachen ist, die Momente des Lebens zu schätzen. All die kleinen, unwichtig erscheinenden Momente des Austauschs mit unseren tierischen Freunden – lustige Momente, Schmuseeinheiten und Zuneigung – machen die Magie aus, die so wichtig ist, um es anzunehmen, Gefallen am Leben zu finden und sich zu erinnern.“

Fünf Dinge, die sterbende Menschen bereuen

Die australische Krankenpflegerin Bronnie Ware schreibt in ihrem Buch, dass viele Menschen, die sie in den letzten Tagen ihres Lebens betreute, fünf Wünsche äußerten:

  1. Ich wünschte, ich wäre mutig genug gewesen, mir selbst treu zu bleiben.
  2. Ich wünschte, ich hätte nicht so hart gearbeitet.
  3. Ich wünschte, ich wäre mutig genug gewesen, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  4. Ich wünsche, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
  5. Ich wünschte, ich hätte mir selbst mehr Glück zugestanden.

Unsere tierischen Freunde kennen dieses Bereuen nicht. 

Und sie können auch uns dabei helfen, ähnliche Erfahrungen zu vermeiden, indem sie uns zeigen, was wirklich wichtig im Leben ist:

  1. Tiere sind authentisch und bleiben sich stets treu. Katzen denken nicht, sie seien Löwen und ein Dackel träumt nicht davon, ein Pudel zu sein.
  2. Arbeit ist nicht das Ein und Alles unserer Tiere. Gemeinsame Zeit zum Spielen schon viel eher. 🙂
  3. Sie verleihen ihrer Liebe, Zuneigung und Freude ungehalten Ausdruck.
  4. Sie gehen in der Freundschaft mit ihrem Menschen voll auf.
  5. Sie gestatten sich selbst, glücklich zu sein, selbst wenn sie unvorstellbare Traumata erlitten haben.

Plötzlich wurde mir klar, dass ich meine Zeit damit verbrachte, zu trauern. Auch Tiere haben die Fähigkeit dazu. Doch Dakota war noch am Leben und bei mir. So würde ich wertvolle gemeinsame Momente verschwenden, die mir niemals jemand zurückgeben könnte. Ich ließ die Erinnerungen an die Vergangenheit und meine Angst vor der Zukunft also gehen und konzentrierte mich auf das Einzige, das für uns – und vor allem für unsere Tiere – zählt: Den Moment.

Wir fanden nie den Grund ihrer Krankheit heraus. Doch Dakotas Fieber ging zurück und heute ist sie wieder bei uns und albern wie eh und je. Ich bin unendlich dankbar dafür. Aber noch dankbarer bin ich, dass ich eine so tiefe Verbindung zu ihr eingegangen war und an etwas Entscheidendes erinnert wurde:

Das Leben eines Hundes mag einfach erscheinen, doch die Weisheit hinter dieser Einfachheit ist von unschätzbarem Wert. ♥♥♥

 

 

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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