Haustiere

Gerichtsurteil zu „Kampfhundesteuer“ ignoriert das wahre Problem

Die Abzocke von Städten und Gemeinden bekannt als „Kampfhundesteuer“ hat nun Grenzen bekommen. Zwar darf weiterhin ein Vielfaches dessen verlangt werden, was Halter von anderen Hunderassen an Steuern zahlen. Doch das Bundesverwaltungsgericht entschied nun, dass die Hundesteuer nicht die jährlichen Haltungskosten eines Hundes übersteigen darf.

Aber der vermeintliche Erfolg für Hundehalter lenkt nur vom Kern eines viel wichtigeren Problems ab. Immerhin können die Kommunen Hundefreunden das Halten von sogenannten Kampfhunden nur noch begrenzt madig machen. Denn die Auswirkungen völlig überzogener Steuerbeträge waren leider oft ähnlich wie im verhandelten Fall:

Ein Ehepaar adoptierte eine Rottweilerhündin aus dem Tierheim. Der Steuerbescheid des bayerischen Wohnortes Bad Kohlgrub zog ihnen jedoch die Schuhe aus: 2.000 Euro sollten sie pro Jahr blechen. Die Rottweilerdame landete unversehens wieder im Tierheim.

So etwas darf nicht geschehen. Meiner Meinung nach liegt auch in der Verantwortung der Kommunen, z. B. mit Vergünstigungen dafür zu sorgen, dass Tierheimtiere bei der Vermittlung bevorzugt werden. Und zwar alle Tiere, denn die Unterbringung in einem Tierheim wird keiner Hunderasse gerecht. Verlangt nicht sogar unser unzureichendes Tierschutzgesetz nebst Hundeverordnung, dass zumindest die Grundbedürfnisse der Hunde gedeckt werden müssen? Ein Grundbedürfnis ist beispielsweise Familienanschluss. 2.000 Euro Hundesteuer im Jahr haben schon vielen Hunden die Erfüllung dieses Grundbedürfnisses verwehrt.

Was sich hinter der Hundesteuer verbirgt

Zum Vergleich: Für einen Deutschen Schäferhund (übrigens Deutschlands statistisch bissigste Hunderasse) zahlen die Menschen in Bad Kohlgrub nur 75 Euro im Jahr. Die Hundesteuer hat tatsächlich regulierende Funktion und dient nicht etwa zur Deckung von durch Hunde verursachte Kosten, wie Kotbeutel auslegen, Hundekot beseitigen und dergleichen. Sprich: was man nicht haben will, wird halt hoch besteuert – so hoch, dass es sich keiner mehr leisten kann. Doch zu einem Haltungsverbot bestimmter Rassen sind die Kommunen nicht bemächtigt, ganz egal, wie sie das ausgestalten oder nennen.

Wo liegt das eigentliche Problem?

Hätte das Ehepaar im Nachbarland Baden-Württemberg gewohnt, wäre übrigens alles kein Thema gewesen: baden-württembergische Rottweiler gelten als ungefährlich. Und das führt uns zu der Wurzel des Problems: die ebenso sinnlose wie auch willkürliche Stigmatisierung bestimmter Hunderassen als „prinzipiell besonders gefährlich“.

Vorurteile schützen niemanden

Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass die Gründe für aggressives Fehlverhalten nicht in der Genetik, sondern vor allem in Erziehungsmethoden und Umgangston zu suchen sind. Es ist daher höchste Zeit, dass sämtliche Bundesländer dem positiven Beispiel Niedersachsens folgen und auf echte Maßnahmen setzen, anstatt auf unhaltbare Vorurteile.

Sachkundenachweis für Hundehalter

Um die Bevölkerung zu schützen, müssen die Halter ALLER Hunde gezielt geschult werden. Denn es ist erwiesenermaßen ein Trugschluss, davon auszugehen, dass ein Nicht-Kampfhund wie z.B. ein Dackel bestimmt ungefährlich sei. Ein Hundeführerschein lehrt Hundehalter nicht nur die richtige Reaktion, um brenzlige Situationen zu vermeiden. Durch die Allgemeinbildung über Hundebedürfnisse könnte der Sachkundenachweis zudem wenigstens einigen Hunden das Leben erleichtern, die ansonsten vielleicht unter falscher Haltung leiden würden. Und Tierheime würden nicht mehr mit liebenswerten Hunden gefüllt, die nur wegen der „falschen“ Rassezugehörigkeit nicht oder nur schwer vermittelbar sind – wie im Falle der Rottweilerhündin in Bayern oft sogar trotz attestiertem einwandfreien Wesens.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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