Haustiere

Das Leid der Hunde in Rumänien

Heimatlose Hunde in einem rumänischen Tierheim © Dr. Carmen Arsene

Im September haben die Nachrichten von einem neuen Gesetz in Rumänien – über die Tötung heimatloser Hunde – europaweit Tierfreunde schockiert und unzählige Proteste hervorgerufen. Nach einem Beißvorfall, bei dem ein kleiner Junge getötet wurde, wurde nur scheinbar überstürzt ein Gesetz beschlossen – es gibt dazu eine Vorgeschichte: Seit Jahren bemühen sich Teile der rumänischen Politik um eine Gesetzesänderung, damit heimatlose Hunde von den Straßen „verschwinden“. Nachdem das rumänische Verfassungsgericht Anfang 2012 einen Gesetzentwurf für in Teilen verfassungswidrig erklärt hatte, wurde eine Klage gegen das im September 2013 neu beschlossene Gesetz im selben Monat abgewiesen. Mit der Unterschrift des Präsidenten Traian Băsescu ist diese Regelung am 25. September 2013 in Kraft getreten.

Heimatlose Hunde in einem rumänischen Tierheim © Dr. Carmen Arsene
Heimatlose Hunde in einem rumänischen Tierheim
© Dr. Carmen Arsene

Unzählige Tierfreunde haben daraufhin gegen das Gesetz und die rumänische Regierung protestiert. Auch wir haben eine Online-Petition erstellt – und wurden von vielen Tierfreunden im Protest unterstützt, vielen Dank! Auf unser Anschreiben an den rumänischen Präsidenten erhielten wir keine Rückmeldung.

Protestiert hat auch die Animal Welfare Intergroup des Europäischen Parlaments: mehrfach haben die Parlamentarier an Präsident Băsescu geschrieben und um Informationen über das neue Gesetz und Pläne über die Durchführung gebeten – scheinbar ebenfalls ohne Resonanz. Doch geht aus dem dritten Brief der Animal Welfare Intergroup hervor, dass es das neue Gesetz auch weiterhin ermöglicht, heimatlose Hunde unbegrenzt in Tierheimen unterzubringen. Die Entscheidung liege bei den Gemeinden; das Gesetz unterscheide sich im Grunde nicht wesentlich von denen anderer EU-Mitglieder.

Das entschärft die Problematik aber keineswegs: Schließlich muss der tiergerechte Umgang mit den Hunden sichergestellt und dem Europäischen Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren ebenso wie der der schriftlichen Erklärung zur Kontrolle der Hundepopulation in der Europäischen Union (0026/2011) Rechnung getragen werden. Das ist aber mehr als fraglich.

Denn ebenso wenig wie die rumänische Regierung in der Vergangenheit Konzepte zu erfolgreichen Kastrationskampagnen entwickelt hat, scheinen nun Pläne zu existieren, wie die unzähligen heimatlosen Hunde tiergerecht untergebracht werden können – oder wie gewährleistet wird, dass die Hunde nach tiergerechten Maßstäben euthanasiert und nicht grausam getötet werden.

Seit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes wurden Medienberichten zufolge die Zahl der Hundefänger in verschiedenen Städten bereits erhöht; Bilder, die in Deutschland verbreitet wurden, zeigen die Brutalität einiger Hundefänger ebenso wie die Angst und das Entsetzen der Tiere. Doch auch das Einfangen der Hunde muss so schonend wie möglich durchgeführt werden.

Darüber hinaus berichten rumänische Tierschützer auch über gezielte Tierquälerei durch Teile der Bevölkerung. Die rumänische Gesellschaft ist hinsichtlich der heimatlosen Hunde tief gespalten: viele Menschen kümmern sich uliebevoll m die Tiere und geben bei der Versorgung „ihr letztes Hemd“ – doch viele haben Angst vor den Hunden, manche hassen sie.

Doch die Unterbringung in Tierheimen ist auch keine Lösung, denn es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Situation in den meisten Einrichtungen aber katastrophal und die Unterbringung der Hunde nicht ansatzweise tiergerecht ist! Wir wurden beispielsweise informiert, dass teilweise mehrere Rüden mit läufigen Hündinnen in einen Zwinger gesperrt wurden; die Tiere zerfleischen sich untereinander.

Ein trauriges Leben hinter Gittern – ohne angemessene Versorgung und Betreuung – darf keinem Lebewesen zugemutet werden. Doch uns wurde zugleich berichtet, dass für die „Euthanasierung“ teilweise Giftstoffe verwendet werden sollen – die Hunde werden also nicht schmerzfrei eingeschläfert sondern schreien stundenlang, bis sie sterben.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, den Protest weiterzuführen!

Ganz grundsätzlich muss jede Tierquälerei verfolgt und geahndet werden – egal ob sie in städtischen Tierheimen, von Hundefängern oder Privatmenschen verübt wird!

  • Zudem müssen in Rumänien unbedingt weitere gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Hunde erlassen werden. Denn nur so kann verhindert werden, dass weitere Tiere auf der Straße landen – und leiden.
  • Eine Kastrations- und Registrierpflicht für tierische Mitbewohner in Privathaltung ist zwingend notwendig – selbstverständlich muss das Aussetzen von Tieren strafbar sein und streng geahndet werden!
  • Zudem muss die Zucht von Tieren eingeschränkt und ihr Verkauf auf Märkten, im Internet und in Zoohandlungen verboten werden.

Das Ziel muss sein, dass kein heimatloses Tier ohne menschliche Fürsorge auf der Straße leiden muss. Denn die domestizierten Tiere sind für dieses Leben nicht gerüstet – sie sind der Witterung, Krankheiten, dem Straßenverkehr, Hunger und auch Tierquälern hilflos ausgesetzt. Aus Tierschutzgründen ist es daher unbedingt notwendig, Maßnahmen zur Populationskontrolle einzuführen.

Allein in Bukarest sollen schätzungsweise 65.000 Hunde ein leidvolles Leben auf der Straße führen. Sie alle sind die Opfer von gedankenlosen Tierhaltern und einer Politik, die die Hunde nicht ausreichend schützt. Und die rumänische Regierung scheint weiterhin auf kurzfristige Methoden zu setzen – ohne sich um langfristige, effektive und tierfreundliche Maßnahmen zu bemühen. Gerade diese sind aber zwingend notwendig! Die rumänische Regierung und die Kommunen müssen den europäischen Anforderungen an den Tierschutz erfüllen – vor allem müssen sie das wollen.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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