Haustiere

Chance vertan: Berliner Hundeführerschein entbindet nur von Leinenpflicht

Berlin bekommt ein neues Hundegesetz – am Mittwoch hat der CDU-Politiker Thomas Heilmann die Eckpunkte hierzu vorgestellt. Leider hat sich der Stadtstaat zu keinem tierfreundlichen Entwurf durchringen können – die Chancen, die der Hundeführerschein für Mensch und Tier bieten kann, bleiben ungenutzt.

So wird die sogenannte Rasseliste nicht aufgegeben, sondern lediglich modifiziert: Weiterhin soll es Hunde geben, die allein aufgrund ihrer „Rasse“ als gefährlich gelten – und die einen Maulkorb tragen müssen.

Auch die Chip-Pflicht soll nur für diese sogenannten gefährlichen Hunde gelten. Das vorbildliche Niedersächsische Hundegesetz dagegen sieht vor, dass ALLE Hunde gechipt und registriert werden müssen – und ALLE Hunde eine Haftpflichtversicherung haben müssen.

Denn warum sollten bestimmte Hunde auch anders behandelt werden als andere? Alle Hunde brauchen Schutz. Und die Beißstatistiken werden, wenn sie denn in den Ländern erfasst werden, in der Regel nicht von den sogenannten gefährlichen Hunden angeführt – auch in Berlin nicht. Ganz oben auf der Liste: Mischlinge und der Schäferhund.

Niedersachsen hat sich daher zu Recht dazu entschieden, als erstes Bundesland die „Rasseliste“ aufzugeben: schließlich kann jeder Hund unabhängig von Größe oder Aussehen aggressiv werden – wenn er nicht tiergerecht gehalten oder erzogen wird.

Gerade deswegen ist das Berliner Gesetzes eine große Enttäuschung: Anders als in Niedersachsen, wo ein allgemeiner Hundeführerschein sicherstellt, dass sich jeder Neuhalter vor Aufnahme eines Begleiters grundlegende Kenntnisse über Hunde und ihre Bedürfnisse aneignen und sich mit der Hundehaltung befassen muss, soll der Berliner Hundeführerschein nur von einem allgemeinen Leinenzwang befreien.

Dieser grundsätzliche Leinenzwang, der zukünftig in Berlin gelten soll, setzt aber am ganz falschen Ende an. Nicht der Hund muss eingeschränkt, sondern der verantwortungsvolle Halter in die Pflicht genommen werden! Denn den besten Schutz vor Beißvorfällen – nicht nur auf öffentlichen Wegen,  sondern auch im Privaten – bieten eine tiergerechte Haltung und eine kompetente, gewaltlose Erziehung. Der allgemeine Hundeführerschein für die Halter aller Hunde ist die beste Lösung – für Hund und Mensch.

Übrigens: Medienberichten zufolge können sogenannte gefährliche Hunde gar nicht von der Leinenpflicht befreit werden. Und darüber fehlt offensichtlich ein städtisches Konzept zu den Auslaufgebieten; diese seien nach Heilmann zwar sinnvoll, aber zugleich sieht der Senator die Bezirke und ehrenamtlichen Träger in der Verantwortung. Das wiederum könnte ein Einfallstor für juristische Schritte gegen das Gesetz sein; schließlich hat sich bereits in anderen Städten gezeigt, dass bei einer derart rigorosen, großflächigen Leinenpflicht, ohne Ausweisung adäquater nahe gelegener Hundeauslaufflächen, eine Rechtswidrigkeit der entsprechenden Regelung vorliegen dürfte.

Aktuell wird übrigens unter anderem in Sachsen-Anhalt ebenfalls über ein neues Hundegesetz diskutiert – und hier stehen die Zeichen gut, dass im Sinne der Tiere entschieden wird. Ist die vielgeschmähte Provinz wohl doch fortschrittlicher als die Hauptstadt?

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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