Ernährung

Wer braucht den Weltschulmilchtag?

Weltschulmilchtag Veganblog

Für was es nicht alles einen (Feier-)Tag gibt. Ja, auch für das Schulmilchprogramm. Das gab es schon zu meiner Schulzeit. Ich erinnere mich noch, dass ich damals (leider noch nicht vegan) in der Grundschule eines der wenigen (zwei von 27) Kinder war, die Milch pur getrunken haben – so ohne extra Zucker und Geschmack. Aber dazu später mehr, fangen wir erstmal mit den Fakten an.

Die Welt-Ernährungs-Organisation der Vereinten Nationen (FAO) hat im Jahr 2000 zum ersten Mal den „Weltschulmilchtag“ ausgerufen. Er ist immer am letzten Mittwoch des Septembers und fällt damit dieses Jahr auf den 24.September.

Schaut man sich die Interseite zum Weltschulmilchtag mal an, so fällt einem (nach der, sagen wir mal, „interessanten“ farblichen Gestaltung) gleich das Logo einer bekannten Marke eines großen milchverarbeitendes Unternehmens auf. Ein Hinweis darauf, dass das Schulmilch-Programm der EU ursprünglich zur Absatzsteigerung eingeführt wurde und erst im Nachhinein den „Gesundheitsanstrich“ bekam? Heute sind in Deutschland die Bundesländer für die Umsetzung des Schulmilchprogramms zuständig. Das heißt, dass Kinder in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen pro Tag maximal ¼ Liter Milch (oder ein entsprechendes Produkt) zu einem vergünstigten Preis erhalten. Die Einrichtungen bekommen die Produkte über zugelassene Schulmilchlieferanten, die schön ihr Logo aufdrucken. Dafür gibt die EU jedes Jahr fast 70 Millionen aus, wo von etwas mehr als 5 Millionen Euro an Deutschland gehen.

In der Praxis greifen etwa zweidrittel der Kinder zu Milchmischgetränken – sprich Kakao, Erdbeermilch und Co. Die haben in etwa so viel Zucker wie Limonade und sogar noch mehr Kalorien.

Aber schauen wir uns doch die Argumente an, die angeblich für die Ausgabe von Schulmilch sprechen. Auf der Internetseite finden sich drei Gründe:

1.  Kinder brauchen starke Knochen

2.  Kinder müssen regelmäßig trinken

3.  Kinder brauchen Energie

Stimmt sicherlich alles, aber was hat das mit Milch zu tun?

Starke Knochen sind ein Zusammenspiel aus genug Calcium, Vitamin D und einer richtigen Belastung der Knochen. Fürs Calcium gibt es eine Reihe pflanzlicher Quellen oder calciumreiches Mineralwasser und für den Rest z.B. ausreichend Bewegung an frischer Luft. Mir persönlich fällt auch keine Ernährungspyramide ein, bei der unter Getränken Milch aufgeführt wird. Dann tragen doch eher Lebensmittel wie Gurke oder Wassermelone zur ausreichenden Flüssigkeitsversorgung bei. Energie sprich Kalorien werden neben Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen ausreichend durch pflanzliche Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Wie wäre es mit einer Hand voll Nüsse oder Trockenobst für die Pause.

Dann wäre da noch das Argument, dass mit dem Schulmilchprogramm Kindern und Jugendlichen Wissen über eine ausgewogene Ernährung vermittelt und damit Übergewicht vorgebeugt werden soll. Komisch nur, dass Studien einen hohen Verzehr von tierischem Protein, vor allem in Form von Milch und Milchprodukten, mit einem höheren BMI und erhöhtem Körperfettanteil bereits im Grundschulalter in Verbindung bringen konnten. Eine Vermittlung von Ernährungswissen an Kinder unabhängig von Marken wäre allerdings wünschenswert.

Und dann werden da noch eine Reihe von Untersuchungen unter dem Titel „Ernährungsexperten raten zu Schulkakao“ zitiert, die angeblich fürs Schulmilchprogramm sprechen. Nur was dort mit was verglichen wird… Nur weil Kakao besser als Energy Drinks, Limonade und Eistee abschneidet, ist das noch kein Argument dafür. Mit Zucker im Blut kann man, salopp gesagt, besser denken, dass der aber auch aus einem Vollkornbrot und einem Stück Obst stammen kann, wird nirgends erwähnt.

Dann raten Ernährungsexperten auch angeblich davon ab, Kindern in der Schule ausschließlich Wasser anzubieten. Hier werden allerdings Kinder, die Kakao trinken, mit Kindern verglichen, die ohne Frühstück zur Schule kommen und dann nur Wasser trinken.

Dass viele Schüler tatsächlich ohne Frühstück zur Schule kommen und sich dann womöglich Süßes in den Pausen kaufen, ist tatsächlich ein gravierendes Problem. Gründe hierfür scheinen aber sowohl soziale Probleme zu sein als auch mangelndes Ernährungswissen. Daran wird ein subventioniertes Schulmilchprogramm nichts ändern. Vielleicht sollte das Geld lieber für Alternativen ausgegeben werden. Sei es für soziale Projekte mit einem Schulfrühstück oder das Schulobstprogramm.

Viele, wie das Deutsche Diabetes Zentrum, foodwatch und Elternvereine, sprechen sich jedenfalls gegen das Schulmilchprogramm aus. Hoffen wir, dass mehr Schulen aus dem Programm aussteigen und sich die EU auf das Schulobstprogramm konzentriert.

Über den Autor

Felicitas

ist bei PETA Fachreferentin für Ernährung und findet, dass Essen nur ohne Tierleid ein Genuss ist.

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