Ernährung

Warum essen Veganer Fleischersatz?

Fleischersatz essen? Veganer werden häufig gefragt, warum sie sogenannte „Fleischersatzprodukte“ essen oder warum sie vegane Speisen wie Fleischgerichte benennen.

Zuerst sollten wir feststellen, dass der Konsum von „Fleischersatz“ unter Veganern wohl eher eine Ausnahme darstellt. Veganer wollen keine tierlichen Produkte essen, da gibt es dann auch nichts zu ersetzen. Wenn der Veganer Sojabolognese macht, denkt er ja nicht „Ich muss noch schnell Ersatz für Hackfleisch erwerben“, er kauft schlicht Soja. Vermutlich wurde der Begriff „Fleischersatz“ von Fleischessern geprägt. Der Denkfehler liegt hier nicht bei den Anhängern der pflanzlichen Kost. Vegane Küche ist auch ohne fertige Produkte aus Tofu, Seitan und Co. so kreativ und abwechslungsreich, dass man unglaublich viel verpassen würde, wenn man sich darauf beschränkt, Fleischgerichte nachzuahmen.

Warum gibt es diese Produkte aber trotzdem?

Die Imitation von Fleischgerichten hat im Buddhismus* eine fast 1500-jährige Tradition. Aus dem Jahr 517 stammt ein Edikt, in dem Kaiser Wu die Verwendung von lebenden Tieren in den Opferriten verbot, die in den konfuzianischen Ahnentempeln stattfanden. Als Ersatz wurden erst tote Tiere geopfert, später dann aus pflanzlichen Materialien hergestellte Fleischimitationen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus die „Fanghun“ oder „Fang-Huncai“-Küche, die sich auf die Imitation von Fleischgerichten auf der Basis von Gluten spezialisierte.

Die erste Abhandlung über Weizeneiweiß in der westlichen Wissenschaft schrieb Jacopo Bartolomeo Beccari im Jahr 1745. Der italienische Chemiker und Mediziner war auf der Suche nach Möglichkeiten, die Bevölkerung vor Hungersnöten zu schützen und wurde bei Gluten fündig.

In den USA wurde Weizeneiweiß zum ersten Mal 1882 erwähnt, in einer Anzeige im Adventisten-Magazin Good Health – sie stammt vom Erfinder der Cornflakes, John Harvey Kellogg. Die ersten europäischen Seitanprodukte wurden 1977 vom Belgier Jos Van De Ponseele, dem „bekehrten Schlachter“, hergestellt. Er aß kein Fleisch mehr, aber verkaufte es noch: Er war Inhaber einer großen Metzgerei, mit 16 Angestellten. Dann verkaufte er seinen Betrieb und eröffnete stattdessen zwei Naturkostgeschäfte.

Fleischersatz heute

Die ständig wachsende Anzahl von Menschen, die aus ethischen, gesundheitlichen und ökologischen Gründen kein Fleisch essen, bleibt auch von der Nahrungsmittelindustrie nicht unbemerkt. Daher steigt das Angebot an veganen Würstchen und Schnitzeln rasant. Dies hat den Vorteil, dass niemand auf gewohnte Geschmacksmuster verzichten braucht, um tierleidfrei zu essen. Damit bietet sich auch Fleischessern eine echte ethische und ökologische Alternative.

Warum heißt die Seitanwurst denn Wurst?

Die Herkunft des Begriffes Wurst ist etymologisch ungeklärt. Das mittelhochdeutsche „wurst“ bedeutet wirrend / vermengend. Die Metzger haben alles, was sich nicht verkaufen ließ, kleingehackt und in Därme gepresst. (Sie schufen dabei den Ausspruch „Das ist mir Wurst.“) Das Herstellungsverfahren von pflanzlichen „Würstchen“ unterscheidet sich nicht wesentlich davon. Seitan oder Tofu werden zu einem „Brät“ verarbeitet, das dann in eine Hülle aus Pflanzenfasern gepresst wird. Geschützt ist die Bezeichnung Wurst nicht, anders als bei Sojamilch, die nicht Milch heißen darf.

Das Schnitzel verdankt seinen Namen dem spätmittelhochdeutschen „snitzel“. Damit wurde ein abgeschnittenes Stück – meist Obst – bezeichnet. Somit liegt jedes Sellerieschnitzel näher an der ursprünglichen Bedeutung, als die tierquälerische Variante. Auch diese Bezeichnung ist nicht geschützt.

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Wer also hin und wieder den herzhaften Geschmack einer veganen Currywurst nicht missen möchte, kann dies problemlos ohne Tierleid und ökologischen Wahnsinn bewerkstelligen. Wer sich jedoch darauf beschränkt, entzieht sich selbst der faszinierenden Welt geschmacklicher Erlebnisse und Abenteuer, welche die gesunde vegane Gemüseküche zu bieten hat.

*Die Bodhisattva-Gelübde der buddhistischen Mönche bestehen aus 10 primären und 48 sekundären Regeln. In der dritten der 48 sekundären Regeln heißt es:  „Ein Schüler des Buddha soll nicht absichtlich Fleisch essen, denn es zerstört den angeborenen Samen des Großen Mitgefühls. Jedes fühlende Lebewesen wird, wenn es ihn sieht, vor ihm fliehen. […]Fleisch essen führt zu unermesslicher Schuld. […]

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Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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