Ernährung

Warum das geplante Tötungsverbot männlicher Küken nicht ausreicht

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kündigte am 30.03.2015 an, dass er das Töten von männlichen Küken direkt nach dem Schlupf nicht mehr hinnehmen möchte und er sich deshalb für „tötungsfreie Bruteier“ einsetzt. Er stellte hierzu ein technisches Verfahren vor, bei dem das Geschlecht mittels Infrarot (Nah-Infrarot-Raman-Spektroskopie) schon nach drei Tagen im Ei bestimmt werden kann. Damit soll das Töten männlicher Küken ab 2017 aufhören. Denn: Bisher werden jedes Jahr und alleine in Deutschland etwa 50 Millionen männliche Küken direkt nach der Geburt lebendig in einen Schredder geworfen oder vergast, da sie für die Industrie wertlos sind. Lebewesen für den Müll.

 

Was bedeutet das geplante Tötungsverbot wirklich für die Tiere?

Zunächst einmal ist zu sagen, dass das Töten der Küken schon heute gegen das Tierschutzgesetz verstößt, da die Küken aus rein wirtschaftlichen Gründen getötet werden. Wir appellieren deshalb schon seit Jahren an zuständige Politiker, diese grausame und gesetzeswidrige Praxis zu verbieten. Zudem haben wir gegen Brütereien in ganz Deutschland Strafanzeige erstattet und werden dies auch weiterhin tun. Die Brütereien und auch die Politik samt Agrarminister Schmidt hätten längst reagieren müssen. Stattdessen werden wieder unverbindliche Fristen bis 2017 eingeräumt.

Für die etwa 50 Millionen Küken, die nun nicht mehr anonym in großen Brütereien schlüpfen müssen, um gleich wieder getötet zu werden, mag das neue Verfahren ein Schritt in die richtige Richtung sein. Am System ändert sich dadurch aber nichts. Das Leben der Küken – egal ob ausgebrütet oder schon geschlüpft – wird als unwichtig eingestuft und der Eierkonsum wird über das Leben der Tiere gestellt. Ganz nach dem Motto: Lasst uns fleißig weiter Milliarden Eier im Jahr produzieren, egal ob dabei Lebewesen für den Müll erzeugt werden. Denn die vom Gerät als männlich identifizierten Eier werden anschließend zu Tierfutter verarbeitet oder landen wie die jetzigen Küken auch in den Abfalleimer.

Unabhängig davon, leiden die Elterntiere und die späteren Hennen in der Eierindustrie genauso weiter. Dieses Leid wird in der Debatte um die sogenannten „Eintagsküken“ aber nie erwähnt. Auch die Monopolstellung des „Kükenlieferanten“ Lohmann Tierzucht GmbH bleibt weiterhin bestehen. Die Brütereien werden mit Einführung des Verfahrens vielleicht sogar noch mehr Geld verdienen und mehr Hennen „produzieren“, da sie sich das Ausbrüten der männlichen Küken nun ersparen.

Unterm Strich ist ein Verbot des Kükentötens längst überfällig – das Verbot alleine ist aber kein bahnbrechender Erfolg für den Tierschutz und so gut wie kein Erfolg für das Tierrecht!

Wer Küken und Hühnern wirklich helfen will, der entscheidet sich für die vegane Ernährung und unterstützt einen Lebenshof, auf dem die Hühner ohne Gegenleistung geliebt werden und sie mit IHREN Eiern tun und machen können was sie wollen.

Über den Autor

Lisa

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.

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