Ernährung

Veränderung: Zuerst wir, dann die Politik

Man hört oft: die Politik muss etwas tun, um den extremen Fleischkonsum unseres Volkes einzudämmen. Schließlich ist sie es ja, die die Produktion tierischer Lebensmittel so stark subventioniert hat, daß Fleisch inzwischen billiger ist als die dafür notwendigen Produktionskosten. Dabei ist es für die Verbraucher nur eine Umverteilung, denn das was beim Einkauf gespart wird, wird über die Steuern wieder abgezogen. Nur sehen das die Bürger natürlich nicht und Einfluss haben sie schon gar nicht. Wäre ja noch schöner, wenn der kleine Mann selbst entscheiden könnte, was mit seinem Geld alles angerichtet wird.

Wie ist es eigentlich zu dieser Schieflage gekommen? Nach dem letzten Weltkrieg wollte man den Hunger in Europa bekämpfen, indem man die Landwirtschaft stärkte. Dies ist dann durch finanzielle Unterstützungen geschehen, doch ist es später nicht mehr gelungen, das ganze wieder zurückzudrehen. Und dann führte die künstliche Senkung der Preise in einen Teufelskreis. Das Fleisch wurde immer billiger und der Verbraucher gewöhnte sich daran. Das wiederum führte dazu, daß Fleisch zur Massenware wurde, die sich jeder leisten konnte. Und es blieb eine billige Massenware, obwohl die wahren Kosten viel höher liegen, weil für die Herstellung Unmengen von Pflanzen, Wasser und Energie verbraucht werden. Und so kommt es, daß man heute oft hört: „Wenn ich kein Fleisch mehr essen soll, wie soll ich mir dann das Essen noch leisten können?“

In der Tat ist es so, daß gerade die Ärmsten in Deutschland am meisten Fleisch essen. Weil es so billig ist. Was wird nun geschehen, wenn die Politik wie gefordert die Subventionen senkt und sich dadurch die Fleischpreise erhöhen? Man ahnt es sofort: Es wird ein Aufschrei durchs Land gehen: „Jetzt geht es wieder den Armen an den Kragen, jetzt sollen sie wieder die Zeche bezahlen!!“ Es wäre schlicht politischer Selbstmord, wenn man dieses über Jahrzehnte so abartig gewucherte System, an das sich die meisten Menschen so sehr gewöhnt haben, radikal ändern würde. Wenn man es JETZT ändern würde. Denn der Zeitgeist stemmt sich der Vernunft leider noch entgegen.

© messnerwirt.com

Dabei wissen selbst Politiker schon lange: dieses System hat eine geradezu unheimliche Zerstörungskraft entwickelt. Es verlangt ständig nach mehr Futter, das in riesigen Frachtern aus Südamerika nach Europa geschifft wird. Dort fallen ihm hundertausende km² Regenwald zum Opfer. Die Böden in unserem Land werden immer stärker durch Monokulturen und vor allem durch ausgefahrene Gülle belastet, so daß langfristig ihre Fruchtbarkeit bedroht ist. Unsere Meere, Nord- und Ostsee sind so verschmutzt und belastet, daß ihr Ökosystem umzukippen droht. Der Antibiotikamissbrauch ist eine weitere Zeitbombe und wenn die einmal hochgeht, dann können dadurch katastrophale Pandemien ausgelöst werden, die sogar Tschernobyl in den Schatten stellen. Und Milliarden unschuldiger Geschöpfe müssen unter dem ungezügelten Appetit auf Tierprodukte Qualen erleiden.

Mit anderen Worten: selbst Politiker wissen, daß es allerhöchste Zeit für Veränderung ist. Doch die Politik kann nur dann etwas ändern, wenn das Wahlvolk sie etwas ändern lässt. Deshalb ist es so wichtig, daß die Zahl derer immer größer wird, die keine Tierprodukte mehr konsumieren. Denn sie sind es, die den Weg für eine Abschaffung der Subventionen freimachen. Und jeder einzelne zählt.
Doch wir sind auf dem richtigen Weg. Erst kürzlich haben die Grünen beschlossen, das Thema Tierschutz nach jahrelanger erfolgreicher Verdrängung zu einem Wahlkampfthema für die Wahl 2013 zu machen. Warum machen sie das? Das ist kein Idealismus. Eine so große Partei kalkuliert ganz genau und die Grünen sind die ersten der Parlamentsparteien die erkennen, daß die Zeit gekommen ist, in der das Wahlvolk diesen Schritt honorieren wird.

Wenn man genau hinsieht, ist dies ein Erfolg, ein großer Erfolg sogar, auch wenn die Grünen „nur“ die artgerechte Haltung der Tiere fordern. Es ist ein Zeichen dafür, daß sich das Denken in die richtige Richtung bewegt.

Die Freude darüber kann sich im Angesicht der unfassbaren Gräuel der Tierausbeutung und der sprachlos machenden Umweltsünden natürlich nur in Grenzen halten. Und natürlich wissen wir inzwischen, daß es „artgerechte“ Tierhaltung nicht geben kann. Nur „keine“ Tierhaltung ist gerechter Umgang mit Tieren. Doch ein Politiker, der so weit geht, kann in der heutigen Zeit direkt seine Brotbüchse zuklappen und in Zukunft gemütlich zu Hause frühstücken.

Irgendwann wird unsere Gesellschaft jedoch begreifen, was sie der Natur angetan hat. Irgendwann werden wir verstanden haben, welchen Fehler wir damit begangen haben, diese ungehemmte Ausbeutung von Tieren zuzulassen und sogar zu unterstützen. Doch bis das erreicht ist, müssen wir pragmatisch bleiben und kontinuierlich weiter daran arbeiten, den Boden zu bereiten, auf dem der Wandel gedeihen kann.

Und dann wird bald eine kritische Masse erreicht sein, aufgrund derer die Lawine des Wandels ins Rollen gerät. Dann werden die Medien das Thema aufgreifen und sich immer mehr Leute, die in der Öffentlichkeit stehen und derzeit noch stumm sind bei diesem Thema, sich nach vorn wagen.
Und auch die Industrie wird erkennen, daß sie nicht länger gewissenlos weiter machen kann. Weil der Konsument sie abstrafen wird.

Ist das Utopie? Wunschdenken? Zweifelt ihr daran? Mag sein, daß alles nicht so einfach ist. Mag sein, daß die Welt so voller Unrat ist, daß man glaubt, es werde nie wieder Licht. Doch resignieren und aufgeben ist die schlechteste aller Lösungen. Denn dann geben wir auch die Generationen auf, die derzeit noch nicht für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen und ihres Glücks kämpfen können.
Und Hoffnung zu haben, sind wir unseren Kindern schuldig.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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