Ernährung

Vegane Schwangerschaft: Kein Problem!

Die vegane Ernährung ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen – für erwachsene Menschen zumindest. Schwangere Frauen oder Eltern kleiner Kinder müssen sich leider noch immer gesellschaftlicher Kritik stellen, da sich viele Menschen und leider auch viele Ärzte noch nie wirklich mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt haben. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung versäumt hier leider ihren Aufklärungsauftrag!

Um Mütter, die sich in der Schwangerschaft ebenfalls vegan ernähren möchten, etwas Sicherheit zu geben, werde ich hier über die Erfahrungen meiner ersten Schwangerschaft schreiben.

Zuerst etwas über meine Person:

Ich bin 26 Jahre jung, ernähre mich seit meinem 19. Lebensjahr vegetarisch, seit drei Jahren vegan und lege Wert darauf, mich (meistens) gesund und abwechslungsreich zu ernähren. Mit dem Thema, was eine „gesunde Ernährung“ überhaupt bedeutet, habe ich mich tatsächlich erst auseinandergesetzt, als ich vegan geworden bin.

Vegan und schwanger:

Wenn der Schwangerschaftstest dieses lebensverändernde zweite Strichlein anzeigt, dann steht die Welt erst einmal Kopf. Von da an möchte jede Mutter natürlich nur das Beste für ihr Baby und gerade die Ernährung der Mutter ist ein wichtiges Thema.

Noch vor dem ersten Besuch bei der Frauenärztin ging ich also in die Apotheke. Denn auch wenn Veganer oft sehr gut mit Folsäure versorgt sind, so wollte ich natürlich nichts dem Zufall überlassen. Folsäure ist gerade in den ersten Wochen für die Entwicklung des Embryos sehr wichtig und wird jeder Schwangeren und allen, die schwanger werden wollen, empfohlen. B12 nehme ich sowieso regelmäßig. So, und nun hieß es Füße still halten bis zum ersten Arztbesuch.

Bei meiner Frauenärztin:

Ganz aufgeregt gingen mein Freund und ich also zum ersten Termin. Wir haben uns wahrscheinlich die gleichen Fragen gestellt, wie alle werdenden Eltern. Ist alles gut? Was kann man da jetzt schon alles sehen? Was erwartet uns? Und so weiter…

Da ich mich mit der veganen Ernährung sehr sicher fühle, hatte ich auch kein Problem damit, es der Ärztin im Gespräch zu erzählen. Einfach auch, um zu wissen auf was ich alles achten muss. Glücklicherweise blieben nervige Grundsatzdiskussionen aus und ich bekam fachkundige Tipps für die weiteren Monate.

Die sahen wie folgt aus:

B12 wie gewohnt weiternehmen, genau wie Folsäure. Wir hatten zuvor schon Blut abgenommen und da meine Eisenwerte über dem Durchschnitt lagen, sollte ich noch kein Eisenpräparat nehmen (gerade zur Mitte/Ende der Schwangerschaft sollen viele werdenden Mütter auf ihren Eisenspiegel achten, da erhöhter Bedarf).

Auch meine Schilddrüsenwerte haben sich wieder normalisiert, als sich mein Körper an die Hormonumstellung der Schwangerschaft gewöhnt hat, weshalb ich in Bezug auf Jod erstmal nichts weiter beachten muss. Manche Schwangeren, egal ob vegan oder nicht, wird zusätzlich Jod empfohlen.

Da ich natürlich keinen Fisch esse, hat mir die Ärztin mehrfach ungesättigte Fettsäuren empfohlen. Da ich mich jedoch auch mit diesem Thema auseinandergesetzt habe und regelmäßig Nüsse, Avocado, Samen, Leinöl und ab und an auch Algen (als Salat oder Sushi) esse, habe ich mich entschlossen nur DHA als ungesättigte Fettsäure zusätzlich zu nehmen (in Form von Kapseln aus Algen). Ich glaube zwar nicht, dass ich das wirklich brauche, aber sicher ist sicher 😉

Mein Obst und Gemüse muss ich wie jede Schwangere gründlich waschen (Toxoplasmose), aber ansonsten soll ich mich einfach weiter so gut und abwechslungsreich ernähren.

Die weiteren Arztbesuche waren natürlich genauso aufregend – aber nicht wegen unserer Ernährung, sondern weil es einfach ein Wunder ist, ein kleines Wesen in sich wachsen zu sehen und zu spüren.

Noch irgendwas?

Ich bin nun im fünften Monat (Juli 2015), der Bauch wächst so langsam deutlich und da uns im Ultraschall noch keine komischen Veränderungen, wie krautartiges Beinwachstum oder bananenförmiges Köpflein aufgefallen ist, glauben wir unserer Ärztin, die mit der Entwicklung unseres kleinen Sohnes sehr zufrieden ist 😉

Schwangerschaftsübelkeit oder sonstige Wehwehchen?

Die Schwangerschaft ist ein großes Ereignis – auch für den weiblichen Körper. Deshalb sind körperliche und hormonelle Veränderungen sowie mal ein Zwicken hier und da ganz normal. Ich hatte das Glück, dass ich wenig bis gar nicht mit Schwangerschaftsübelkeit kämpfen musste. Ich war anfangs einfach oft sehr müde und musste mich langsam an das Hormonchaos gewöhnen. Zudem ist mein Kreislauf nicht mehr so stabil wie früher, aber ich denke im Großen und Ganzen kann ich mich nicht beschweren. Jede Schwangerschaft ist jedoch anders – deshalb wäre es, denke ich, unangebracht hier Rückschlüsse auf meine Ernährung zu ziehen. Trotzdem kann ich abschließend sagen: Ich fühle mich mit meiner Ernährung pudelwohl, rundum versorgt und ich freue mich auf die zweite Halbzeit!

 Als gesundes Beispiel-Rezept, mein morgendliches Müsli:

• Chia-Samen in Hafermilch (mit Calcium angereichert) quellen lassen
• Frisches Obst klein schneiden (Ich mag sehr gerne Beeren und Birne)
• Geschrotete Leinsamen, gepuffter Amarant, Vollkornhaferflocken, Sonnenblumenkerne, Haselnüsse oder andere Nüsse nach Belieben
• Etwas veganes Knuspermüsli oder Cornflakes für den Crunch
• Alles zu den gequollenen Chia-Samen geben, Hafermilch drüber und genießen!

Dazu ein frisches Glas Orangensaft, dann kann das viele Eisen besser aufgenommen werden.

PS: Dies ist nur ein Erfahrungsbericht. Da jede Schwangerschaft anders verläuft, sucht euch bitte einen erfahrenen Frauenarzt, dei dem/der ihr euch gut beraten fühlt. Lasst zudem regelmäßig (egal ob vegan oder nicht) eure Blut- und Urinwerte sowie Blutdruck und Gewicht checken.

Über den Autor

Lisa

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.

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