Ernährung

Superkühe im WDR: Und WESSEN Milch trinkst du?

Den ganzen September über wollte der WDR mit dem Projekt Superkühe einen Einblick in die heutige Milchindustrie geben. Wertfrei sollte er sein. Dazu „sprachen“ die Kühe mittels einer „Sonsorstory-Live-Technologie“ und es gab täglich Videos aus den drei teilnehmenden Kühställen. Am Ende sollen die Verbraucher entscheiden können, welche Milch sie künftig trinken wollen.

War das Projekt Superkühe wirklich wertfrei?

Absolut nicht, anders kann man es leider nicht sagen. Zwar wurde ein tiefer Einblick in das Leben der drei Kühe geboten, aber selbst grausamste Praktiken, wie die Trennung von Mutter und Kalb, das Enthornen der Kälber sowie das Stanzen der Ohrmarken wurde auf perfide Weise beschönigt. Es wurde nicht einmal versucht nachzuvollziehen, wie es der Kuh oder dem Kalb in diesen Momenten gehen muss. Stattdessen wurden einer Kuh diese Worte in den Mund gelegt, als man ihr das Kalb erneut wegnahm: „Naja, ich kenne das ja schon, ist ja bereits mein sechstes Kalb. Und auch die anderen durften nicht lang bei mir bleiben. So ist das in der Milchviehhaltung. Die Kälber wachsen getrennt von ihren Müttern auf. So ist das System.“

Kalb in St. Ottilien

Das „System“ wurde vom WDR absolut nicht hinterfragt, was zu einer wertfreien und guten journalistischen Arbeit schlichtweg dazugehört hätte. Schade, denn man hätte mit dem Projekt Superkühe so viel mehr erreichen können, als eine verharmlosende Darstellung der Milchindustrie.

WESSEN Milch trinkst du?

Der WDR wollte, dass man „mal die Kuh fragen“ sollte, ob „MEINE Milch okay ist“. „Und welche Milch trinkst du?“ war die Ausgangsfrage. Vielmehr sollte man jedoch fragen: Und WESSEN Milch trinkst du? Darauf ist die Antwort recht einfach. Die Muttermilch eines Kalbes. Diese Milch kann nie „deine Milch“ sein. Sie wird von fühlenden Lebewesen „produziert“ und die Natur hat sie nur für eines vorgesehen: Die Ernährung des eigenen Kalbes! Milchkonsum ist also immer – ganz gleich welche Haltungsform – damit verbunden, dass Mutter und Kalb getrennt werden.

Kuhmütter werden nach etwas über einem Jahr erneut künstlich befruchtet, damit der Milchfluss stets hoch bleibt. Die Züchtung auf immer mehr Milch macht die Tiere oftmals schon nach kurzer Zeit krank oder „unwirtschaftlich“. Somit werden die Tiere im Schnitt nach nur fünf Jahren im Schlachthaus getötet. Darüber wird bei dem Projekt Superkühe übrigens auch nicht offen gesprochen. Da heißt es nur, dass man hofft, dass die Tiere weiter Milch geben und damit „am Hof bleiben können“. Das muss wahre Tierliebe sein…ach nein, halt, Liebe hat dort wenig zu suchen, es sind ja schließlich Nutztiere. Wäre ja verrückt, wenn man Kühe plötzlich genauso liebt, wertschätzt und behandelt wie seinen Hund…

Und nun?

Genug Ironie. In einer Mail an den Produzenten vom Projekt Superkühe haben wir zu Beginn unsere Bedenken geäußert und angemerkt, dass tierschutzrelevante Aspekte bisher gänzlich fehlen oder verharmlost werden. Zudem haben wir auf die Milchalternativen aufmerksam gemacht, die während des Projekts mit keinem Wort erwähnt wurden.

Deshalb machen wir das jetzt: PETA hat nämlich seit langem auch ein 30-Tage-Projekt. In unserem Veganstart-Programm – welches wir auch den Beteiligten von Superkühe empfohlen haben – zeigen wir euch einen Monat kostenlos und unverbindlich, welche leckeren und gesunden Alternativen es zu Milch gibt.

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Über den Autor

Lisa

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.

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