Ernährung

Schwere Niederlage des Heidemark-Konzerns vor Gericht – bei Fleischuntersuchungen hat Sicherheit Vorrang

Nicht nur die Enthüllungen von PETA Deutschland e.V. über die Mast- und Schlachtbedingungen im Heidemark-Konzern haben eine breite Öffentlichkeit interessiert, auch die sonstigen Umtriebe dieses Unternehmens treten immer mehr hervor.

Seit 2011 ist ein Rechtsstreit über eine Grundsatzfrage zwischen dem Heidemark-Puten-Schlachthof Velisco in Rot am See und dem Landkreis Schwäbisch Hall anhängig über die Frage der Eingruppierung von tierischen Nebenprodukten in für Mensch und Tier bedenkliche oder unbedenkliche Kategorien. In beiden Instanzen, vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart und dem Verwaltungsgericht Baden-Württemberg, musste Heidemark eine empfindliche Niederlage einstecken – jeweiliger Streitwert: 50.000 Euro.

Heidemark vertrat den Standpunkt, dass die Feststellungen der Schlachttieruntersuchung, die im Mastbetrieb selbst stattfindet, ausreichen solle, um Schlachtnebenprodukte als bedenklich (Kategorie 2) oder unbedenklich (Kategorie 3) eingruppieren zu können, was erhebliche wirtschaftliche Folgen hat: Kategorie 2 – Produkte müssen i.d.R. entsorgt werden und „bringen kein Geld“, kosten sogar möglicherweise wegen der Entsorgung. Kategorie 3 – Produkte können noch z.B. als Hunde- und Katzenfutter vermarktet werden.

Es ist mehr als bedenklich, dass der Marktführer für Puten in Deutschland ein derartig verantwortungsloses Verständnis an den Tag legt, um die Fleischuntersuchung von amtlichen Fachassistenten bei der Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung selbst auszusparen. So wurde er dabei ertappt, als er „eine Partie Puten aus Niedersachsen“, die „formal korrekt mit einem Gesundheitszeugnis angeliefert und geschlachtet worden“ war, ganz normal vermarkten wollte. Doch die Fleischuntersuchung im Schlachthof ergab ganz erhebliche Keimbelastungen, die durchaus als gefährlich gewertet werden konnte. Dass Heidemark mit dem Versuch gescheitert ist, diese Schutzlücke zu erreichen, zum Nachteil der Sicherheit von Mensch und Tier, ist mehr als begrüßenswert. Dennoch offenbaren diese Vorgänge die Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit im agrarindustriellen Business. Wie schreibt der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Juristendeutsch in die Entscheidungsgründe:

„Soweit die Klägerin (Heidemark-Velisco, Anm. d. Verf.) die „Gefährlichkeit“ einer Einstufung in die Kategorie 3 mit dem Hinweis abzuschwächen sucht, dieses Material werde lediglich zu Hunde- und Katzenfutter verwertet und gelange nicht in die Lebensmittelkette, nimmt sie den nicht allein auf die menschliche Gesundheit abzielenden Verordnungszweck nicht hinreichend in den Blick.“

Dass der mittelalterlich betriebene Putenschlachthof Rot am See von der EU zugelassen ist, erscheint darüber hinaus ohnehin als skandalös.

Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart v. 15.3.2012, Az.: 4 K 3474/11
Urteil des VGH Baden-Württemberg v. 16.12.2013, Az.: 9 S 882/12

 

 

 

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PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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