Ernährung

Road to Paris – oder warum Klimadiplomatie nichts bringt

Vom 30. November bis 11. Dezember findet die UN-Klimakonferenz in Paris 2015 statt, die 21. ihrer Art. 40.000 offizielle Teilnehmer sollen es dieses Mal sein (bei der ersten waren es gerade einmal 900). Ihre Mission: einen bindenden Vertrag zu vereinbaren, den Klimawandel zu stoppen (oder zumindest abzumildern). Doch wie realistisch ist es, oder wird hier nur heiße Luft verursacht?

Ich will nicht zu pessimistisch sein, aber jeder, der sich an Kopenhagen 2009 erinnert, oder auch an die Gipfeltreffen danach, wird in seiner Euphorie gedämpft. Ich unterstelle den Teilnehmern keineswegs, dass sie sich der Situation des Planeten nicht bewusst sind – oder absichtlich Aspekte wie die landwirtschaftliche Tierhaltung und den Konsum tierischer Produkte ausklammern. Ich frage mich dennoch, warum sich Jahr für Jahr mehr und mehr Delegierte und Spitzenpolitiker, Journalisten und NGOs ganz nach Paul Watzlawick Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst zum großen Stelldichein treffen – dabei Treibhausgase noch und nöcher verursachen – aber nicht zu Potte kommen….

Klimadiplomatie

Dazu muss man wissen, wie die Klimadiplomatie funktioniert. Alle Staaten müssen den Beschlüssen als Gesamtpaket positiv zustimmen, ein Vertrag kommt nur zustande, wenn es eine einstimmige Mehrheit gibt. Jeder Staat hat dasselbe Stimmgewicht, egal wieviel Einwohner, Fläche, Treibhausgasemissionen oder Wirtschaftsmacht er hat – oder nicht. Arbeitsgruppen aus Diplomaten und Unterhändlern bereiten Texte von Fachleuten auf – und streiten sich teilweise tagelang über die Formulierung eines einzigen Satzes! Sie können aber nichts beschließen, das machen dann die Minister oder Staatschefs der jeweiligen Länder, die gegen Ende der Verhandlungen das Kommando übernehmen. Leider hat die Geschichte gezeigt, dass dies oft zum Nachteil der Entscheidungsfindung ausging… Käme man aber zu einem Konsens, so wäre symbolisch viel erreicht, doch der Beschluss muss danach in allen 194 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention in nationales Recht überführt werden. Das geht auch nicht von heute auf morgen. Und selbst wenn – wer überwacht die Einhaltung?

Aber soweit ist man auch noch gar nicht. In der Vergangenheit konnte man sich gerade einmal darauf einigen, dass man eine 2°C Begrenzung erreichen möchte – wie man das macht, tja…. Dafür gibt es ja dann die nächsten Meetings…. Man nimmt zu Kenntnis, beschließt aber nicht – und wo man nichts beschließt, muss man sich an nichts halten. In Cancun wurde dann die freiwillige Verpflichtungserklärung der Industriestaaten erreicht. Ja, freiwillige Verpflichtungen und die Treibhausgaskonzentration steigt weiterhin. Und wer denkt, dass die Reduktion von Treibhausgasen der wichtigste Aspekt bei den Verhandlungen ist, naja, ne… Auch hier geht es um Wirtschaftskraft, um Ausgleichszahlungen für bevorstehende Kosten durch den Klimawandel. Nun läuft uns die Zeit davon und Paris gilt als letzte Chance der Klimadiplomatie…

Das 2°C Ziel

Warum sprechen alle von diesen 2°C ? Forscher haben berechnet, dass dies der kritische Wert sein, nachdem der Klimawandel unumkehrbar wäre, mit starken Wetterextremen, Dürren, Schmelzen der Pole und Gletscher, Anstieg der Meeresspiegel, was auch das Ende einiger Regionen – oder ganzer Inseln und damit Staaten – wäre. Es bedeutet nicht, dass die Welt bei 2,1° Erwärmung untergeht, aber eben auch nicht, dass der Klimawandel gestoppt wäre, wenn man eine Erwärmung von 1,9° hätte – er wäre lediglich abgemildert.

„Unsere Enkel werden die Fehlentscheidungen der heutigen Politik und ihrer Wähler verfluchen.“

Das schreibt Nick Reimer in seinem Buch Schlusskonferenz und ich kann ihm da nur zustimmen. 2005 errechnete der britische Ökonom Nicholas Stern, dass die Kosten der Schäden durch den Klimawandel höher werden, als die Kosten der Anpassung – warum passiert nichts? Wir sind in unserem Jetzt gefangen, unserer Gier nach mehr und Wachstum und unserem Egoismus, dass wir nur etwas tun, wenn es die anderen auch tun und wir ja keine Nachteile davon bekommen. Dass dieses Verhalten zum Nachteil aller führt…. Wir erleben es ja nicht mehr. So scheint sich das Verhalten zu erklären.

Die Lage ist ernst, aber eben nicht hoffnungslos

Schon im Jahre 2000 gab es Überlegungen des Umweltökonomen Lutz Wicke zu einer Kopfpauschalen, also, dass jeder Mensch, egal wo auf der Welt, einen bestimmten Wert an Treibhausgasemissionen pro Jahr verbrauchen darf. Diesen Ansatz finde ich sehr clever, da er über alle Ländergrenzen hinweggeht, das Recht und die Pflicht eines jeden Menschen gleich behandelt. Es würde Bereiche wie Energie, Verkehr und Konsum einbeziehen. Natürlich ist das in der Realität schwer zu überwachen, dennoch wäre so ein Konzept wichtig, um Wissen darüber zu verbreiten, welche Handlungsweisen unserem Klima schaden und welche, wie die vegane Ernährung, helfen es zu schonen.

Dieser umfassende Ansatz würde endlich auch die Landwirtschaft in die Verantwortung nehmen. Viel wird von ihrer Sonderrolle gesprochen. Klar, sie spürt die Auswirkungen des Klimawandels mit am Stärksten. Aber genau deshalb MUSS sie auch zur Lösung des Problems beitragen. Und das könnte sie – könnten wir Konsumenten. Da Methan vor allem in der Landwirtschaft erzeugt wird und schädlicher für das Klima ist als CO2, es aber nicht so lange in der Atmosphäre bleibt, kann hier schnell viel erreicht werden.

Kann, will, muss!

Dass die Klimadiplomatie uns dahin bringt, ich bezweifle es, aber ich habe Hoffnung, dass der Wandel von unten, der Bevölkerung und nicht ihren politischen Entscheidern kommt. Denn: Klimaschutz beginnt auf dem Teller! Go VEG!

 

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Über den Autor

Anja

seit 2004 vegan und seit 2007 bei PETA Deutschland, hat sie schon europaweit Kampagnen, Demos und Infostände betreut. Sie freut sich über jeden, der durch seine Entscheidungen die Welt für die Tiere besser macht und liebt P!NK – als Künstlerin und als starke Stimme für Tierrechte.

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