Ernährung

Palmöl – So schlecht wie sein Ruf?

Über kaum ein anderes pflanzliches Produkt wird zurzeit so viel diskutiert. Palmöl findet sich überall und das trotz der großen „Nebenwirkungen“. Auch unter Veganern kommt das Gespräch immer wieder auf dieses Thema, da auch viele rein-pflanzliche, verarbeitete Lebensmittel Palmfett enthalten und die Produktion, u.a. durch die Abholzung von Regenwäldern, den Lebensraum zahlreicher Tiere gefährdet. Das Thema ist komplex und nicht in wenigen Worten zu erklären, aber hier ein Überblick.

Warum findet sich Palmöl fast überall?

Palmöl (Synonym Palmfett) ist, mit 30% Marktanteil, das meist verwendete Pflanzenöl der Welt. Rund 50-60 Millionen Tonnen wurden in den letzten Jahren jährlich produziert, hauptsächlich in Malaysia und Indonesien (über 85% der Weltproduktion), aber auch in Kolumbien, Nigeria und Thailand. Palmöl wird laut den Vereinten Nationen auf rund 18 Millionen Hektar angepflanzt, das entspricht der Hälfte von Deutschland.

Palmöl ist billig. Der Anbau ist effizient, denn die Ölpalme hat einen sehr hohen Ertrag, der wesentlich höher ist als z.B. bei  Kokospalmen. Das aus Fruchtfleisch (Palmöl) und Kernen (Palmkernöl) gewonnene Fett hat zudem einen hohen Schmelzpunkt. Das Fett ist also bei Zimmertemperatur fest und hitzebeständig. Zudem ist Palmöl geschmacksneutral und durch einen hohen Anteil an Vitamin E und Antioxidantien lange haltbar. Die einzigartige Zusammensetzung des Fettes macht es außerdem möglich, dass auch andere Flüssigöle in eine stabile und cremige Form eingebunden werden.

Den wirklichen Preis für Palmöl und seinen ubiquitären Einsatz zahlen aber andere.

Palmölproduktion  – Gefahr für Menschen, Natur und Tiere?

Nicht die Pflanze an sich ist das Problem, sondern die Nachfrage. In Indonesien werden Regenwälder abgeholzt, die einen der letzten verbliebenen Lebensräume für Orang-Utans darstellen. Aber auch in anderen Ländern bieten die Wälder, die für Palmplantagen weichen müssen, Lebensraum für viele einzigartige Tiere. Wir sprechen hier übrigens von der Abholzung von Hunderten von Hektar im 24 Stundentakt.

Nicht immer wird dabei legal gerodet. Vertreibungen und illegale Räumungen sind keine Seltenheit, denn Ölpalmen wachsen in Urwaldgebieten. Hier ist Landbesitz oft gar nicht oder nur ungenau, geschweige denn rechtlich bindend festgehalten.

Die sensible Torfböden geben nach ein paar Jahren nicht mehr die notwendigen Erträge. Neue Flächen werden erschlossen, alte aber einfach ohne Renaturierung aufgegeben. In konventionellen Anlagen gibt es keine Biodiversität, keine Achtung auf Erhalt der Bodenfruchtbarkeit. Der Einsatz von Pestiziden (Glyphosat) und Mineraldünger ist an der Tagesordnung. Indonesien ist mittlerweile übrigens hinter den USA und China der drittgrößte Klimasünder. Wieso? Weil bei der Umwandlung der Torfböden in Plantagen enorme Mengen an Klimagasen freigesetzt werden.

Neue Ölpalmplantagen ziehen zudem soziale Probleme mit sich, denn nur wenige finden Arbeit. Diese ist dann oft schlecht bezahlt oder Familienmitglieder (Kindern) müssen dabei helfen. Viele arbeiten zudem ohne rechtlichen Schutz und die neu gegründeten Dörfern sind ohne soziale Strukturen.

Wird eine informierte Käuferentscheidung leichter?

Seit Dezember 2014 darf laut der neuen EU-Lebensmittel-Informationsverordnung auf Lebensmitteln nicht mehr nur „pflanzliche Öle oder Fett“ stehen, sondern auch die Herkunft muss angegeben werden. Manche Hersteller lassen sich jedoch mit der Umstellung ihrer Verpackung etwas Zeit. Nicht, dass sie nicht drei Jahre Zeit gehabt hätten.

Aber Palmöl findet sich, neben Lebensmitteln wie Margarine, Nusscremes und Keksen, in vielen anderen Produkten: Kosmetika, Reinigungsmittel, Kerzen, Farben, Lacken, Agrartreibstoffen. Boykottieren ist also nicht leicht.

Kann Palmöl fair und ökologisch sein?

Für Palmöl gibt es mittlerweile einige Label. Doch was ist Imagepflege, was wirklich Zeichen für eine gute Alternative?

Das am weitesten verbreitete Label ist das für RSPO-zertifiziertes Palmöl (Round Tabel on Sustainable Palm Oil). Der „Runde Tisch“ wurde 2004 u.a. vom WWF initiiert. Der Verein setzt sich aus über 900 Produzenten, Händlern,  Investoren und Verarbeitern zusammen. Dem gegenüber stehen als Assoziierte ein paar dutzend NGOs. Ziel sind Mindeststandards: keine Abholzung von Primärwäldern und besonders erhaltenswerten Wäldern, außerdem die Kernarbeitsnormen und eine Bezahlung nach Mindeststandards. Aber, alles als selbstverpflichtende Umsetzung und ohne unabhängige Kontrollinstanz. Das Label wurde also nicht umsonst von über 250 Menschen- und Umweltorganisation abgelehnt.

Aber es gibt auch andere Siegel für fair und ökologisch produziertes Palmöl. Der ökologische Landbau setzt  z.B. auf Dünger mit natürlichen Bestandteilen und auf Mischkulturen. Bisher sind aber nur rund 0,1% des weltweit erzeugten Palmöls aus biologischen Anbau und auch Bioproduzenten standen schon in der Kritik, wenn es um faire Bedingungen geht. Aber es gibt Fairtrade-Projekte, in denen auch die Kommunen vor Ort unterstützt werden.

Hat man Alternativen?

Wie immer gilt: Selbermachen mit Zutaten aus heimischen Anbau ist der beste Weg. Raps, Mais, Leinsamen, Disteln, Sonnenblumen sind regional angebaute Öllieferanten. Aus Südeuropa kommen noch Oliven- und Sojaöl.

Außerdem lohnt sich die persönliche Nachfrage bei den Lebensmittelproduzenten. Manche haben bereits auf andere Öle umgestellt, andere wollen es.

Persönlich kann man versuchen den eigenen Verbrauch kritisch zu hinterfragen und den Kauf von Produkten mit Palmöl auf ein Minimum zu reduzieren. Unser Einkaufszettel ist unser Stimmzettel!

Zum Einstieg in die Suche nach Alternativen haben wir für euch eine Reihe von Keksen (hier gibt es viele mit Palmöl) zusammengestellt, die beweisen, es geht auch ohne. Falls ihr weitere Vorschläge habt, freuen wir uns über einen Kommentar.

Zum Nachmachen: Nuss-Schoko-Creme ohne Palmöl

  • 100 g Haselnüsse
  • 1,5 EL neutrales Öl
  • 100 g Zartbitter-, Reismilch- oder Nougatschokolade
  • 1 EL Kakaopulver

Haselnüsse circa 10 Minuten bei 180°C im Backofen rösten. Die Haut mit einem Küchenhandtuch abrubbeln. Haselnüsse in einem Mixer mahlen, bis eine Paste entsteht. Öl hinzugeben und weiter mixen. Je länger desto feiner wird die Creme. Schokolade schmelzen und zusammen mit dem Kakaopulver zur Haselnussmasse geben. Im Kühlschrank aufbewahren.

Zum Weiterlesen:

VEGGIE Journal Ausgabe 2/2015: „Palmöl – Der Ölkrieg“

Kochen ohne Knochen Ausgabe 2/2015: „Kann das fair sein? – Palmöl kritisch betrachtet“

Über den Autor

Felicitas

ist bei PETA Fachreferentin für Ernährung und findet, dass Essen nur ohne Tierleid ein Genuss ist.

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