Ernährung

NRW-Initiative: Warum die neue Regelung den Puten wenig helfen wird

Die rot-grüne Landesregierung von NRW möchte in einer bundesweit geltenden Regelung die Haltung der Puten in deutschen Mastanlagen verbessern, denn bisher gibt es keine spezielle Haltungsverordnung für Puten, die wenigstens gesetzliche Mindestanforderungen regelt. Dazu sollen die Puten unter anderem etwas mehr Platz bekommen, trockenes Einstreu sichergestellt werden und ein wenig Beschäftigungsmaterial und Sitzstangen zur Verfügung gestellt bekommen. Zudem sollen die Tränken nach jedem Mastdurchgang gereinigt werden und der Halter muss täglich und gewissenhaft nach seinen Tieren schauen.

Viele der genannten Punkte sollten selbstverständlich sein, dennoch ist die geplante Initiative natürlich ein kleiner und längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung.

Vier Punkte, warum die neue Initiative die Hauptprobleme in der Putenhaltung nicht ändern werden:

1. Qualzuchtrasse: Die Pute war natürlich nicht schon immer anfällig für Krankheiten, hat in kurzer Zeit so enorm viel Fleisch angesetzt, dass viele Tiere kaum mehr laufen können oder hatten ununterbrochen den Drang zu essen, da das Sättigungsgefühl manipuliert wurde. Nein, das alles hat der Mensch durch jahrelange Züchtung zu verantworten. Es ging und geht einzig und alleine darum, dass die Tiere in wenigen Wochen enorm viel (Brust-) Fleisch ansetzen. Die Folge sind Tiere, die nach kurzer Mastdauer unter Herz-Kreislaufproblemen, schmerzhaften Beinfehlstellungen und Brustbeinverkrümmungen bis hin zur Bewegungsunfähigkeit leiden und damit zum Verdursten der Tiere führen kann. Auch im Biobereich werden diese Qualzuchten eingesetzt. Geforderte Sitzstangen oder Ähnliches könnten ab einer gewissen Mastzeit von vielen Tieren also nicht mehr benutzt werden, da die Beine zu sehr schmerzen.
2. Schnabelkürzen: Damit sich die Putenmast für den Landwirt lohnt, müssen meist zehntausende Tiere gehalten werden. Dies führt logischerweise zu sehr großem Stress, da die Tiere unter Dauerlärm gehalten werden und ständig „neue“ Artgenossen treffen. In der freien Natur leben Puten in kleinen Gruppen, alle Tiere kennen sich und es gibt eine klare Rangordnung. Dies ist in der Mast nicht möglich und unter anderem dadurch picken sich die Puten gegenseitig das Gefieder aus. Dies kann bis zum Kannibalismus führen. Um dem ein wenig entgegenzuwirken wird den Putenküken ihre empfindliche Schnabelspitze abgetrennt – ohne Betäubung wird ihnen also ein wichtiges Sinnesorgan genommen!
3. Elterntierfarmen: Wo kommen all die Puten für die spätere Mast her? Von grausamen Elterntierfarmen, welche von den neuen Regelungen offensichtlich nicht beachtet werden. Da Puten sich aufgrund der extremen Züchtung nicht mehr selbst fortpflanzen können, werden sie von Arbeitern auf schmerzhafte Weise künstlich besamt. Schaut euch hierzu unsere Undercover-Aufnahmen an: www.peta.de/Elterntierfarm
4. „Ausstallen“: Der verharmlosende Begriff „Ausstallen“ bedeutet in der Tierindustrie nichts anderes, als die Puten an den schmerzenden Beinen zu packen und sie kopfüber in Transportkisten zu stopfen, um sie anschließend in den Schlachthof zu transportieren. Dies ist ein schmerzhafter und stressiger Vorgang, bei dem nicht selten Tiere getreten werden, Flügel und Beine brechen und Tiere sterben.

Man könnte natürlich noch viele weitere Punkte nennen, warum Putenzucht- und Mast für die Tiere großes Lied bedeutet.

Deshalb: Zeigt Herz für die sensiblen und sehr intelligenten Vögel und entscheidet euch in Zukunft für die pflanzliche Ernährung.

Auch eurer Gesundheit zuliebe: www.peta.de/resistente-keime

Ihr braucht Hilde beim Umstieg in ein tierfreundliches Leben?
Ganz einfach: www.veganstart.de

Über den Autor

Lisa

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.

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