Ernährung

Haben Veganer wirklich die schlechteren Spermien?

Über Jahre hinweg haben Forschungsergebnisse aufzeigen können, dass Fleisch die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst. Ein neue Studie der Loma Linda Universität, die im Oktober auf dem 70. jährlichen Treffen der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktive Medizin vorgestellt wurde, scheint solchen Forschungsergebnissen nun zu widersprechen. Laut den Studienergebnissen, die von verschiedenen Medien aufgegriffen wurden, haben Vegetarier und Veganer eine geringere Spermienkonzentration. Bei genauerem Hinsehen ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild.

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass eine normale Spermienkonzentration einer Konzentration von mehr als 20 Millionen Spermien pro Milliliter entspricht. Die Studie der Loma Linda Universität konnte nachweisen, dass Männern, die entweder eine omnivore oder eine pflanzenbasierte Diät konsumierten, Spermienwerte von 70  bzw. 51 Millionen aufwiesen. Beide Werte liegen also gut im normalen Bereich – eine Tatsache, die auch in den Schlussfolgerungen der Studie klar benannt wird.

Erklärungsversuche der Studienverantwortlichen

Die Autorin der Studie rät nicht von einer Form der vegetarischen Ernährung ab. Sie erwähnt nur, dass eventuell der Verzehr von Sojaprodukten 74 Tage vor der Zeugung eingestellt werden sollte. Die These, dass eventuell östrogenhaltige Lebensmittel wie Sojaprodukte die Spermienanzahl beeinflussen, wurde und wird also auch hier von den Forschern diskutiert. Andere Studien, u.a. die 2010 in Fertility and Sterility veröffentlichte Studie von Beaton et.al., konnten diesen negativen Effekt jedoch nicht nachweisen.

Eine weitere Hypothese der Studienautorin, die auch bereits vorher diskutiert wurden, sind Pestizide, die eventuell zusammen mit Obst und Gemüse verzehrt werden. Hier ist jedoch zu sagen, dass dies kein Grund sein sollte den Obst- und Gemüseverzehr „einzustellen“, denn so wird Jorge Chavarro von der Harvard Universität vom The Telegraph zitiert: „…Obst und Gemüse scheint einen positiven Effekt auf die Fruchtbarkeit zu haben, besonders Obst, das viele Antioxidantien enthält.“

Man sollte also Produkte – auch aus Umweltschutzgründen – wählen, die weniger Pestizide enthalten wie z.B. Bio-Lebensmittel. Der geringere Pestizidgehalt in biologisch angebauten Pflanzen wurde auch wissenschaftlich belegt.

Einfluss nicht-veganer Ernährung auf Spermienqualität und -quantität

Andere Studien haben Fleischkonsum als Ursache für Fruchtbarkeitsprobleme bei Männern diskutiert. Mögliche Erklärungen sind verzehrte Toxine, die sich in tierischem Fett ansammeln, oder hohe Cholesterinwerte, die u.a. Resultat des Verzehrs von tierischen Produkten sein können. Studien konnten ebenfalls nachweisen, dass es auch für Frauen ratsam ist auf tierische Produkte zu verzichten und mehr pflanzen-basierte Produkte zu verzehren, um so die Fruchtbarkeit zu erhöhen. Auch ein erhöhter Konsum von Vollfettmilchprodukten wurde mit einer schlechteren Spermienqualität in Verbindung gebracht.

Zur Aussagekraft der Studie der Loma Linda Universität ist noch ein Aspekt zu erwähnen, der gerne vernachlässigt und auch oft von den berichtenden Medien nicht erwähnt wird: Die Anzahl der Studienteilnehmer!

In der vorliegenden Studie wurden 443 Nicht-Vegetarier mit 26 Vegetarier und 5 Veganer verglichen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die Werte von 31 Menschen für alle gelten sollen. Da schließe ich mich der Schlussfolgerung der Studie an, dass mehr Forschungsarbeit notwendig ist.

Es scheinen also eindeutig keine Gründe, gegen eine vegane Diät vorzuliegen. Ganz im Gegenteil: Selbst auf der Homepage der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktive Medizin, auf der die Studie angekündigt wird, steht die große Überschrift, dass ein erhöhter Verzehr von Obst und Gemüse, die Spermienfunktion in IVF verbessert.

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Über den Autor

Felicitas

ist bei PETA Fachreferentin für Ernährung und findet, dass Essen nur ohne Tierleid ein Genuss ist.

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