Ernährung

Teilnehmer des Veganstart berichten: „Mein neues veganes Leben“ von Florentine

Natürlich könnten wir euch eine Menge erzählen, warum bisher über 37.000 Menschen am Veganstart teilgenommen haben und jede Woche rund 350 hinzukommen. Es spricht ja auch so viel dafür: Tierrechte, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, der gemeinsame Einsatz gegen den Welthunger und eure Gesundheit.

Aber Eigenlob gehört sich ja bekanntlich nicht. Deswegen wollen wir heute mal Florentine zu Wort kommen lassen, die uns folgende Zeilen nach ihrer Teilnahme am Veganstart geschrieben hat – vielen Dank an Florentine für diesen Beitrag!

Wäre ich gläubiger Christ, würde ich diese Zeit wohl mit dem Jakobsweg vergleichen. Es ist kaum beschreibbar, welche Erkenntnisgewinnung ich durchlaufen habe.  Das Stigma, dass Fleisch-, Eier-, Milch- und Honigkonsum auf Irrtümern, Werbeverirrungen und Falschinformation bestehen, hat sich bestätigt.

Meine Ernährungsumstellung ging einher mit intensiver Information über Nahrungsmittel, ärztlichen Meinungen, politischen Verfehlungen und der grundsätzlichen Frage, was wir als Menschen dürfen. Und ich muss gestehen, dass ich in den vergangenen Wochen mehrfach beschämt und betrübt war und angewidert Zustände zur Kenntnis nahm, die nicht zu ertragen und mit nichts zu entschuldigen sind.

Ich denke, dass jeder Einzelne eine ganze Menge tun kann. Nur ist der wichtigste Schritt die Information und Reflexion. Und daran hapert’s ziemlich, wenn ich mich so umsehe. Es ist aber letztlich nicht wirklich ausschlaggebend, was andere tun – ausschlaggebend für mich ist, was ich tue.

Alles steht in Wechselwirkung miteinander, ob uns dies nun bewusst ist oder nicht. Verändere ich  einen Faktor,  verändert sich die Wechsel- und damit die Außenwirkung.

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für diese Welt wünschst.“ Mahatma Gandhi

Ich trage diese Worte seit vielen Jahren in meinem Herzen, und sie haben mir so manches Mal den Weg gewiesen. Und auch auf dem jetzigen gibt es keinen besseren Begleiter, der mich daran erinnert, worum es immer gehen muss: Empathie, Respekt, Rücksicht und Verantwortung für das eigene Handeln. Auch ich habe früher eine Menge Fleisch, Wurst, Käse, Milch und Eier verzehrt in dem Glauben, dass es zum einen nahrhaft und zum anderen normal wäre. Zu welchem Preis dies letztlich geschah, habe ich mir nie wirklich bewusst gemacht …

Der „Genuss“ von Fleisch hat sich schon seit Langem erledigt; die Milch von Hafer, Soja und Dinkel sind meine Favoriten (und ich bin schon sehr neugierig auf Süßlupinen-Milch, die wohl bald in den Handel gehen soll), Ei-Ersatzprodukte sind grandios; Agaven-Dicksaft ist wunderbar für alles, was man süßen möchte. Hochleistungsmixer für Smoothies und Entsafter drehen beinahe täglich ihre Runden. Mein Mann und ich haben das Versprechen abgegeben, nie wieder Leder, Wolle, Seide oder Daunen zu kaufen (die ersten veganen Schuhe sind gekauft und der erste vegane, nachhaltig produzierte Herrenanzug von Umasan hängt im Schrank).

Mein Umfeld reagiert – bis jetzt – sehr entspannt und auch neugierig auf die Veränderungen, welche gerade auch optischer Natur sind: die Pfunde purzeln (ohne, dass ich es drauf angelegt hatte), und die Laune ist prächtig. Zudem registriere ich eine Fitness – ohne viel Sport zu treiben – die ich bisher nicht kannte. Auch ich habe mit meinen 42 Jahren bestimmt schon vier bis 100 Diäten und Nahrungsumstellungen ausprobiert. Aber bei keiner hatte ich auch nur annähernd diese Effekte. Meine Blutwerte sind wieder fast wieder im Normbereich, die Vitaminspeicher sind gut gefüllt. Dazu ist mein anfänglicher Drang, allen die Wahrheit um die Ohren zu hauen, (fast) verpufft – der Vorführeffekt und die Neugier tun das ganz von selbst.

Dennoch halte ich politische Aktivitäten für einen weiteren wichtigen Schritt, die dringend notwendigen Veränderungen herbeizuführen. Petitionen und Wutbriefe zu schreiben oder zu unterschreiben ist ok, wichtiger jedoch sind die Präsenz und Dokus in den „Ställen“, und auf der Straße bei Demos und Kundgebungen.

Das teilweise komplette Versagen gerade von Veterinärämtern, die jede noch so unfassbare Haltung von „Nutztieren“ als normal ansehen und untätig bleiben, steht einer ignoranten und lobbygelenkten Politik gegenüber. Das darf nicht länger geduldet werden. Das Veterinäramt in Berlin-Spandau zählt wohl noch zu den besseren; und hier erhält man auf Nachfrage, wie es in Deutschland dazu kommen konnte, nur die Antwort, dass das leider im Ermessen der jeweiligen Ämter und ihrer Mitarbeiter läge … Quasi Tierschutz, den sich die Verantwortlichen selbst definieren können … Wenn ich es nicht selbst gehört hätte, würde ich es nicht glauben. Wir haben in Deutschland einen guten Tierschutz, verglichen mit anderen Ländern.

Doch warum in aller Welt gilt dieser nicht für „Nutztiere“? Was ist das überhaupt für ein Wort? Wenn das, was mit diesen Tieren tagtäglich und vor unserer Haustür passiert, mit Hunden oder Katzen gemacht würde, wäre die deutsche Bevölkerung doch sofort auf den Straßen! Das wäre undenkbar! Also warum ist ein Huhn weniger schützenswert als eine Katze? Wir bezeichnen uns doch immer als die Krone der Schöpfung – warum lassen wir es zu, dass Tiere, die die Natur in unsere Obhut gegeben hat, derartig misshandelt werden?
Ich denke, hier kann ganz klar – mal wieder – nur Aufklärung Abhilfe schaffen. Und das heißt, zumindest in meinem Fall, eben auch, Menschen in meiner Umgebung  Bilder und Videos zu zeigen, vor denen wir nur allzu gern die Augen verschließen … Ja, es tut weh und schmerzt und beschämt. Aber die Tiere durchleben dieses Leid. Jeden Tag. Und wem es dann noch schmeckt, bitte schön.

Bekannten oder Familienmitgliedern „gestatte“ ich natürlich auch Fleischkonsum – aber nur noch mit dem zarten Hinweis, was da gerade auf dem Teller liegt (inkl. Hormonen, Pestiziden, Antibiotika, Cholesterin) …

Du kannst mir glauben: ich habe in den vier Wochen mehr überraschte und verwirrte Gesichter gesehen als in den letzten fünf Jahren! Ich denke, es darf eben nicht mehr nur persönliche Freiheit sein, das zu essen, was man will. Nicht, wenn es um Ausbeutung unserer Mitgeschöpfe auf dieser Welt geht. Wie grotesk ist es, wenn Hundebesitzer im Biergarten ihre Tiere streicheln, liebkosen und nebenher ein Schnitzel verdrücken?

Ich zitiere Hendrik Thiele von PETA: „Sollte jemals wieder jemand mit mir darüber diskutieren wollen, ob vegan zu leben sinnvoll ist, dann möchte ich ihm das zeigen, was ich gerade mit eigenen Augen gesehen habe … Das ist alles falsch. Da kann man nichts schön reden … Das alles steht für das, was ich vor ein paar Stunden gesehen habe – das Ende der Menschlichkeit.“

Die vegane Ernährung ist weniger anspruchsvoll, als man denkt. Man muss sich nur anständig informieren, was und wieviel man zu sich nimmt.  Auf hochgezogene Augenbrauen bei Mitmenschen stelle ich nur noch die Gegenfrage: Du weißt doch hoffentlich auch, was du zu dir nimmst, oder?

Es ist schon interessant, bisher hat sich niemand für meine Vitaminspeicher, mein Proteinverzehr oder meinen Mineralstoffhaushalt interessiert … Bis das Wort vegan im Raum stand. Aber so ist es halt. Ich kann jedenfalls mit Stolz sagen, dass ich – obwohl ich wirklich NIE gern gekocht habe – mittlerweile Profischnitzer in der Küche bin. Ich kaufe 2 – 3 x pro Woche frisches Gemüse und Obst, suche Rezepte im Internet und koche, dünste, brutzle und würze einfach drauf los. Nährstoffgehalt und Ernährungsphysiologie inklusive. Und es macht Spaß, die Ernährung genau danach auszurichten, was wichtig ist, gut tut und schmeckt.

Kulinarisch bin ich in Berlin natürlich sehr verwöhnt, so haben wir mittlerweile das ganze vegane Spektrum von Fastfood bis gehobener Küche ausprobiert. Und ich muss sagen, dass kaum jemand – auch unsere Mischköstler-Freunde – einen Unterschied bemerkt.

(Bevor mich das Schreibvirus völlig übermannt, ende ich lieber an dieser Stelle :-).)

Danke für diese Worte, liebe Florentine!

Mit PETAs kostenlosem Veganstart-Programm gelingt der Umstieg auf eine rein pflanzliche Ernährung spielend leicht. Ob auch ihr so tolle Erfahrungen macht, wenn ihr die Entscheidung für tierleidfreien Genuss trefft, könnt ihr nur durch Ausprobieren erfahren. Also worauf wartet ihr noch?!

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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