Ernährung

Kochen leicht gemacht mit der App „Cook it yourself vegan“

Vor einigen Wochen haben wir Euch auf unserer Facebookseite „Cook-it-yourself vegan“ vorgestellt – falls Ihr die App noch nicht kennt, schaut sie Euch auf jeden Fall an. Heute hat uns Daniel Mager, der Macher von Cook-it-yourself, ein paar Fragen beantwortet, die ihm häufig gestellt werden. Er geht dabei auch auf viele Punkte ein, die bei unserer ersten Vorstellung bei Facebook von Euch angemerkt wurden.

Was unterscheidet cook-it-yourself von anderen Kochbüchern?
Cook-it-yourself ist eigentlich kein Kochbuch, sondern eine Plattform in der Kochrezepte, Lebensmittel und Nährwertinformationen verknüpft wurden.  Dies ermöglicht dem Verbraucher einen konsolidierten Zugriff auf alle Informationen, die er rund ums tägliche Kochen braucht.

Möglich wurde dies durch eine Kooperation mit der Mynetfair Ag. Mynetfair betreibt eine umfangreiche Produktdatenbank und kombiniert diese mit langjährigen Know How in der Entwicklung mobiler Informationssysteme.

Unser System ist so aufgebaut, dass wir mit wenig Aufwand weitere Rezepte und Lebensmittel einbinden können. Der Gedanke ist, Anwendungen zu entwickeln, in der Köche Rezepte einstellen, Ernährungsberater oder Organisationen wie PETA Ernährungsvorschläge machen und im Einzelhandel werden die benötigten Produkte zur Verfügung gestellt. Der Verbraucher greift über eine intuitiv zu bedienende Anwendung auf unsere Systeme zu und bekommt entsprechend der Vorgaben passende Rezepte und Lebensmittel vorgeschlagen. Die eingebundene Community bewertet Rezepte, Lebensmittel oder weist auf Fehldeklarationen hin.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir eher ein „shared knowlege“ System sind, beziehungsweise ein lebendiges Kochbuch entwickeln.

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Könnt Ihr Veganer unterstützen, die an Allergien / Intoleranzen leiden?
Neben einzelnen Themenfeldern in der Ernährung wie vegan, vegetarisch beziehungsweise einzelne Allergien, können wir diese auch kombinieren. Ein Veganer wird problemlos im Internet oder im Buchhandel viele hochqualitative Rezeptesammlungen finden. Leidet er aber an einer Glutenintoleranz oder einer Nussallergie, wird er sich schwer tun, ein wirklich passendes Kochbuch zu finden. Wir können solche Kombinationen respektive Ausschlusskriterien abbilden und entsprechende Rezepte anbieten.

Unser System kann viele Diäten und Ernährungsweisen vollständig abdecken (sofern wir die Datengrundlage haben). Bei komplexeren Themen wie einer Fructose- oder Histaminintoleranz, können wir zumindest helfen.

Kann eine solch komplexe Anwendung noch intuitiv bedienbar sein?
Mit Sicherheit nicht. Grund hierfür ist, dass viele Parameter gesetzt werden müssen, um zu den passenden Rezepten und Lebensmittel zu kommen. Sind diese aber erst einmal gesetzt, wird es wieder einfach. Dies möchten wir durch Einbezug von Experten lösen. Ziel ist, dass die Anwendung von Ernährungsexperten für den Klienten vorkonfiguriert wird. Dies gewährleistet eine einfache Bedienung.

Neben dem Konfigurieren kann der Experte dem Verbraucher zudem allgemeine Hinweise zur Ernährung geben, beziehungsweise auf mögliche Risiken der Anwendung hinweisen.

Welche Risiken können bei der Anwendung auftreten?
Reagiert jemand beispielsweise hochallergisch auf bestimmte Lebensmittel, sollte er auf alle Fälle wachsam sein. Eine Crosskontamination mit Hühnerei ist beispielsweise unproblematischer als mit Erdnüssen. Hintergrund ist, dass sich das Hühnerei in der Regel auf eine große Teigmenge verteilt, während bei Nüssen recht häufig um eine Stückkontamination handelt. Das heißt, dass die Nuss als Ganzes im kontaminierten Lebensmittel enthalten ist.

Neben den produktionsbedingten Risiken, gibt es noch das Problem der falsch gepflegten Daten. Um solche Fehler mitzubekommen, haben wir eine Alert-Funktion eingebaut, in der der Anwender uns auf solche Fehler – die leider passieren – hinweisen kann.

Wir empfehlen daher, dass der Verbraucher immer auch die Zutatenliste der Produkte prüft. Denn hierfür haftet der Hersteller.

Für Veganer ist dies leider unzureichend, da der Gesetzgeber die Hersteller nicht verpflichtet, tierische Produkte, die in der Herstellung als Hilfsmittel verwendet werden, zu kennzeichnen.
Dies ist leider richtig und dies können wir auch nicht ändern. Was die Sache bei der Kennzeichnung „Vegan“ zudem erschwert ist, dass es unterschiedliche Ansichten gibt, was vegan ist. Dadurch dass wir auf selber kochen setzen, sind wir von der mangelnden Deklaration auch nur teilweise betroffen. Bei frischem Obst und Gemüse kann man davon ausgehen, dass diese vegan sind. Bei Produkten wie Essig oder Fruchtsäften wird es schwieriger. Diese sind aber von der Anzahl überschaubar und wir recherchieren deshalb im Internet oder stellen Produktanfragen. Gewähr dafür übernehmen, dass diese auch wirklich vegan sind, können wir aber leider nicht.

Um dies abzumildern, haben wir das „erweiterte Sortiment“ eingeführt. Hier blenden wir Lebensmittel, die nicht im Supermarkt vorhanden sind, in grauer Schrift ein. Wenn wir jetzt zum Beispiel mitbekommen, dass der Apfelessig eines Discounters vermutlich nicht vegan ist, blenden wir einen veganen Apfelessig eines anderen Herstellers ein und können so das Rezept vorschlagen. Steht der Veganer jetzt im Supermarkt, kann er selbst entscheiden, ob er den vorhandenen Apfelessig bezieht oder nicht. Alternativ kann er einen veganen Essig wo anders beziehen und ihn in seine Vorratskammer stellen.

Wenn man sich auf die Datenqualität nicht 100% verlassen kann, wo ist dann der Nutzen?
Ich sehe in cook-it-yourself in erster Linie ein Navigationssystem für die Ernährung, vergleichbar mit einem Navi im Auto. Jeder, der ein Navi benutzt, weiß, dass es manchmal Fehler macht. In diesen Fällen fährt man Umwege, fährt im Kreis oder landet gar völlig woanders. Letztlich muss der Fahrer entscheiden, welchen Weg er fährt.  Nichtsdestotrotz, sind Navis eine große Hilfe, insbesondere wenn man keine Ortskenntnis hat.

Ähnlich verhält es sich bei uns. Lass mich das am Beispiel der PETA App erklären. Am meisten profitieren davon Leute, die gerade auf eine vegane Ernährung umsteigen. Neben Rezepten, die man vollständig im klassischen Handel beziehen kann an, machen wir gezielt auch auf vegane Ersatzprodukte aufmerksam. Dies sind beispielsweise das Ei-Ersatzprodukt „No Egg“ oder der Wilmersburger Käseersatz. Der Zusatznutzen hier ist, dass wir dies dem Verbraucher vorschlagen, ohne dass er danach fragt. Wir schlagen Käsespätzle als Rezept vor und als Lebensmittel dann vegane Produkte.

Ich halte es für wichtig auf solche innovativen Produkte aufmerksam zu machen und sie in Reichweite des Endverbrauchers zu bringen.

Als wir die Beta Version in Facebook vorgestellt haben, wurden solche Rezepte von vielen kritisiert, da die Namen von Tierprodukten erschienen sind.

Unser Denkansatz war, die passenden Lebensmittel zu Kochrezepten zu finden. Die zuvor angesprochenen Käsenudeln veganisieren wir, in dem wir eben veganen Käse als Lebensmittel vorschlagen. Die Sprache haben wir dabei vernachlässigt.

Die meisten, welche Kritik geäußert haben, haben die Anwendung nicht richtig angesehen. Sie lasen Joghurt oder Wurst und dachten „das will ich nicht“.  Andere störten sich an den Begriffen, was wir durchaus nachvollziehen können. Um zu zeigen, dass wir diesen Punkt ernst nehmen,  haben wir daher die Zutaten für die vegane PETA App umbenannt. Die Rezepttexte anpassen ist zwar schwerer und mehr Aufwand, aber dennoch machbar.

Bevor wir allerdings die Zeit und den Aufwand investieren, möchten wir uns mit der Community abstimmen und die Sprache, die wir einbauen, klären. Im Alltag spricht kein Veganer von pflanzlichen Käsespätzle. Auch der Bergriff Sojasahne ist suboptimal, da es auch z.B. Kokossahne gibt. Der Gesetzgeber verbietet beispielsweise, die Milch aus Sojabohnen Sojamilch zu nennen, da es sich nicht um „Milch“ handelt und daher irreführend  für den Verbraucher ist. Ich dagegen halte den Begriff Sojadrink für verwirrender.

Die kommenden Tage werden wir hierzu ein paar Vorschläge machen, freuen uns aber auch über konstruktive Vorschläge von Euch und auf eine offene Diskussion mit der Community. Ich denke, dies ist wichtig.

Wie reagiert der Handel auf cook-it-yourself?
Wenn wir anrufen, stoßen wir eigentlich immer auf Interesse. Die Idee ist ja eigentlich auch nicht neu. Bisher unterschätzen die Händler immer noch, wie wichtig für immer mehr Kunden Transparenz bei der Ernährung ist. Die gilt sowohl für die wachsende vegane Community, als auch für Menschen, die sich bewusst ernähren wollen oder müssen. Weiterer Grund ist, dass das System komplex ist und der kaufmännische Nutzen für den Handel noch völlig unklar ist.

Der erste Händler, der mit unserer Technologie Rezepte an sein Sortiment anbindet, ist das innovative Start up “Emmas Enkel”. Die Anwendung wird die kommenden Tage live geschaltet. Hier wird aber in der ersten Phase keine Veggie- und Allergiedeklaration vorgenommen.

Die Sortimentsinformationen der konventionellen Händler beziehen wir von unserem Partner Mynetfair. Die Qualität der Allergie und Nährwert Informationen von Ecoinform müssen wir aber erst noch aufbauen.

Äußerst unbefriedigend ist aber folgende Situation: Für den Biobereich haben wir umfangreiche Informationen über die Beschaffenheit der Lebensmittel, die wir über die Produktdatenbank Ecoinform beziehen, wissen aber leider nicht wo diese bezogen werden können. Im konventionellen Lebensmittelhandel arbeiten wir mit der Produktdatenbank Mynetfair zusammen und Wissen, wo die Produkte bezogen werden können. Hier muss eine umfangreiche Produktdeklaration, wie bei Ecoinform vorhanden, erst noch aufgebaut werden.

Wie kann man das ändern?
Was wir brauchen, ist eine mediale Reichweite und populäre Organisationen wie PETA, die nicht nur gut finden was wir tun, sondern auch den Mut haben, sich öffentlich hinter uns zu stellen (von daher vielen Dank an Euch).

Wir stehen mit unserer Anwendung ganz am Anfang. Uns ist bewusst, dass wir uns noch an vielen Stellen verbessern können und müssen. Dies geht aber nicht ohne Rückenwind. In Zeiten von Internet und Facebook, sind dies Klicks und/oder Facebook Fans. Also, besucht unsere Facebookseite und werdet unsere Freunde. Denn jeder unserer Freunde ist im Handel ein Kunde!

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Infos zu Cook-it-yourself: Tipps & Tricks, die Idee und Ziele und Vorstellung der App.

Habt Ihr Ideen zur App, Verbesserungsvorschläge oder Hinweise: hinterlasst unter diesem Artikel einen Kommentar.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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