Ernährung

Ingrid Newkirk über Insekten als Lösung des „Proteinproblems“

Insekten Gruene Grille

Auf PETA Prime befasst sich Ingrid Newkirk mit der Frage, ob es ethisch vertretbar ist, Insekten zu essen. Ihre Argumente haben wir hier als Gastbeitrag übernommen.

PETAs Lösung für das ‘Proteinproblem’: Nein, es sind keine Grillen

Grillen-Empanadas, Mehlwurmbällchen, Termite an Mango: Diese Gerichte klingen, als entstammten sie direkt einer Halloween-Horror-Küche. Aber vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis sie auf der Speisekarte vieler Restaurants stehen. Denn seit einiger Zeit schießen sich immer mehr Foodies – die sowieso alles essen, ob es sich nun bewegt oder nicht – auf die Idee ein, das Essen von Insekten könne auf magische Weise den Welthunger stoppen. Denn, so die Annahme, man könnte damit eine wachsende Weltpopulation mit jeder Menge Proteinen versorgen.

Unsinn! Ich finde, wenn man so verzweifelt einen Proteinüberschuss braucht, dann esst die Wale.

Und scheinbar stimmen mir die Autoren des kürzlich erschienenen Buchs On Eating Insects: Essays, Stories and Recipes zu. Sie weisen darauf hin, dass man alle nötigen Ressourcen bedenken müsse: Die Tiere brauchen Nahrung, müssen dann getötet werden, um überhaupt auf unserem Teller landen zu können, und schließlich müssen ihre Körperteile über weite Entfernungen an Restaurants und Supermärkte verschickt werden. Und wir reden hier von Milliarden von Lebewesen. Deshalb wäre es, so die Autoren, tatsächlich besser, Wale zu essen. Das sage ich schon seit Jahren.

Man muss es einmal so betrachten: Wenn man im Supermarkt ein sogenanntes Masthühnchen kauft, ist an seinem dürren Körper vielleicht genug Fleisch für eine vierköpfige Familie. Schießt man mit der Harpune auf einen 40 Tonnen schweren Wal, kann man damit ein ganzes Dorf bestehend aus 2.000 Bewohnern wochenlang versorgen.

Jetzt stellt euch vor, wie viele Insekten man töten müsste, um so viele hungrige Menschen zu ernähren. Läge diese Entscheidung bei den Tieren und Insekten, würde die Wahl auf den Wal fallen. Würde ein Mensch also Wale essen, würde er in seinem Leben wesentlich weniger Tiere töten als all diejenigen, die sich an Chicken Nuggets oder Grillensnacks bedienen. Und auch wenn Insekten klein sein und in unseren Augen seltsam aussehen mögen, bedeutet das nicht, dass ihr Leben nichts wert ist oder dass sie ihr Leben nicht genießen wollen.

Wenn einem jetzt bei dem Gedanken an Walfleisch schlecht wird, dann ist das völlig in Ordnung. Aber dann sollte einem bei dem Gedanken an jegliches Fleisch genauso schlecht werden. Denn die meisten Wale dürfen zumindest ein freies Leben in der Natur genießen, bevor sie verbluten. (Abgesehen davon ist es natürlich grausame Realität, dass die Mitglieder von Walfamilien – oder ‘Schulen’ – extrem leiden, wenn ein Tier, z.B. Mutter oder Kalb, aus der Gruppe entnommen wird. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass es nicht messbare psychologische Wunden hinterlässt, den Tod eines geliebten Familienmitglieds mit anzusehen.)

Schweinen, Kühen und Hühnern geht es wesentlich schlechter als Walen – und das ist nicht ihre Schuld. Denn was die Aufzucht und Tötung von Tieren im industriellen Ausmaß angeht, ist hier jeder Rest Mitgefühl und Anstand so vertrocknet wie das Blut auf der Klinge des Schlachters.

Um die Nachfrage nach so vielen Burgern und Chicken Wings stillen zu können, werden Tiere in der Fleischindustrie kastriert, enthornt, ihnen wird der Schwanz amputiert und man schneidet ihnen einen Teil des Schnabels mit einem heißen Draht ab – alles ohne Schmerzmittel oder Betäubung.

Und dann trinken wir auch noch Milch, die für Kälber bestimmt ist – Kälber, die schon kurz nach der Geburt von ihren liebenden Müttern getrennt werden. Anschließend essen wir sie als Kalbfleisch.

Kalb in St. Ottilien

In der landwirtschaftlichen Tierhaltung werden die Tiere zusammengepfercht wie die Pendler in einem Zug in der Rush-Hour in Manhattan. Nur dass die Tiere so leben. Schweine müssen das Ammoniak ihrer eigenen Ausscheidungen einatmen, die sich in Trögen unter ihren Verschlägen ansammeln. Sie entwickeln deshalb eine Krankheit namens Kohlenstaublunge. Und weil sie auf harten Zementböden liegen müssen, haben sie offene Wunden an den Gliedmaßen.

„Masthühner“ werden darauf gezüchtet, eine möglichst schwere Brust zu haben. Doch diese lässt die Knochen in ihren Beinen splittern und am Ende ihres Lebens leiden die Tiere unter chronischen Schmerzen. In Eierfabriken können Hühner niemals auch nur einen Flügel ausstrecken oder sich hinlegen, weil es an Platz fehlt. Und sobald sie nicht mehr genügend Eier legen, pfercht man sie mit einer solchen Wucht in Transportkäfige, dass ihnen Flügel und Beine brechen.

Doch zurück zu den Walen. Wenn die Menschen den Geschmack von Tierfleisch wirklich so unwiderstehlich finden, dass sie einfach nicht die Finger davon lassen können, dann sollten sie eins verstehen: Es würde wesentlich weniger Leid verursachen, die riesigen Meeressäuger zu essen, als im Supermarkt beim Hühnerbrustfilet zuzuschlagen.

Und was die Insekten angeht: Kognitionswissenschaftler/-innen haben mittlerweile herausgefunden, dass Insektengehirne zwar winzig sind, aber doch die gleichen Funktionen wie das menschliche Mittelhirn erfüllen. Dieses Mittelhirn ist der neurale Kern, der seit jeher unsere Wahrnehmungsfähigkeit unterstützt. Mit anderen Worten: Diese kleinen Lebewesen haben, genau wie wir, ein Bewusstsein. Damit wird der Gedanke, sie für unsere Ernährung zu züchten, ethisch problematisch.

Und was sagt uns all das? Die Antwortet lautet nicht, Wale zu essen, sondern stattdessen endlich auf eine ethische Ernährung umzusteigen und vegan zu leben.

 

Ingrid Newkirk ist die Vorsitzende von People for the Ethical Treatment of Animals (PETA)

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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