Ernährung

Initiative Tierwohl verliert die Legitimation

Nach den jüngsten Aufdeckungen steigt nun die letzte Tierschutzorganisation aus der Initiative Tierwohl aus. ProVieh war einer der Mitbegründer der Initiative, nach dem Ausscheiden des Deutschen Tierschutzbundes vor ein paar Wochen verliert die Initiative nun endgültig an Legitimation seitens des Tierschutzes. Der Bauernpräsident von Schleswig-Holstein erklärt überraschenderweise offen die gemeinsame Politik der kleinen gemeinsamen Schritte für „gescheitert“.

Tierleid in Schweinefarmen

Hintergrund sind Recherchen von Tierrechtsorganisationen, die u. a. in Ställen von hohen Bauernfunktionären, Lobbyvertretern und Mitgliedern des Bundestages, die verstörende Bilder ans Licht gebracht haben. PETA Deutschland veröffentlichte unter anderem Bilder aus dem Stall von Josef Rief (CDU), auf denen Tiere mit blutig gebissenen Schwanzspitzen, in Kastenständen gepferchte Sauen und eine Kadavertonne voller toter Tiere zu sehen waren. Aufnahmen aus einem anderen Stall in Merklingen, Baden Württemberg, zeigten tellergroße Wunden und Schweine, die in ihren eigenen Exkrementen krepierten.

Initiative nichts mehr als Greenwashing

Beide Ställe nahmen an der Initiative Tierwohl teil, davon war aber in den Betrieben nichts zu sehen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn um die Kriterien zu erfüllen reichen 100cm² mehr Platz pro Schwein, ein wenig Stroh oder auch mal eine Holzlatte oder Jutesack. Und was im Supermarkt für den Verbraucher als „besonders artgerechte Tierhaltung“ auszusehen mag, ist in Wirklichkeit eine weitere Greenwashing-Initiative der Tierhaltungsindustrie, die den Tieren kaum zugutekommt. Auch ProVieh hat nun erkannt, dass bei der Initiative die „Priorität nicht beim Tierwohl liegt“.

Wann steigen die nächsten aus?

Das wirklich Verwunderliche ist, dass die Supermarktketten immer noch an der Initiative teilnehmen. Denn eigentlich sind sie die, die am meisten hinters Licht geführt werden. Die Handelsunternehmen zahlten dieses Jahr 85 Millionen Euro an die Initiative für höhere Tierschutzstandards. Doch nun erweist sich, dass das Geld vermutlich gar nicht bei den Tieren ankommt. Es bleibt abzuwarten, wann die ersten Supermarktketten dies erkennen und den Tierschutzverbänden folgen.

Auch den Verbrauchern sei geraten: anstatt sich auf vermeintliche Qualitätssiegel zu verlassen, kann jeder und jede schon heute direkt den Tieren helfen.

 

Über den Autor

Andrzej

Andrzej ist Koordinator für Osteuropa bei PETA Deutschland und ist am Ausbau der Tierrechtsbewegung in dieser Region interessiert.

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