Ernährung

Ich träumte, ich sei ein Hummer

Als ich geboren wurde, schwamm ich mit meinen mehreren tausend Geschwistern als kleine Larve durch den großen weiten Ozean. So trieb ich dahin und genoss die Freiheit, meinen neuen Lebensraum erkunden zu dürfen. Als mein Zuhause suchte ich mir eine kleine Höhle, bis auf einige wenige Kilometer habe ich mich nie weiter von dieser entfernt. Ich liebe die Ruhe und die Dunkelheit, tagsüber verbringe ich meine Zeit in meiner Höhle auf dem Meeresgrund, höre den Wellen und dem Rauschen zu und lasse entspannt das Leben an mir vorüberziehen. Erst in der Nacht werde ich aktiv….dann laufe ich umher, auf der Suche nach Nahrung, und genieße die Ruhe, die das Meer zu später Stunde bietet. Wir Hummer sind nicht nur „Nachtmenschen“, sondern auch ausgeprägte Einzelgänger, wir leben mit dem Meer – und sind uns dabei selbst genug. Manchmal treffen wir auf andere Hummer, aber für gewöhnlich bevorzugen wir es, unser kleines Reich nur für uns zu haben. Denn andere Hummer werden leicht übermütig und Gesellschaft empfinden ich als großen Stress, nicht zuletzt haben sie ja auch so scharfe Scheren, wie ich sie habe.

So kam es, dass ich eines Nachts nichtsahnend in die Falle tappte, die hinterhältige Menschen mir gestellt hatten. Neugierig, wie ich es schon immer war, wollte ich den großen offenen Kasten erkunden, der da so verloren auf dem Meeresboden herumstand. Plötzlich konnte ich weder nach vorne noch zurück, meine Scheren waren nicht stark genug, die steinharten Drähte zu durchschneiden. Ich saß in der Falle und etwas hievte mich nach oben, alles wurde schrecklich hell und ein erneuter Ruck zog mich brutal an die Luft. Verwirrt und geschockt schnappte ich nach Wasser….schon wurden meine Scheren zusammengebunden, so dass ich nur noch die kurzen Hinterbeine bewegen konnte. Kaum versah ich mich, da steckte ich auch schon gemeinsam mit einigen anderen Hummern in einer kleinen, dunklen Kiste. Sie sahen miserabel aus…..geschockt und verängstigt. Ich hatte die Einsamkeit meiner Höhle stets genossen, hier in der Kiste litt ich extrem unter der Enge, und all die anderen Hummer machten mir entsetzliche Angst. Wir fühlten, dass etwas unsere Box bewegte. Die Zeit verging quälend langsam und immer noch wussten wir nicht, was mit uns geschah. Dabei waren wir so dicht an dicht gestapelt, dass wir aufeinander herumkrabbeln mussten, und bei jedem neuen Stoß wurden wir aufs Neue durcheinandergeworfen. Viele von uns erlagen den Strapazen, noch bevor wir unser Ziel erreichten.

Nach einer Weile, die mir schier unendlich schien, wurde ich in einen kleinen, engen Wasserkasten gesteckt, indem sich noch mehr Hummer, aufgrund der Enge über- und nebeneinandergekauert, beklommen gegenseitig auf die Füße traten. Seit Ewigkeiten hatte ich nichts mehr zu essen bekommen, ich war so hungrig, dass ich vor lauter Hunger von innen auszuzehren begann – ein furchtbares Gefühl, das nur verstehen kann, wer es schon einmal erleben musste. Hatte ich bislang versucht, mich zu wehren und mit meinen zusammengebunden Scheren gegen die Angreifer zu wehren, wurde ich nun immer apathischer und hörte bald ganz auf, mich zu bewegen. Wie all die anderen gefangenen Hummer suchte ich nach Schatten, einer kleinen Höhle, einem Unterschlupf. Nirgendwo konnte ich mich verstecken, ein bisschen Ruhe oder Schatten finden. Alles war so hell, laut und grell, dass es unverwandt blendete. Um mich herum überall laute Geräusche, wie ich sie noch nie gehört hatte.

Dann, ich habe schon lange kein Zeitgefühl mehr, werde ich aus dem kleinen dreckigen Wasserkasten hervorgezogen. Jemand entfernt die Bänder um meine Scheren und dann passiert…das Unvorstellbare! Solche Grausamkeiten hätte ich mir in meinen schaurigsten Tagträumen nicht ausmalen können. Zusammen mit mehreren meiner Artgenossen, denen man anmerkt, dass auch sie nicht wissen, was mit ihnen geschieht, werde ich grob nach unten in einen großen Topf gedrückt und da ist er: der unsäglich grausame Schmerz des Gekocht-werdens!!! Es ist so heiß, dass ich innerlich verbrühe und als ich panisch versuche, an den Wänden des grauen, großen Topfes emporzuklettern, merke ich, dass sie so rutschig sind, dass ichwieder und wieder in die tödliche Hitze des kochenden Wassers zurückgeworfen werde. Als noch mehr verzweifelte Hummer von oben in meinem Topf gedrückt werden, kühlt das Wasser wieder etwas ab und ich kann für einen kurzen Moment aufatmen. Doch das Wasser beginnt schon bald, erneut zu kochen und mein verzweifelter Todeskampf geht in die letzte, finale Runde – Wir zappeln, schreien und winden uns, klettern um unser Leben… aber für einen nach dem Anderen ist es….zu spät. Einer schafft es noch fast bis zum Deckel und versucht panisch, diesen zu öffnen, doch jemand presst den Deckel entschlossen von oben auf uns herab, es gibt kein Entrinnen vor dem sengenden Wasser. Langsam kehrt im Kochtopf Ruhe ein, während das Wasser auch weiterhin unentwegt kocht und zischt.

Jetzt, aus der Ferne, kann ich besser begreifen, was damals geschah. Kann sehen, was ihr Menschen mir, und vielen meiner Freunde, angetan habt, nur um etwas zu schaffen, dass ihr „Delikatesse“ nennt. Sehe euch lachen und ungerührt auf das Leben anstoßen, während wir direkt daneben im Kochtopf langsam und qualvoll getötet werden. Ich habe verstanden, dass ich wochenlang in enge Kühlboxen eingesperrt und um die halbe Welt verschifft worden bin, nur um in Deutschland in einem Kochtopf ein trauriges Ende zu finden. Die Grausamkeit ist gar noch so weit weg wie ihr denken mögt…sie landet am Ende auf euren Tellern. Kein anderes Lebewesen tötet so willkürlich, so unbedacht und so nebenbei…wie der Mensch. Wenn ich höre, dass manche Menschen noch immer glauben, dass es uns nicht wehtut, lebendig gekocht und qualvoll getötet zu werden, dann merke ich, wie unfassbar wenig ihr doch über uns wisst. Ihr könnt unsere Schreie nicht hören, aber wenn ihr es könntet, würden sie jedem Einzelnen von euch das Herz brechen.

Ihr denkt, wir vermenschlichen Hummer hiermit? Weit gefehlt… . Was für mich nur ein Traum war, ist für eine Million Hummer in Deutschland, die jedes Jahr lebendig gekocht und verspeist werden, Realität. Warum versagen wir ihnen unser Mitgefühl? Wie können wir unsere geliebten tierischen Mitbewohner liebevoll umsorgen und gleichzeitig zulassen, dass wir einer Lebensform, die so unergründlich und faszinierend ist, dass manche sogar glauben, dass Hummer unsterblich seien, solch unermessliches Leid zufügen? Hummer bewohnen ein Element, das uns so fern ist, dass wir sie niemals werden verstehen oder mit ihnen kommunizieren können. Doch was spielt das für eine Rolle? Wer würde eine Katze in kochend heißes Wasser schmeißen, den Topfdeckel schließen und warten, bis sie sich nicht mehr bewegt? Hummer leiden, wenn sie lebendig gekocht werden! Mitfühlenden Menschen bleibt nur eine logische Wahl: sie würden niemals zulassen, dass in ihrem Namen Hummer gequält und getötet werden.

PETA setzt sich für alle Tiere ein – ohne Ausnahmen! Willst du uns dabei unterstützen? Hier kannst du dich in unser Aktivistennetzwerk eintragen, um mit uns zusammen die Rechte der Tiere zu verteidigen. Wir freuen uns auf dich! Unter www.veganstart.de bekommst du von uns 30 Tage lang kostenlose Informationen, mit denen der Umstieg auf die vegane Ernährung auch dir spielend leicht gelingt!

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Über den Autor

Christiane

ist Aktivistenkoordinatorin bei PETA Deutschland. Sie betreut Aktive in ganz Deutschland und setzt sich vor allem für die Enten und Gänse in der Stopfleber-Produktion ein - denn jedes Tier hat ein Recht auf Leben und Freiheit!

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