Ernährung

Gedanken zum Essay „Ran an die Buletten“ im Zeit Magazin

Zwischen absoluter Verwunderung und Entsetzen schwankte ich beim Lesen von „Ran an die Buletten“ aus dem Zeit Magazin.

Ein Satz dieses Essays ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, bei dem ich voll uns ganz zustimme: „ Wenn man glaubt, dass Boykott der richtige Weg sei, um Nutztieren Schmerzen zu ersparen, muss man auch auf Milch, Eier und alle anderen tierischen Eiweiße verzichten. Man muss Veganer werden.

Schade nur, dass Frau Raether diesen Gedanken nicht logisch fortführt, sondern sich lieber mit unhaltbaren und substanzlosen Thesen und mit Aussagen einzelner, die Tiere schon immer so behandelt haben, zufrieden gibt.

Zunächst einmal hat jeder Mensch hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber ein Recht auf eigenes Denken ist nicht dasselbe wie ein Recht auf Handeln. Man kann glauben oder sagen, Tiere sollten getötet, schwarze Menschen versklavt oder Frauen geschlagen werden, aber man hat deswegen noch lange kein Recht, diese Ansicht in die Praxis umzusetzen.

Zahlreiche Wissenschaftler haben sich mit dem Schmerzempfinden und den Fähigkeiten von Tieren auseinandergesetzt

So erreichen oder überschreiten die kognitiven Fähigkeiten von Fische sogar die von ‚höheren‘ Wirbeltieren.“ Ihr Langzeitgedächtnis hilft Fischen komplexe soziale Beziehungen nachzuvollziehen. Ihr räumliches Erinnerungsvermögen ermöglicht es ihnen, sich kognitiv Landkarten zu erstellen, die sie durch die Gewässer geleiten. Schweine spielen und sind zu einer abstrakten Vorstellung fähig. Sie sind viel schlauer als Hunde und bei Videospielen sogar besser als manche Primaten. Schweine bilden komplexe soziale Einheiten und lernen von einander in einer Weise, die zuvor ausschließlich bei Primaten beobachtet wurde.

Es stimmt, es ist schwierig kausale Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit herzustellen. Zum einem sind Interventionsstudien beim Menschen über einen langen Zeitraum schwierig durchzuführen und zum anderen müssen viele (Stör-) Faktoren wie z.B. Rauchen statistisch berücksichtigt werden. Die undifferenzierte Aussage in diesem Essay lässt Leser jedoch glauben, es gäbe keine Studien die wissenschaftlich darlegen können, dass eine positive Korrelation zwischen fleischloser Ernährung und Zivilisationskrankheiten existiert.

Die Auswirkungen von veganer Ernährung auf die Gesundheit

Verschiedene groß angelegte Studien haben Erkenntnisse geliefert, welche Folgen eine vegane Ernährung auf die Gesundheit hat. Vegetarier und Veganer weisen ein deutlich geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen auf. Dies gilt v. a. für Übergewicht, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für bestimmte Krebsarten.

Beispielhaft für solche Studien sei hier die Adventist Mortality Study genannt. In den USA wurde mit etwa 15.000 Teilnehmern über eine Beobachtungszeit von 26 Jahren in dieser prospektiven Kohortenstudie der Zusammenhang zwischen vegetarischer bzw. nicht-vegetarischer Ernährung und Sterblichkeit untersucht. (In einer prospektiven Kohortenstudie wird der Zusammenhang zwischen verschiedenen Ernährungsweisen und dem Erkrankungsrisiko gesunder Personen untersucht.)

Ebenso befassten sich die Vegetarierstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums, die UK Women’s Cohort Study, die Oxford Vegetarian Study mit dem Zusammenhang von fleischloser Ernährung und Sterblichkeit und der Prävalenz von Erkrankungen. Weitere Studien wie z.B. die Adventist Health Study 2 laufen gerade noch oder befinden sich in der Auswertung.

Vegane Ernährung ist gesund. Die American Dietetic Association and Dietians of Canada stellte schon 2003 in ihrem Positionspapier fest, dass “gut geplante vegane Ernährung oder andere Arten vegetarischer Ernährung für alle Phasen des Lebens geeignet sind, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe Kindheit, Kindheit und Jugend“.

Gesunde vegane Ernährung

Der Behauptung, es sei kompliziert vegan zu leben und wäre nur mit Selbstkontrolle zu schaffen, kann ich nicht zustimmen und wer schon mal veganen Schokoladenkuchen essen durfte, weiß wovon ich spreche. Ihre Befürchtungen zu sogenannten „Ersatzprodukten“, die Alternativen zu Fleisch und Milchprodukten darstellen, finde ich lobenswert. Vegane Ernährung aber mit dem Verzehr solcher Produkte gleichzusetzen ist eine weitere sehr vereinfachte Darstellung. Für manche Menschen stellen diese Produkte eine „Einstiegshilfe“ dar und die wenigsten verzehren solche Produkte in großen, gesundheitsschädlichen Mengen. Für Veganer gilt – wie für Omnivoren – möglichst naturbelassene Produkte zu verzehren.

Viele der 1,2 Millionen Veganer haben sich aber nicht aus gesundheitlichen Gründen für tierleidfreie Ernährung entschieden, sondern aus ethischen. Jedes Tier hat das Recht auf unversehrtes Leben, so wie der Mensch auch. Der Mensch hat nicht das Recht, Tiere für Nahrung, Kleidung, Unterhaltung oder Versuche zu benutzen oder zu töten. Die Maxime des Antispeziesismus als untauglich zu bezeichnen, nur weil sie schwer im Ganzen zu erfüllen ist, ist eine leichte Ausrede, es erst gar nicht zu versuchen. Man hat immer die Möglichkeit so viel wie möglich zu tun, erst Recht wenn sich jahrelanges Tierleid verhindern lässt, indem ich auf einen flüchtigen Gaumenkitzel verzichtet.

Über den Autor

Felicitas

ist bei PETA Fachreferentin für Ernährung und findet, dass Essen nur ohne Tierleid ein Genuss ist.

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