Werden Hennen totgepickt, weil Schnäbel nicht mehr kupiert werden?
Ernährung

Werden Hennen totgepickt, weil Schnäbel nicht mehr kupiert werden?

Huhn PETA

Seit Anfang 2017 ist es nicht mehr erlaubt sogenannten Legehennen für die deutsche Eierindustrie vorbeugend den vorderen Teil des empfindsamen Schnabels zu amputieren. War diese Entscheidung richtig oder leiden die Vögel in der Eierindustrie nun unter dem Verbot der kupierten Schnäbel?

kupierte Schnäbel Küken

Hühner und ihre Bedürfnisse

Hühner sind intelligente und faszinierende Lebewesen, dessen Urform noch heute in den asiatischen Waldrandgebieten lebt – sie kommen also aus dem Dschungel. Hier leben sie in kleinen Tiergruppen in einem festen Verband und einer strengen Hackordnung. Den Tag über suchen Hühner nach Insekten, Samen, Gräsern, Beeren und nach allem, was der Waldboden noch an Essbarem hergibt. Mit bis zu 15.000 sogenannter Pickschläge erkunden sie ihre Umgebung ausführlich. Durch Zucht auf eine immens hohe Eileistung legen Hühner in der Eierdindustrie ein Vielfaches an Eiern, die das sogenannte Urhuhn zur Fortpflanzung legt. Nämlich bis zu 300 Eier oder mehr anstatt um die 20 Eier. Um diese hohe Eianzahl zu fördern, bekommen Hühner jeden Tag das gleiche energiereiche Futter vorgesetzt. Dadurch können sie ihr ausgeprägtes Bedürfnis nach Futtersuche und dem Picken nicht ausleben, was zu einer Umleitung der fehlenden Pickschläge auf Artgenossen führen kann.

 

Warum keine kupierten Schnäbel mehr?

Das Kupieren der Schnäbel hat also den traurigen Hintergrund, dass sich die Tiere aufgrund verschiedener Faktoren mit intaktem Schnabel viel stärker gegenseitig verletzen können, als zu Zeiten der kupierten Schnäbel. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise Stress durch viel zu große Tiergruppen, wenig Platz um ranghöheren Tieren aus dem Weg zu gehen oder der kargen Lebensumgebung, in der die sensiblen Hühner kaum eine ihrer arttypischen Verhaltensweisen ausleben können. Weder Hühner in ausgestalteten Käfigen, noch dem Freiland- oder Biohuhn, ist es möglich in kleinen Tiergruppen und einem dschungelähnlichen Habitat zu leben. Zudem können sie ihren ausgeprägten Picktrieb meist nicht ansatzweise ausleben. Deshalb ist zwar das Kupieren der sensiblen Schnabelspitzen absolute Tierquälerei, aber auch keine kupierten Schnäbel bedeuten immens hohes Tierleid. Denn die schmerzhaften Verletzungen durch das sogenannte Federpicken können bis hin zum Kannibalismus führen. Da Hühner sehr schnell lernen, kommt es nicht selten zu hohen Todesraten in den Legebetrieben. Bis zu 50% oder mehr „Verlust“ ist durch das Ausleben ihres Picktriebs an Artgenossen möglich.

Küken Verletzung

Und nun?

Es kann nicht sein, dass Tiere durch Amputationen den Haltungsbedingungen angepasst werden, deshalb ist das Verbot definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Doch hier wurde lediglich die Amputation verboten, ohne die Haltung zu ändern – das führt ebenfalls zu massivem Tierleid. Doch dieses Leid lässt sich ganz einfach vermeiden. Hühner sind Vögel und Vögel legen Eier um sich fortzupflanzen. Wir dagegen brauchen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung keine Eier, die dazu meist mit massiver Tierquälerei verbunden sind – und das unabhängig von der Haltungsform.

Mach dich eifrei!

Hühner sind liebenswerte Lebewesen und wir haben kein Recht sie zu eierlegenden Maschinen zu degradieren. In unserer Kampagne Mach dich eifrei! zeigen wir eine Vielzahl von Alternativen zum Ei auf – auch in verarbeiteten Lebensmitteln wie Nudeln, Gebäck oder Keksen. In unserem Veganstart-Programm helfen wir zudem beim Einstieg in ein veganes Leben – unverbindlich und kostenlos.

Über den Autor

Lisa

ist Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie. Sie hat Agrarwissenschaften studiert und will sich nun für alle Tiere stark machen, egal ob sie muhen, grunzen, gackern, bellen oder miauen.

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