Die Geschichte von Schwein Karlchen wird Euch das Herz brechen
Ernährung

Die Geschichte von Schwein Karlchen wird Euch das Herz brechen

Schwein Karlchen
© istock / Petr-MaA!ek

Gastbeitrag der Autorin Sarah Drüeke, die Journalistik studiert, um allen Tieren eine Stimme zu geben:

Neuburg – Vier Uhr morgens. Im Hof der Familie Ziegler ist es totenstill. Der Wind fährt durch die schneebedeckten Bäume. Lichterketten zieren den Balkon des Hauses. Nichts deutet auf das Bevorstehende hin. Doch plötzlich grunzt es aus dem Stall nebenan. Karlchen (das Schwein bekam den Namen von der Autorin) wuselt bereits munter im Stroh herum. Er ist ein kastrierter Eber. Ein „kleiner Entmannter“, wie Tochter Anna-Lisa Ziegler ihn nennt. Karlchen wiegt mit seinen sieben Monaten bereits 120 Kilogramm. Ein grünes, mit Kreide gemaltes Kreuz ziert seinen Rücken. Er wühlt mit den anderen Schweinen im Schnee, den ihnen Anna-Lisa in eine Ecke auf das Stroh gekippt hat. Neugierig lugt Karlchen mit seinen schwarzen Kulleraugen durch die offene Stalltür. Eine hochkant aufgestellte Holzplanke hindert ihn am Ausbüxen. Herr Ziegler, Anna-Lisa und ihr Freund steigen über die Planke und stapfen durch das Stroh. Sie treiben die Schweine von den Futtertrögen weg nach vorne. Laut und aufgeregt grunzen die rund 20 Schweine im Stall, springen wild umher auf der Suche nach einem Fluchtweg. Das aufgewirbelte Stroh staubt. Karlchen und sechs weitere Schweine mit Kreuzmarkierung werden in die Stallgasse gedrängt. „Die Erstauslese is für die Herde immer sehr stressig“, sagt Frau Ziegler. Der Anhänger steht bereits geöffnet vor der Stallgasse. Karlchen stutzt. Zögert. Weiß nicht, was ihn erwartet. Trotz aller Zweifel stakselt er hinein. Die anderen Schweine stolpern hinterher.

Ankunft. Rückwärts parkt Herr Ziegler den Anhänger an ein Gebäude neben dem Verkaufsladen der Metzgerei Schmid. Licht dringt aus dem Gebäude. Roland, ein Mitarbeiter der Metzgerei, begrüßt den Schweinebauern. Herr Ziegler öffnet die Verladerampe. Sie scheppert auf den Fliesenboden. Er treibt drei Schweine aus dem Anhänger auf die Waage in der ersten Metallbox. Roland knallt die Metalltür hinter dem dritten Schwein zu. Nun ist Karlchen an der Reihe. Er schreit. Schreit vor Angst. Er rutscht die Laderampe runter. Mit drei weiteren Schweinen wird er in die Box gepfercht. Dann öffnet Roland die vordere Tür. Die Schweine sollen durch einen Gang in eine Sammelbox im Nebenraum marschieren. Karlchen will nicht. Panik zeichnet sich in seinen Augen ab. Er zittert am ganzen Körper. Roland schlägt mehrmals mit einer Metallpatsche mit kleinen Zacken auf Karlchens Hinterteil. Schmerz durchzuckt ihn und er schreit erneut. Zu siebt teilen sich die Schweine die Sammelbox im Schlachtraum. Sie quetschen sich alle in ein Eck, drängen sich aufeinander. Sie schreien. Quietschen. Kreischen. Ununterbrochen. „Des is ned normal, de schrein sonst ned so. Ned, dass du no moansd wir machan hier Tierquälerei“, sagt Roland. Ein Kälbchen ist mit einem Strick an der Sammelbox angebunden. Es erschrickt, macht einen Satz nach vorn. Karlchen kauert verkrampft auf einem anderen Schwein. Im Schlachtraum steht links eine große Maschine aus Metall. Die „Enthaarungsmaschine“, erklärt Roland. Ein Metalltisch, ähnlich dem eines Pathologen, steht direkt davor. Weitere Metalltische stehen an den gefliesten Wänden, eine Wasserbrause baumelt von der Decke.

Es ist so weit. Karlchen ist dran. Nummer 13 von 43. Es ist leiser. Die Schweine grunzen nicht mehr. Durch eine Klappe wird Karlchen mit zwei weiteren Schweinen nach vorne in eine separate Box gescheucht. Roland braust Karlchen mit einem Wasserschlauch kurz ab. Das grüne Kreuz verschwimmt leicht, ist aber immer noch zu erkennen. Ein Mann mit Glatze hält ein V-förmiges, gebogenes Gerät in der Hand. Der Elektroschocker. Noch bevor Karlchen überhaupt realisiert, was geschieht, schließt der Mann den Elektroschocker um Karlchens Hals. Strom durchfährt ihn, er zittert, zappelt, kippt um. Das Gerät piepst laut. Schnell schließt der Mann den Elektroschocker um Karlchens Bauch. Ein anderer Mann schlingt eine Metallkette um Karlchens linkes Hinterbein. Sie zieht den betäubten Karlchen nach oben, kopfüber hängt er da. Sein Bein zuckt. Roland greift zum Messer. Gekonnt sticht er in Karlchens Kehle. Dunkelrotes Blut fließt in den Eimer, den Roland unter Karlchen hält. Es riecht nach Eisen. In einem Wasserbad wird Karlchen abgebrüht. Seine Augen sind geschlossen. Dann plumpst Karlchen direkt in die Enthaarungsmaschine. „Jetz wird er sauber gmacht“, sagt Roland. Wie eine Wäschetrommel schleudert sie Karlchen. Blut und Wasser spritzen. „PATSCH PATSCH PATSCH PATSCH“- immer wieder knallen Karlchens Beine gegen die runde Metallwand der Maschine. Plötzlich prasseln Flammen von oben auf Karlchens Körper. Es riecht verbrannt. Das Kreuz ist verschwunden. Die Maschine spuckt Karlchen auf den Metalltisch. Zwei Männer bearbeiten ihn mit Messern. Sie spießen durch beide Hinterbeine einen Metallhaken. Ketten ziehen Karlchen wieder kopfüber nach oben, mit gespreizten Beinen hängt er da. Roland nimmt ein Messer und schneidet Karlchens Bauch auf. Er packt die Gedärme und legt sie auf einen Metalltisch. Er greift zu einem Beil, stellt sich vor Karlchen, holt aus und spaltet ihn. „TACK TACK TACK“. Drei Schläge braucht es. In zwei Hälften geteilt baumelt Karlchen von der Decke.  Ein Mann schreibt mit einem Marker „13“ auf Karlchens Hinterbeine. Ein anderer Mann hantiert mit einer Säge an Karlchen rum. Johann Schmid öffnet die Metalltür zur Kühlung. Er schiebt zuerst Karlchens eine Körperhälfte, dann die andere in den Kühlraum. Am Donnerstag wird Karlchen verwurstet

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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